Nachwuchs im Blickpunkt
Schmidt besorgt über höhere Arzneimittelausgaben

Angesichts der Steigerung um mehr als vier Prozent gebe es "keine Entwarnung", sagte die SPD-Politikerin zur Eröffnung des Deutschen Ärztetages.

WiWo/ap. ROSTOCK. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist besorgt über den weiteren Anstieg der Arzneimittelausgaben der Kassen. Angesichts der Steigerung um mehr als vier Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres gebe es "noch keine Entwarnung", sagte die SPD-Politikerin am Dienstag zur Eröffnung des 105. Deutschen Ärztetages in Rostock. Ärzte sollten Medikamente wirtschaftlich verordnen. Gleichzeitig verlangte sie rasche Lösungen für die Nachwuchsprobleme in der Medizin. Die Ärzte hingegen beklagten auf dem Kongress eine staatliche Gängelung. Schmidt verteidigte erneut die Abschaffung des Arzneimittelbudgets zur Deckelung der Kosten.

Dies gebe den Ärzten mehr Sicherheit, sagte die Ministerin. Die Arzneimittelausgaben waren 2001 um mehr als elf Prozent gestiegen. Gleichzeitig Schmidt an, auch die Budgets für die Behandlung in den Arztpraxen abzuschaffen. Die bestehende Vergütung sei ungerecht und bestrafe denjenigen, der viel arbeite und immer eine offene Tür habe. Künftig sollten niedergelassene Ärzte ein Honorar erhalten, das sich an der Schwere der Krankheit ihrer Patienten orientiere. Ihr Haus arbeite bereits an einem entsprechenden Konzept, sagte Schmidt.

Junge Ärztinnen und Ärzte sollten rasch besser entlohnt werden, sagte die SPD-Politikerin. Auch für Ärzte, die sich niederlassen wollten, müssten Regelungen gefunden werden, damit sie sich bei der Eröffnung ihrer Praxis nicht hoch verschulden müssten. Der Arztberuf müsse für junge Menschen wieder attraktiver werden. Schon jetzt hätten die Kliniken Schwierigkeiten, Nachwuchsärzte zu finden. Die Vergütung der Ärzte nach dem Studium als so genannter Arzt im Praktikum und die Arbeitszeiten in den Krankenhäusern seien nicht akzeptabel.

Es müssten rasch ernsthafte Schritte unternommen werden, um die Einkommen junger Mediziner leistungsgerecht anzupassen, verlangte Schmidt. Auch Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe kritisierte die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. Dies führe dazu, dass immer weniger junge Menschen sich für den Arztberuf entschieden. Die Nachwuchsprobleme seien bereits gravierend. Der Traumberuf Arzt dürfe nicht zu einem Albtraumberuf verkommen, warnte er.

Hoppe beklagen auch staatliche Eingriffe und Verwaltungswahn im Gesundheitswesen. Es dürfe nicht sein, dass den Medizinern durch die Einführung von Behandlungsprogrammen für Schwerkranke ihre Tätigkeit planwirtschaftlich vorgeschrieben werde. Es bestehe aber die Gefahr, dass sie als "Verwaltungsdekrete einer kassengesteuerten Medizin" missbraucht würden. Der Verwaltungsaufwand für die Programme sei gigantisch. Fachleute sprächen von Dokumentationskosten im Bereich von 2,5 Milliarden Euro. Schmidt hielt dem entgegen, dass die Programme niemals die individuelle Therapie ersetzen könnten, sondern immer nur den Rahmen für die Behandlung bilden könnten.

Das Vorhaben soll einen finanziellen Anreiz für bessere Behandlung schwer kranker Menschen schaffen. Patienten, die an Zuckerkrankheit, Brustkrebs, Asthma oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sollen sich freiwillig bei ihrer Krankenkasse in ein Programm einschreiben. Zwischen Ärzten und Kassen gibt es jedoch Streit über den Austausch von Patientendaten.

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