Nachweis ist Eintrittskarte für Wettkämpfe
Sportlerinnen müssen Geschlechtstest abliefern

Frauen müssen in bestimmten Sportarten noch immer ihre wahre Weiblichkeit mit einem umstrittenen Geschlechtstest nachweisen. Die so genannte Green Card ist die "Eintrittskarte" für internationale Wettkämpfe - so auch zur Volleyball-Weltmeisterschaft in Deutschland.

HB/dpa MÜNSTER. In Münster, wo die Auswahl des Deutschen Volleyball- Verbandes (DVV) ihre Vorrundenspiele austrägt, sollen die vom Weltverband FIVB vorgeschriebenen Gen-Proben im Institut für Humangenetik der dortigen Universität untersucht werden. Damit wollen die Organisatoren verhindern, dass sich körperlich leistungsfähigere Männer, als Frauen getarnt, unter die weiblichen Teilnehmer mischen.

Auch wenn in den zurückliegenden Jahren kaum noch Betrugsfälle bekannt geworden sind: Historische Beispiele aus dem Weltsport sind überliefert. So sorgten bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio die Schwestern Irina und Tamara Press aus der Sowjetunion mit ihren Leistungen im Kugelstoßen und Diskuswerfen für Aufsehen. Als zwei Jahre später Geschlechtskontrollen eingeführt wurden, waren beide von der sportlichen Bildfläche verschwunden.

Betrügereien sollen im Keim erstickt werden

Skurril war auch der Fall des österreichischen Skirennläufers Erik Schinegger. Als Erika Schinegger holte sie/er 1966 in Chile den WM- Titel im Abfahrtslauf der Damen, wurde aber wenig später als Mann entlarvt. Die Goldmedaille erhielt 30 Jahre später die Französin Marielle Goitschel.

Solche Betrügereien wollen Albert Fromme, Leiter des Medizin- Ressorts des Münsteraner Organisationskomitees, und seine Kollegin Rita Exeler vom Institut für Humangenetik mit rund zehn Mitarbeitern im Keim ersticken. Vor Beginn der WM werden sie den Spielerinnen Proben aus der Mundschleimhaut entnehmen. Die Zellen werden unter einem Mikroskop fixiert. In allen weiblichen Zellen ist eines der beiden X-Chromosomen inaktiv.

Die Spielerinnen nehmen es gelassen

Mit Einfärbetechnik kann dieses so genannte Barr-Körperchen nach wenigen Minuten sichtbar gemacht werden. "Alternativ können auch Untersuchungen zum männlichen Y-Chromosom gemacht werden", sagt Fromme. Bei nicht eindeutigen Befunden müssten weitere Untersuchungen erfolgen. Zu der Geschlechtskontrolle müssen Sportlerinnen, die zuvor nicht an einer WM oder an Olympischen Spielen teilgenommen haben.

Gerhard Hassler, Betreuer des deutschen Nationalteams, weiß um die Gelassenheit seiner Spielerinnen: "Die Frauen bleiben bei den Tests locker. Im Sport ist das Routine". Doch die Geschlechtskontrolle ist umstritten und in den skandinavischen Ländern sowie in Australien und Kanada aus ethischen Gründen gesetzlich verboten. "Für die Spielerinnen ist dies eine Form der Diskriminierung. Männer müssen ihre Männlichkeit nicht beweisen", so Fromme.

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