Nachrichtensender suchen nach neuen Einnahmequellen neben der Werbung
N-TV und N24 schreiben Verluste

Die Rezession hat wirtschaftlich orientierte Fernsehsender wie die Nachrichtenkanäle N-TV und N24 hart getroffen - auch bei ihnen sind die Werbeumsätze stark gesunken. Nur die Zuschauerzahlen sind gestiegen.

pes BERLIN. Die Nachrichtensender im Privatfernsehen haben sich von der allgemeinen Werbekrise nicht abkoppeln können. "Wie alle Wirtschaftsmedien wurden wir sehr früh von der wirtschaftlichen Krise getroffen", sagte der Finanzchef des Nachrichtensenders N-TV, Wolfgang Fischer, bei der Vorlage des Ergebnisses für das Jahr 2001. Erstmals seit Gründung des Senders vor zehn Jahren ging der Umsatz um 35 % zurück. Unter dem Strich machte N-TV im Geschäftsjahr 2001 einen Verlust von 14,99 Mill. Euro. Im Vorjahr hatte hier noch ein Gewinn von 24,8 Mill. Euro gestanden. Der Nachrichtensender gehört zu rund 47 % der Verlagsgruppe Handelsblatt und zu 49 % dem New Yorker Medienkonzern AOL Time Warner Inc.

Auch die Aussichten für 2002 sind für N-TV laut Aussage von Finanzvorstand Fischer nicht rosig. Insgesamt rechnet er beim Ergebnis mit einer "schwarzen Null". Erreicht werden soll dies vor allem mit Programmausgaben etwa in der Höhe des Vorjahres, also von rund 28 Mill. Euro, und einer stärkeren Verlagerung auf Einnahmequellen neben der klassischen Werbung. So will das Unternehmen den Umsatz-Anteil aus Business-TV-Angeboten, Flughafen-Fernsehen und SMS-Diensten von jetzt 20 % auf bis zu 25 % steigern.

Der Grund: Vom Werbemarkt ist nach Meinung von N-TV-Geschäftsführer Helmut Brandstätter ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte Wachstum zu erwarten. Programmlich will der gebürtige Österreicher den Sender anlässlich des zehnjährigen Jubiläums umschichten. Zum Beispiel will Brandstätter auf weniger erfolgreiche Quiz-Shows verzichten. "Wir werden uns auf unsere Kernkompetenzen Nachrichten und Wirtschaft konzentrieren", beschreibt Brandstätter sein erklärtes Ziel.

Auch der Nachrichtensender N24, der zur angeschlagenen Kirch-Gruppe gehört, hat im vergangenen Jahr die Zurückhaltung der Werbekunden zu spüren bekommen. Der Kanal meldete 38 Mill. Euro Verlust. "Die Kosten müssen auch 2002 unter Kontrolle bleiben", erläuterte ein Sprecher der Pro 7-Sat 1-Media die Zielrichtung für den Nachrichtensender. Dabei baue man vor allem auf Synergien in der Nachrichtenproduktion für die anderen Sender der Gruppe, also Sat 1, Pro 7 sowie Kabel 1.

Auch Euronews ist unter Druck geraten

Ebenfalls unter Druck geraten ist der paneuropäische Nachrichtensender Euronews, ein Joint-Venture öffentlich-rechtlicher Sender und des britischen Nachrichtenproduzenten ITN. Dieser Anteilseigner aus dem Reich der Medienkonzerne Carlson und Granada würde laut Brancheninformationen seine Anteile gern an Euronews verkaufen.

Gemessen an den Zuschaueranteilen war 2001 ein erfreuliches Jahr, wenn auch aus unerfreulichem Anlass: Kein Medium konnte die Menschen schneller und umfassender über die verheerenden Anschläge des 11. September 2001 informieren als das Fernsehen. Mit 13,3 Mill. Zuschauern erreichte etwa N-TV an diesem Tag die höchsten Einschaltquoten seiner Geschichte. Mit 4,23 Mill. Zuschauern durchschnittlich pro Tag konnte der Sender die Zahl im Vergleich zum Vorjahr auch insgesamt leicht steigern. Zum Vergleich: Der Nachrichtenkanal N24 erreichte im vergangenen Jahr durchschnittlich 730 000 Zuschauer pro Tag. Der Kirch-Ableger konnte aber in der Berichterstattung nach dem 11. September seine Zuschauerzahlen auf 2,5 Mill. täglich fast verdoppeln, sagte ein Sprecher.

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