Nachträgliche Ausschüttung gebunkerter Gewinne reduziert Steuerlast
Banken zahlen laut Experten zu hohe Dividenden

Die drei Frankfurter Großbanken leben mit ihrer diesjährigen Dividendenausschüttung über ihre Verhältnisse. Unisono ernten deshalb Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank selbst von Aktionärsschützern herbe Kritik.

dpa FRANKFURT/M. Üblicherweise beharren gerade sie auf einer Erfolgsbeteiligung der Kleinanleger. Der Vorwurf: Angesichts von Gewinneinbrüchen um bis zu 99 % seien die Zahlungen an die Anteilseigner viel zu verschwenderisch ausgefallen. Experten vermuten auch steuerliche Motive. Um die Aktionäre zu beglücken, griffen die Banken tief in ihre Reserven. "Eine sehr fragwürdige Entscheidung", kritisiert Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dies gelte vor allem wegen der Ungewissheit über den Geschäftsverlauf. Dem Aktionär nütze es nichts, wenn das Unternehmen die Reserven aushöhle, statt zu investieren.

Ungeachtet schlechter Zahlen teilen die drei Banken aus. Die Commerzbank verringerte ihr Scherflein für die Aktionäre zwar von 0,80 auf 0,40 pro Anteil. Je Aktie berechnet betrug ihr letztjähriger Gewinn aber nur 0,19 . Die Dresdner Bank minimierte ihre Dividende um 20 Cent auf 0,70 - bei einem Ergebnis von 0,32 je Aktie. Bei der Deutschen Bank wird sogar eine unveränderte Dividende von 1,30 gewährt, obwohl nur ein Ergebnis je Aktie von 0,27 Euro erzielt wurde.

Vor allem die Deutsche Bank macht den Experten Sorgen. Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK): "In solchen Fällen ist es sinnvoller, das Geld zur Verbesserung der Rendite einzusetzen". Die Geldhäuser stehen mit ihrer Politik im krassen Gegensatz zur Mehrheit der DAX-Unternehmen, die für 2001 die Dividendenhöhe am Gewinn ausrichteten.

Offiziell begründen die Banken ihre Dividendenentscheidungen damit, dass die letztjährige Ertragsdelle nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen sei. Denkbar sind aber auch steuerliche Gründe. "Der Verdacht liegt nahe", meint Rüdiger Parsche vom ifo-Institut.

Seit der Steuerreform können Unternehmen ihre gebunkerten Gewinne zum Steuersparen nutzen, wenn sie sie nachträglich ausschütten. Bereits im vergangenen Jahr nutzten Unternehmen diese Möglichkeit und ließen sich schätzungsweise acht bis elf Mrd. Euro vom Fiskus auszahlen. Bei Dresdner und Commerzbank stünde eine Steuergutschrift ins Haus, heißt es in Branchenkreisen. Die Deutsche Bank muss vermutlich überhaupt keine Ertragssteuern für 2001 zahlen.

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