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Nachwachsende Rohstoffe im Automobilbau

Frankfurt/Main/Köln (dpa/gms) - Die Autohersteller langen bei der Produktion neuer Fahrzeuge immer häufiger in den Baukasten von Mutter Natur. Die Firmen verwenden mit Blick auf Ökologie und Ressourcenschonung verstärkt Materialien aus Feld, Wald und Wiese.

Frankfurt/Main/Köln (dpa/gms) - Die Autohersteller langen bei der Produktion neuer Fahrzeuge immer häufiger in den Baukasten von Mutter Natur. Die Firmen verwenden mit Blick auf Ökologie und Ressourcenschonung verstärkt Materialien aus Feld, Wald und Wiese.

Dabei bieten Bauteile aus Naturfasern nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt gleich mehrere Vorteile: Sie sind in der Regel CO2-neutral und besitzen gute Materialeigenschaften. Außerdem seien sie oftmals leichter als konventionelle Baustoffe und tragen somit zur Gewichtsreduzierung und zur Minderung des Kraftstoffverbrauchs bei.

Verwendung finden nachwachsende Rohstoffe im Fahrzeugbau laut VDA vor allem im Innenraum sowie als Dämm-Material. Dabei machen sich die Konstrukteure auch die Eigenschaft zu Nutze, dass Naturfasern die Zähigkeit und Festigkeit von so genannten Komposit-Werkstoffen verbessern können.

Wie weit der Einsatz dieser Materialien geht, zeigt das Beispiel Ford in Köln. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben im Jahr 2002 fast 30 000 Tonnen nachwachsender Rohstoffe verbaut - vor allem Baumwolle, Flachs, Hanf, Holz und Jute. So sind die Innenverkleidungen der Türen im Mondeo mit Kenaf-Fasern verstärkt, die Hutablage besteht zu großen Teilen aus Holzfasern, und bei den meisten Modellen isoliert Baumwolle den Innenraum gegen Schall und Kälte.

Allerdings ist der Einsatz nachwachsender Rohstoffe bei Ford nicht neu: "Schon beim legendären Modell T von 1915 kam Leim auf Weizenbasis zum Einsatz, und 1940 hat Ford einen Kofferraumdeckel aus Sojabohnen-Plaste hergestellt", sagt ein Firmensprecher.

Auch Mercedes-Benz bedient sich nach Angaben der Pressestelle in Stuttgart zunehmend nachwachsender Rohstoffe. So kommen in der aktuellen E-Klasse mehr als 50 Bauteile aus Naturmaterialien mit einem Gesamtgewicht von mehr als 30 Kilogramm zum Einsatz. Damit habe sich die Anzahl der Komponenten im Vergleich zum Vorgängermodell verdoppelt. Flachs, Sisal und Hanf werden in der Tür-Innenverkleidung verbaut. Kokosfasern und Naturkautschuk finden in den Sitzen Verwendung, Reißbaumwolle in der Kofferraumverkleidung.

Während diese Naturfasern bislang ausschließlich im Innenraum, dem Gepäckabteil und unter der Motorhaube eingesetzt worden sind, hat Mercedes-Benz inzwischen auch den Schritt nach außen gewagt. Nach Angaben von Pressesprecherin Karin Thiemann werden seit Herbst 2003 die so genannten Unterbodenkapseln zum Schutz vor Steinschlag und Witterungseinflüssen bei einigen Fahrzeugen nicht mehr mit Glasfaser, sondern mit der Faser der philippinischen Abaca-Pflanze verstärkt.

Sie ist elastisch, zugfest und gilt als stärkste und längste Naturfaser der Welt. Damit entlastet das Unternehmen nicht nur die Umwelt, sondern spart laut Thiemann bei der Produktion auch 83 % des Energieaufwands und 40 % der Kosten. Außerdem könne das Gewicht der Fahrzeuge gesenkt werden.

Bei der Wahl ihrer Materialien sind die Autohersteller allerdings kritisch. So müssen nach Angaben von Audi in Ingolstadt auch die Komponenten aus nachwachsenden Rohstoffen alle Kriterien der Werkstoffprüfer erfüllen: Sie dürfen nicht schneller ausbleichen als konventionelle Bauteile, müssen geruchsneutral sein und dürfen auch im Crashtest keine zusätzlichen Risiken etwa durch Splitter bergen. "Nur wenn neue Materialien diese Anforderungen erfüllen, haben sie in der Serie eine Chance", heißt es dazu bei Audi.

Doch so verlockend der verstärke Einsatz nachwachsender Rohstoffe auch erscheint, so sehr laufen die Autohersteller damit in einen Zielkonflikt. Denn nach Angaben von Opel-Sprecher Patrick Munsch in Rüsselsheim steht dem weiteren Einsatz der Naturfasern streng genommen die Altauto-Verordnung entgegen. Die dort vorgegebenen Recycling-Quoten ließen sich nur mit Stahl, Glas und sortenreinem Kunststoff erfüllen: "Jedes Gramm Flachs oder Holz macht uns dort das Leben schwer".

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