Nachwuchs lässt hoffen
Die Zukunft stürmt langsam

Der deutsche Fußball-Nachwuchs galt international lange als rückständig - dabei gibt es durchaus Hoffnung für die WM 2006.
  • 0

BERLIN. Es wäre nicht nur eine schöne Geschichte gewesen, wenn der eingewechselte Lukas Podolski die deutsche Mannschaft gegen Tschechien ins Viertelfinale geschossen hätte. Ein Tor des 19-jährigen Stürmers wäre vor allem das ersehnte Zeichen für eine bessere Zukunft des deutschen Fußballs gewesen.

Dabei ist es um den Nachwuchs gar nicht so schlecht bestellt. Deutschland hat von anderen europäischen Fußballnationen gelernt - allerdings sehr spät. Eine landesweite, vom Deutschen Fußball- Bund (DFB) professionell organisierte und vernetzte Talentförderung gibt es erst seit kurzem. Die bei Trainern als Vorbilder geltenden Niederlande oder Frankreich haben hier 15 oder 20 Jahre früher gehandelt. Erst seit drei Jahren ist jeder Verein aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga dazu verpflichtet, ein Leistungszentrum für den Nachwuchs zu unterhalten. In diesen Internaten wohnen und trainieren die Talente und werden auch in der Schule unterstützt.

Im Jahr 2002 wurde zudem ein flächendeckendes Sichtungssystem eingeführt. In 390 Stützpunkten arbeiten 1200 Honorartrainer, die ständig auf neuesten fachlichen Stand gebracht werden und mit den in der regionalen Umgebung entdeckten Nachwuchsspielern einmal in der Woche zusätzlich arbeiten. Das mit den "sportbetonten Schulen" in den ostdeutschen Bundesländern kooperierende Großprojekt kostet zehn Millionen Euro pro Jahr. 29 Koordinatoren sollen dafür sorgen, dass bundesweit eine "einheitliche Spielphilosophie" vermittelt wird.

Das Programm hat zum Ziel, dass alle Nachwuchsspieler möglichst früh das lernen, was die aktuelle Nationalmannschaft nur bedingt kann: "Angriffsorientierte Spielweise, variantenreiche Gestaltung mit flexiblem Umschalten auf Angriff und Verteidigung, gezielter Wechsel zwischen sicherem Spielaufbau und überraschendem Tempospiel." Nur so ist im modernen Fußball Erfolg möglich. Gegen die Niederlande hatte die DFB-Elf mit ihrem starren, klar durchorganisierten System der Positionstreue noch ein 1:1 erreicht. Doch in den anderen EM-Partien wurde deutlich, dass vielen deutschen Spielern die Fähigkeit fehlt, ihre taktische Rolle variabel zu interpretieren. Vor allem der 20-jährige Philipp Lahm führte älteren Mannschaftskollegen vor, wie man bei hohem Tempo kreative Momente entwickeln kann.

Seite 1:

Die Zukunft stürmt langsam

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%