Nachrichtensender wollen TV und Internet verschmelzen
N-TV und N 24 sehen ihre Zukunft im Web-Fernsehen

Die deutschen Informationssender N-TV und N 24 wandeln sich von reinen Nachrichtenprogrammen zu Informationsdienstleistern. Das Internet, bisher vor allem als Marketing- und Werbeplattform genutzt, wird zum zentralen Medium. Das Web-TV soll schon 2001 Realität werden.

HB BERLIN. Die deutschen Nachrichtensender verändern sich in Riesenschritten: Aus Fernseh-Programmen werden Informationsdienstleister. N-TV setzt mit seinem Partner CNN auf die vielfältige Vermarktung von Inhalten - unabhängig ob die Informationen via Fernsehen, Internet oder Handy an den Kunden fließen.

Eine klare Markenstrategie ist für Kai Thäsler, Leiter N-TV Neue Medien, Voraussetzung, um für den Nutzer attraktiv zu bleiben. Der Berliner Sender setzt im Zeitalter der Digitalisierung auf seine Kernkompetenz - Nachricht und Aktualität. Die Erkenntnis von N-TV und CNN ist klar: Es geht um das Geschäft mit Inhalten - unabhängig vom jeweiligen Verbreitungsweg.

Wann die hohen Kosten in Redaktion und neue Technik wieder eingespielt werden können, ist noch offen. Strategien zum Geldverdienen liegen allerdings schon bereit. So sollen beispielsweise Text- und Bildmaterial an ausgewählten Kunden in der Wirtschaft für ein eigenes Firmen-TV verkauft werden, das auf den Computer der Mitarbeiter läuft. Außerdem soll über die gemeinsame Internetseite www.cnn.de und www.ntv.de künftig auch E-Commerce betrieben werden. Wie N-TV-Sprecher Bernd Schwintowski betont, kämen nur ausgewählte, qualitätsorientierte Partner zum Zug, um die Marke nicht zu beschädigen.

Neue DSL-Technik beschleunigt Kovergenz zwischen TV und Internet

Außerdem arbeitet der Berliner Sender daran, die bisher noch überschaubare Zahl von Merchandisingprodukten - vom Buch bis hin zum PC-Spiel - vorsichtig auszubauen. Neben TV und Internet wird mit der Einführung von UMTS ab 2004 auch das Handy zum Vertriebskanal. Deshalb werde es notwendig, den Wandel zum Informationsdienstleister möglichst schnell zu vollziehen, wie Thäsler betont.

Wann Fernsehen und Internet tatsächlich verschmelzen (Konvergenz), ist offen. Ob der Fernseher mit Hilfe der Set-Top-Box zum interaktiven Medium (Web-TV) wird oder der Computer über das Breitband auch Bewegtbilder im Internet liefert, wird für die Nachrichtenkanäle zunehmend sekundär. Sie stellen sich rund um das Produkt Information neu auf. Content, Inhalt heißt das Zauberwort der Zukunft.

Das gilt auch für N 24, der N-TV-Konkurrenz aus dem Hause Kirch. Der Nachrichtensender verfolgt ähnliche Pläne wie N-TV. "Wir haben von Anfang an die Konvergenzstrategie verfolgt", betont N 24-Sprecher Thorsten Pütsch. Bei der schnellen Breitband-Technik steht N 24, eine hundertprozentige Tochter der ProSieben Sat1 Media AG, in den Startlöchern. Am 24. Januar - pünktlich zum einjährigen Bestehen - soll das erweiterte Internetangebot an den Start gehen. Projektleiter Markus Fischer ist optimistisch, dass mit Hilfe der neuen DSL-Technologie (Digital Subscriber Line) die Konvergenz zwischen TV und Internet entscheidend beschleunigt wird.

Schon jetzt ist die Führung von N 24 mit 1,2 Millionen Seitenaufrufen im Monat durchaus zufrieden. Über die TV-Quote schweigt man sich jedoch lieber aus. Der Sender mit seinen 140 Mitarbeitern besitzt nach eigenen Angaben eine technische Reichweite von 40 Prozent. Die Einspeisung in das Berliner Kabelnetz zum Jahreswechsel soll N 24 die höheren Weihen verleihen. Schließlich ist Berlin der politische Informationsmarkt schlechthin.

Anfang 2001 wollen sich auch die Münchner redaktionell in Berlin niederlassen. In Sachen E-Commerce verfolgt N 24r eine liberale Politik. Auf dem "Marktplatz" des Sender lockt die Emissions- und Handelsplattform TradeCross den Risiko bewussten Privatanleger, der Online-Buchhändler oder das Samstags- lotto samt Benachrichtung per E-Mail oder SMS. Eine Gefahr, dass durch kommerzielle Partner die Marke N 24 beschädigt werden könnte, habe man nicht, sagt Unternehmenssprecher Pütsch.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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