Nachrichtendienst dementiert hohe Zahl der geplanten Entlassungen
Reuters-Mitarbeiter bangen um Jobs

Seit Anfang des Jahres ist Hektik bei dem britischen Informationsdienstleister Reuters ausgebrochen. Mit zahlreichen Initiativen rüstet sich die Traditionsfirma für das Internet. Bei der Neuausrichtung auf private Investoren werden zahlreiche Mitarbeiter ihren Job wechseln - manche wohl auch verlieren.

LONDON. Am Wochenende schlugen die Wogen bei der Reuters Company Plc hoch. Nach einem Bericht der Zeitung "Independent on Sunday" soll der britische Nachrichten- und Informationskonzern planen, sich von rund 1 700 Mitarbeitern oder rund 10 % seines Personals zu trennen.

Ein Reuters-Sprecher wies diesen Bericht auf Nachfrage zurück. Seit Verkündigung der Internetstrategie im Frühjahr dieses Jahres habe sich im Prinzip nichts verändert. Reuters werde im Zuge dieser Ausrichtung Personal verlieren, doch in anderen Geschäftsbereichen und Gemeinschaftsunternehmen Personal aufstocken. Ihm sei es ein Rätsel, wie die berichtete Zahl zustande komme. Das Unternehmen habe zu keiner Zeit darüber Angaben gemacht.

Im Frühjahr hatte Chief Executive Officer Peter Job die Märkte aufhorchen lassen. Job verkündete, dass das Unternehmen, das seine Informationen bislang an Banken und die Presse veräußerte, jetzt den direkten Draht zu privaten Investoren suche. "Ein Potenzial von 65 Mill. privaten Investoren kann man nicht ignorieren", begründete Job die neue Strategie. Sogar auf 120 Mill. potenzielle Kunden kommt Job, wenn es um Menschen geht, die finanzmarktrelevante Informationen für ihre Arbeit brauchen.

Mit Investitionen von rund 500 Mill. £ über einen Zeitraum von vier Jahren will Reuters eine integrierte Internetbasis erstellen, um Marktdaten an die neuen Kunden liefern zu können. Das jährliche Umsatzpotenzial wurde auf 1 Mrd. $ veranschlagt.

Doch auch ihre klassische Klientel verliert Reuters nicht aus den Augen. So ist man mit dem Netzwerkanbieter Equant N.V. dabei, ein sicheres Transportmedium für Finanzinformationen auf der Basis des Internetprotokolls zu schaffen. Mit der US-amerikanischen Internetfirma Multex wurde ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um für Broker und Analysten eine Informationsquelle zu schaffen.

Auch die Chancen, die die neuen UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk bieten, will Reuters nutzen. So wurde ein Joint Venture mit Aether geschlossen, einem Experten für drahtlose Übertragungen. Bei all diesen Aktivitäten habe es Verlagerungen von Reuters-Mitarbeitern gegeben, sagte der Sprecher.

Elektronischen Börsensystem Instinet bringt hohe Zuwachsraten

Ende Juli berichtete Reuters, dass man zusammen mit Yahoo, dem Softwareunternehmen Tibco (Reuters-Anteil 44%) und Equant Dienstleistungen für Unternehmen anbieten werde, die internetbasierte Business-to-Business-Modelle betreiben. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres hat Reuters den Umsatz um 9 % auf 1,73 Mrd. £ erhöht. Bedingt durch Restrukturierungskosten sank der Betriebsgewinn auf 244 (278) Mill. £. Insgesamt werden sich die Restrukturierungskosten für dieses und das nächste Jahr auf 150 Mill. £ belaufen. Ab 2002 wird jedoch die Möglichkeit gesehen, jährlich 150 Mill. £ einzusparen.

Die stärksten Zuwachsraten erzielte Reuters dabei mit seinem elektronischen Börsensystem Instinet. Es wird nach wie vor erwogen, diese von den USA aus operierende Brokerplattform an die Börse zu bringen. Das gilt auch für Reuters Greenhouse Fund, eine Beteiligungsgesellschaft, die sich bereits 1994 bei Yahoo engagierte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%