Nachteile durch neue Bilanzierungsstandards absehbar
Spezialfonds suchen nach Anlagealternativen

In schwierigen Börsenzeiten geraten die Risiken stärker ins Blickfeld. Bei den institutionellen Anlegern geht es in erster Linie um die Frage der Aufteilung der Gelder auf verschiedene Vermögensarten. Die Asset Manager müssen vor allem eine Antwort auf den verschärften Wettbewerb in der Branche finden.

FRANKFURT/M. Der Spezialfondsmarkt für institutionelle Kunden steht vor einem Umbruch und wird in Zukunft geringere Wachstumsraten aufweisen. Treibende Kräfte für die Strukturveränderungen sind nicht nur das eingetrübte Börsenklima und die wachsenden Anforderungen der institutionellen Anleger. Die Vermögensverwalter (Asset Manager) müssen auch auf den verschärften Wettbewerb und die dadurch sinkenden Margen reagieren. Sie stehen darüber hinaus vor der Situation, dass mit der Umstellung der Bilanzierung auf IAS-Richtlinien die Vorteile der Spezialfonds schwinden. Darin waren sich die Teilnehmer einer Diskussionsrunde bei dem bankenunabhängigen Vermögensverwalter Lupus Alpha, der auch als Spezialfondsmanager aktiv ist, einig.

Wichtige Thesen: Die Asset Manager müssen sich in Zukunft spezialisieren und stärker kundenindividuelle Wünsche bei der Anlagestrategie berücksichtigen, während im Gegenzug wachsende Teile der Gelder auf Indexbasis gemanagt werden. Bei Vermögensverwaltern und ihren Spezialfondskunden - wie Unternehmen, Banken, Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen - bekommen Risikomanagement und-kontrolle einen weit höheren Stellenwert. Die Suche nach Sicherheit in schwierigen Börsenzeiten schlägt sich auch im wachsenden Interesse an alternativen Anlagen wie Hedge Funds und Private Equity nieder. Auch der Einfluss der Consultants steigt, die im Anlegerauftrag geeignete Spezialfondsverwalter suchen.

Per Ultimo April betreuten 5490 Spezialfonds nach vorläufigen Angaben des Fondsverbandes BVI rund 499 Mrd.. "Wir erwarten in Zukunft nur noch Wachstumsraten von zehn bis 15 Prozent pro Jahr", sagt Lupus-Alpha-Partner Christoph Braun. Ein Grund dafür könnte auch die erwartete Umstellung der Bilanzierungspraxis von HGB auf IAS ab 2005 sein.

Entscheidungen aus bilanziellen Gründen

Hintergrund: Bei HGB-Bilanzierung stellt der Spezialfondskunde seinen Fonds zum Anschaffungswert in die Bilanz. Steigt der Fonds im Wert, bilden sich stille Reserven, da der Fonds weiter mit dem Kaufpreis in der Bilanz steht. Bei IAS ist dies so nicht möglich, da grundsätzlich Anlagen mit dem Marktwert angesetzt werden.

IAS kann daher Anlageentscheidungen notwendig erscheinen lassen, die möglicherweise ausschließlich bilanzielle Gründe haben. "Vor allem für die großen Anleger dürften die buchhalterischen Vorteile des Spezialfonds schwinden", urteilt Bernd Schumacher, Partner Investment Management bei PwC Consulting.

Laut Schumacher müssen sich die Asset Manager reorganisieren und spezialisieren, um zu überleben. "Die großen Asset Manager sind dank größerer Ressourcen in einer besseren Ausgangslage als kleine Wettbewerber", glaubt Jörg-Peter Lühmann, Vorstandsvorsitzender bei Deka Investment.

Auf der Produktseite werden Experten zufolge spezielle Segmente wie Hochzinsanleihen, Hedge Funds oder Private Equity stärker in den Vordergrund rücken. "Man sucht nach Investmentvarianten, deren Ergebnisse weitgehend unabhängig von den Entwicklungen an den Kapitalmärkten sind", erklärt Peter Schwicht, Leiter des Deutschlandgeschäftes bei J.P. Morgan Fleming Asset Management.

Sönke Papenhausen sieht großen Nachholbedarf: "In Deutschland hat man sich vielleicht zu lange auf traditionelle Anlagebereiche beschränkt". Der Vorstand der Gothaer Asset Management räumt allerdings ein, "dass die gesetzlichen Vorschriften bisher kaum alternative Investments erlauben." Jürgen Olbermann, Geschäftsführer von Feri Institutional Management, registriert "nur minimale Anteile von alternativen Anlagen in den Spezialfonds, allerdings mit wachsender Tendenz".

Laut Schwicht von J.P. Morgan wird Risikomanagement und-kontrolle das große Thema für die Anlagebranche, sowohl auf Seiten der Asset Manager als auch der Anleger. Olbermann merkt kritisch an: "Viele Kunden haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Die müssen erst mal analysieren, wie viel Risiko sie sich leisten können." Hier gehe es insbesondere um die Abgleichung zufließender Gelder mit künftigen Verpflichtungen im Zeitablauf, etwa bei Altersvorsorgeeinrichtungen.

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