Nachrichtenlage besser als die Stimmung
Dax-Ausblick: Weiter miese Laune

Analysten erwarten für die kommende Börsenwoche noch keine nachhaltige Erholung. Der Streikauftakt der IG Metall und der Ausgang der Wahlen in Frankreich sorgen für Verunsicherung. Die Börsianer erwarten außerdem mit Spannung die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan.

jk/ vwd DÜSSELDORF. "Technisch sind wir im Niemandsland" beschreibt Günter Senftleben, Aktien-Stratege bei der Bankgesellschaft Berlin die düstere Situation im Deutschen Aktien Index. Der Dax unterschritt am Freitag die 200-Tage-Linie und fiel unter die Unterstützung von 4930 Punkten.

"Dabei ist die Nachrichtenlage besser als die Stimmung", beurteilt der Berliner Analyst die Lage und führt als Beispiel den überraschend gestiegenen Einkaufmanagerindex für Europa an. Auch in den USA sei die Lage nicht so schlecht: "Etwa 60 Prozent der US-amerikanischen Unternehmen haben die Analystenschätzungen übertroffen, während nur 12 Prozent enttäuschten", erklären die Experten der Commerzbank in ihrem Wochenbericht. Positive Nachrichten, wie der unerwartet gute Quartalsbericht von Siemens, würden kaum wahrgenommen.

Für die nächste Woche erwartet allerdings keiner der Analysten einen Stimmungswechsel an den Märkten. Es gebe noch zu viele Unsicherheitsfaktoren. Man müsse beispielsweise die Entwicklung nach dem Streikbeginn der IG Metall am Montag und die Wahlen in Frankreich abwarten.

Am Donnerstag dürfte die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan und die Veröffentlichung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA die Richtung des Dax mitbestimmen.

Rückenwind für den heimischen Markt könnte nach Ansicht von Heinz Weyershäuser, Analyst bei der DZ Bank, die anhaltende Erholung des Euro geben. Nach Ansicht von Carsten Fritsch, Devisenanalyst bei der Commerzbank, hat die europäische Gemeinschaftswährung gute Chancen, bis auf ein Niveau von 92 Dollar zu klettern.

"Der weiterhin unklare Trend beim Konjunkturverlauf und die auch in Europa verhaltene Ertragsentwicklung der Unternehmen dürften aber zunächst schwerer wiegen", meint Weyershäuser. Seiner Ansicht nach ist der Dax weiter rückschlagsgefährdet. Er hält Einbrüche auf bis zu 4700 Punkten für möglich. "Zwar meldete die amerikanische Wirtschaft für das erste Quartal eine überraschend hohe Wachstumsrate von 5,8 Prozent, doch verursacht wurde dieser Wachstumsschub neben hohen Verteidigungsausgaben aber zum großen Teil durch einen erneuten Lageraufbau", untermauert der DZ-Bank Analyst seine Skepsis.

Senftleben ist da wesentlich optimistischer: "Der Mai werde auf jeden Fall besser als der April." Der Analyst der Bankgesellschaft Berlin rechnet mit "Frühlingsgefühlen" an der Börse und meint, der Dax könne gegen Ende des Monats der Widerstandslinie bei 5500 Punkten nahe kommen.

Sein Motto: "Alles unter 5000 Punkte sind Kaufkurse", meint Senftleben. Einsteigen sollten die Anleger bei den Telekommunikations- und Technologietiteln. Die Aktienmärkte haben nach Ansicht der Berenberg Bank übertrieben auf die schlechten Aussichten von Nokia und Ericsson reagiert. Senftleben empfiehlt den Einstieg bei der "arg gebeutelten" Deutschen Telekom und bei Philipps. Der niederländische Elektronikkonzern hatte zuletzt wieder die Gewinnzone erreicht. "Zyklische Branchen bleiben unsere Favoriten", heißt es bei der Berenberg Bank. Die Commerzbank bleibt eher vorsichtig. Sie setzt auf Substanzwerte wie Allianz oder Fresenius Medical Care.

Wichtige Termine in der nächsten Woche

Montag:

Die kommende Woche beginnt vergleichsweise ruhig. Henkel lädt zur Hauptversammlung ein und gibt hier auch die Zahlen für das erste Quartal bekannt.

Dienstag:

Am Dienstag warten dann BMW, Gildemeister, Heidelberger Zement, Schwarz Pharma und BNP Paribas mit Erstquartalszahlen auf. Bilfinger & Berger legen ebenso wie Krones ihre Bilanz vor. Bei Telecom Italia treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung, auf der auch die Zahlen für das erste Quartal ausgewiesen werden. Ferner werden die deutschen Arbeitslosenzahlen für April und die Auftragseingänge der Industrie für März veröffentlicht. Aus den USA kommen Zahlen zur Produktivität, Arbeitskosten und Lagerbeständen im Großhandel.

Mittwoch:

Dass die Zeit der Hauptversammlungen gekommen ist, beweist der Mittwoch. adidas-Salomon, Altana, Gehe, Dyckerhoff, K+S und Unilever präsentieren sich vor ihren Aktionären. Altana, Gehe und K+S veröffentlichen dabei auch gleich Erstquartalszahlen, ebenso wie die Commerzbank. Außerdem trifft sich der Rat der Europäischen Zentralbank, und es werden die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion für den März bekannt gegeben.

Donnerstag:

An Himmelfahrt dürfte das Interesse auf einer Rede des Fed-Chef Alan Greenspan sowie auf Konjunkturdaten aus den USA liegen, insbesondere auf den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe.

Freitag:

Den Abschluss der kommenden Woche bilden ebenfalls Konjunkturdaten. Neben der deutschen Leistungsbilanz stehen am Freitag Zahlen zum Erzeugerpreisindex aus den USA auf der Agenda.


Nachfolgend noch die Einschätzungen der Hessischen Landesbank zu den 30 Dax-Werten:

Hessische Landesbank

Unternehmen

Gewinn 2001

Gewinn 2002

Gewinn 2003

Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,605,345,70neutral
Allianz7,012,413,9neutral

BASF

0,852,082,68übergewichten

Bayer

0,891,622,51neutral

BMW

2,382,662,91neutral

Commerzbank

0,170,260,94neutral
Daimler-Chrysler0,731,863,43untergewichten

Deutsche Bank

0,274,245,58untergewichten
Degussa1,202,532,90übergewichten
Deutsche Post1,401,451,50neutral
Deutsche Telekom-0,54-0,240,06neutral

Eon

2,264,141,47neutral

Epcos

2,281,091,59untergewichten

FMC

2,894,164,73neutral

Henkel

3,503,313,89übergewichten

Hypo

-Vereinsbank
1,021,251,43neutral

Infineon

-0,92-0,80-0,07übergewichten

Lufthansa

0,110,551,17übergewichten

Linde

2,392,603,13neutral

MAN

1,051,201,75übergewichten

Metro

1,411,672,23neutral

MLP

0,991,311,69übergewichten

Münchener Rück

.
2,6510,9012,30neutral
Preussag1,762,022,58untergewichten

RWE

2,242,342,54neutral

SAP

1,852,843,88untergewichten

Schering

2,112,522,90übergewichten

Siemens

0,101,412,43neutral

Thyssen

-Krupp
0,580,471,24übergewichten

VW

7,666,577,33übergewichten
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