Nachverhandlungen mit QXL
Ricardos B2B-Plattform kommt nicht in Schwung

Das Auktionshaus QXL verhandelt nach Informationen des Handelsblatts mit Ricardo.de über ein neues Aktienumtauschverhältnis. Hintergrund soll eine erhebliche Überbewertung des jungen Business-Bereichs von Ricardo sein. Der E-Business-Bereich gilt aber als der wachstumsstärkste Web-Markt der Zukunft

HAMBURG/LONDON. "Zu Nachverhandlungen von QXL über ein neues Aktienumtauschverhältnis geben wir keinen Kommentar ab", erklärte ein Ricardo-Sprecher am Freitag auf Nachfrage. Der britische Online-Auktionator will bislang für eine Ricardo-Aktie 42,6 QXL-Aktien zahlen. Ausgangspunkt für die Nachverhandlungen soll - neben einem dramatischen Aktienkursverfall - besonders eine viel zu hohe Bewertung des Business-Bereichs durch Ricardo sein, heißt es in Finanzkreisen. Das hätte Ricardo jüngst in London bei den Fusionsverhandlungen einräumen müssen.

Unter www.RicardoBiz.de hatte das Unternehmen am 17. Januar eine E-Commerce-Plattform für den Handel zwischen Unternehmen gestartet. Der Kurs der Ricardo-Aktie setzte nach dieser Ankündigung bis Mitte März zu einem Höhenflug auf bis zu 200 " an. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Verhandlungen mit QXL auf Hochtouren.

Die B2B-Strategie (Business to Business) war ein wichtiger zusätzlicher Grund für QXL, seine Präsenz in Deutschland auszubauen. Nach Einschätzung von Salomon Smith Barney entfallen heute 80 % der Umsätze von QXL auf das Consumer-Geschäft, knapp 7 % auf Business to Consumer und 14% auf über Agenturen vermitteltes Consumer-Geschäft. B2B exisitiert nicht.

Doch Ricardo hat bis heute keine Umsatzzahlen für die B2B-Sparte veröffentlicht. Ein Sprecher räumte gegenüber dem Handelsblatt jetzt ein, dass sich der Bereich nicht wie erwartet entwickelt habe. Zahlenangaben wollte er nicht machen, bestätigte aber, dass bislang kaum Handel stattgefunden habe.

Ricardo ist kein Einzelfall. Auch Wettbewerber wie Atradapro oder Ebaypro haben bislang keine durchschlagenden Erfolge im B2B belegen können. Im Gegenteil, die Chancen schwinden zusehends, hier einen Ausgleich für das hart umkämpfte Privatgeschäft aufbauen zu können.

Denn immer mehr hoch spezialisierte Web-Märkte und Handelsplattformen entstehen, die genau auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten sind. Auktionen - das Kernstück von Plattformen wie Ricardo oder QXL - sind da nur noch ein kleiner Auschnitt des Angebots.

Dr. Rainer Funk vom jungen Mittelstands-Marktplatz Preis24.com jedenfalls hat vor den Business-Plattformen der Consumer-Auktionshäuser keine Angst. Er hält sie nicht einmal für eine ernsthafte Konkurrenz. Der Grund: Der Gang auf eine der standardisierten Auktionsplattformen löst nur einen Bruchteil der Probleme von kleinen und mittleren Unternehmen.

Kunden finden kaum Schnittstellen zu ihren Warenwirtschaftssystemen oder können die Struktur ihres Beschaffungsapparats (Verwaltung von Zugangs- und Einkaufsberechtigungen) nicht abbilden. "Außerdem", räumt Funk, Sohn eines mittelständischen Unternehmers, ein, "ist der Mittelstand ziemlich konservativ". Man möchte seine Lieferanten schon noch kennen.

Zudem dominiere, speziell bei gering wertigeren "C-Gütern" (wie Bürobedarf), der schlichte Katalogkauf. Der Spassfaktor einer Auktion, der viele Privatkunden anzieht, wird bei Geschäftskunden schnell zum Dauerstress. Außerdem ist es auf Auktionsplattformen eher Zufall, ob man das gewünschte Produkt sieht - und bekommt.

Heinz Weiler von der Münchener Healy Hudson AG sieht das ähnlich. "70 % der möglichen Ersparnis liegen im Einkauf, im Bedarfsmanagement. Nicht in der Senkung der Transaktionskosten". Mit Schnäppchenjägerei läßt sich nach Meinung des 58-jährigen Unternehmers die Beschaffung nicht optimieren. Mit Healy Hudsons ESW-Lösung kann ein Einkäufer den Bedarf zunächst definieren, um dann potentielle Lieferanten aus dem Web (und der internen Lieferantendatenbank) herausfiltern. Diese werden dann zur Ausschreibung aufgefordet. Das Ergebnis sind objektive und vergleichbare Angebotslisten.

Fehlender Service und zu wenig Branchenkenntnis wird nach Ansicht von Dirk Kaven, Vorstand der Bau-Webplattform EU-Supply.com, einen Erfolg von allgemeinen Web-Auktionären im B2B verhindern. "Wir gehen zu jedem Kunden und sprechen genau durch, was sich überhaupt für den Web-Einkauf eignet und was nicht," beschreibt er die tägliche Arbeit. Und jeder Lieferant, wird besucht und in die Feinheiten der Web-Auktionen (die meist nur zwei Stunden dauern) eingewiesen. Der Lohn: "Wir haben schon fast täglich Transaktionen", so Kaven, der Durchschnittswert liege "über 500 000 DM".

Auch der Überschuss-Händler Surplex.com setzt auf Kundennähe. Neben der Berliner Zentrale existiert unter anderem auch eine Düsseldorfer Niederlassung. Denn in NRW ist ein Großteil der Maschinenbauer beheimatet. "Unsere Leute gehen raus und sind auch bei Besichtigungsterminen dabei", erklärt August Helmes von Surplex.com, und fügt an: "Wir sind keine ?dot-com-Company?". Surplex versteht sich einfach als als Dienstleister einer Branche.

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