Nachverhandlungen mit den US-Studios
Kampf von Kofler könnte scheitern

Mit gewohnter Leidenschaft packt Georg Kofler, ein erfolgsverwöhnter Pionier des deutschen Privatfernsehens, die Sanierung von Kirchs verlustreichem Bezahlsender Premiere an. Doch könnte die Aufgabe auch für ihn eine Nummer zu groß werden.

dpa MÜNCHEN. Zu eng ist Premiere mit der Kirch Gruppe verwoben und zu hoch ist der Finanzbedarf, als dass es mit einem guten Rettungskonzept getan wäre. Der 44-jährige Kofler muss auch auf das Wohlwollen von Gläubigerbanken und Gesellschaftern hoffen.

"Wenn wir dieses Jahr überstanden haben, sind wir aus dem Gröbsten raus", sagte der frühere Pro-Sieben-Chef am Mittwoch in München. Als erster Top-Manager wagte sich Kofler in der Finanzkrise der Kirch Gruppe aus der Deckung und stellte sich öffentlich der Presse. Der stets gut gelaunte und Optimismus versprühende Südtiroler wirkte nach wenigen Wochen im Amt etwas zerzaust, als er seine Botschaft verkündete: "Premiere sendet weiter, Premiere arbeitet weiter." Allerdings hätten seine Chancen vor einigen Jahren besser gestanden. So sei er bereits der dritte oder vierte, der ein neues Konzept für Premiere auf den Tisch lege, sagte Kofler. "Wir haben eine Erbschaft übernommen, deren Folgewirkungen wir jeden Tag spüren."

Viele Milliarden Euro hat Leo Kirch in seinen Traum vom Monopol im Pay TV gesteckt, seit er 1991 gemeinsam mit Bertelsmann und dem französischen Canal Plus den Sender Premiere startete. Auch im vergangenen Jahr war die Bilanz wieder trostlos: Die Zahl der Abonnenten stagnierte bei 2,4 Millionen, der Umsatz ging leicht auf 813,1 Millionen Euro zurück und vor Steuern und Zinsen entstand ein Verlust von 989 Millionen Euro. Ursachen gibt es nach Einschätzung von Experten viele: Zu viele frei empfangbare Sender in Deutschland, eine falsche Kirch-Strategie bei den Empfangsgeräten, ein unübersichtliches Programm. "Vor allem aber ist Premiere zu teuer. Wer kauft schon für mindestens 15 Euro im Monat die Katze im Sack", heißt es bei einer Gläubigerbank der Kirch Gruppe.

So ist Kofler denn auch überzeugt, dass Bezahlfernsehen in Deutschland trotz des riesigen Angebots an frei empfangbaren Sendern mit dem richtigen Konzept funktionieren kann. Die Marktpenetration von Abo-TV liege in den USA bei knapp 84 Prozent, in Großbritannien bei rund 44 Prozent und in Frankreich bei etwa einem Drittel. In Deutschland dagegen hätten nur 6,4 Prozent der Haushalte Pay TV.

Das will Kofler nun ändern. Mit einem Einstiegsangebot von fünf Euro im Monat sollen neue Abonnenten gelockt werden. Daneben gibt es umfangreichere - und teurere - Programmpakete sowie Angebote im Pay- per-View-Verfahren. Auch mit mehr Erotikfilmen will Kofler Kunden ködern. Die Kosten will er durch Nachverhandlungen mit den US-Studios und durch die Streichung fast jeder dritten Stelle radikal senken, um so 2005 in die Gewinnzone zu kommen.

Völlig offen aber ist, ob Gläubiger und Gesellschafter bis dahin Geduld haben. "Kofler wird eine Sanierung grundsätzlich schon zugetraut", hieß es in Finanzkreisen. Allerdings habe er keine Zeit. Der Liquiditätsbedarf liege allein in diesem Jahr bei mehreren hundert Millionen Euro, räumte Kofler ein.

Dazu kommen noch die Verluste in den kommenden beiden Jahren. Bisher ist niemand bereit, dies zu übernehmen. "Eine Insolvenz von Premiere ist nicht ausgeschlossen", sagt ein Banker. Einigen Banken gehe es vor allem darum, die enge Verknüpfung von Premiere mit Kirchs Kerngesellschaft KirchMedia aufzulösen, damit Premiere ohne Auswirkungen auf den Rest der Gruppe pleite gehen kann. Kofler will davon aber nichts wissen: "Mit dem Thema Insolvenz beschäftigen wir uns überhaupt nicht." Premiere müsse schnell seine Hausaufgaben erledigen. Was dann noch bleibt, ist Hoffnung.

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