Nader das Zünglein an der Waage?
Amerikaner wählen Präsident und Kongress - Spannung bis zuletzt

Der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Al Gore liefern sich ein Kopf-an-Kopf- Rennen, das engste seit mehreren Jahrzehnten.

dpa WASHINGTON. Die amerikanischen Bürger haben am Dienstag einen neuen Präsidenten gewählt. Der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Al Gore lieferten sich bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf- Rennen, das engste seit mehreren Jahrzehnten. Wegen der Zeitverschiebung zwischen der Ost-und-der Westküste schliessen die letzten Wahllokale erst um fünf Uhr MEZ am Mittwochmorgen. Zumindest erste Hinweise auf den Wahlsieger werden aber bereits Stunden früher nach Schluss der Abstimmung in Florida erwartet. Ein Erfolg in diesem bevölkerungsreichen Staat galt als möglicherweise entscheidend für den Gesamtsieg.

Gewählt wurde am Dienstag auch ein neuer Kongress. Hier war ebenfalls ein äußerst knappen Ergebnis zu erwarten. Die Amerikaner hatten ferner über elf Gouverneure und in einzelnen Staaten über eine Reihe von Sachfragen zu entscheiden - von verschärfter Waffenkontrolle bis zur Legalisierung von Marihuana.

Bush stimmte in der texanischen Hauptstadt Austin ab, Gore in Elmwood in seinem Heimatstaat Tennessee. Beide demonstrierten Siegeszuversicht und versuchten, in letzter Minute noch telefonisch Wähler zu mobilisieren. US-Präsident Bill Clinton wählte mit Ehefrau Hillary und Tochter Chelsea in Chappaqua im Bundesstaat New York, wo sich die First Lady ein spannendes mit dem Republikaner Rick Lazio um einen Senatssitz geliefert hatte. In letzten Umfragen vor der Entscheidung lag sie knapp vorn.

Gore warb über 30 Stunden ohne Schlaf um Wählerstimmen

Als erste hatten traditionell bereits nach Mitternacht die Einwohner der Dörfer Dixville Notch und Hart's Location im Bundesstaat New Hampshire votiert. Dabei erreichte Bush mit zusammen 38 Stimmen einen Minisieg vor Gore mit 18. Auf den Grünen - Kandidaten Ralph Nader entfiel eine Stimme.

Bush und Gore hatten den Wahlkampf mit einem furiosen Endspurt durch besonders umkämpfte Bundesstaaten beendet. So warb Gore über 30 Stunden lang ohne Schlaf in elf verschiedenen Städten um Wählerstimmen. Bei den Demokraten galt dem Abschneiden Naders besonderes Augenmerk. Er hatte es trotz starken Drängens abgelehnt, seine Kandidatur zu Gunsten Gores aufzugeben. Demokraten befürchteten, dass er Gore viele Stimmen entziehen und damit Bush zum Sieg verhelfen könnte.

In den USA wählt das Volk den Präsidenten nur indirekt. Entscheidend ist der Sieg in den einzelnen Bundesstaaten. Diese entsenden je nach der Bevölkerungszahl Vertreter in ein Wahlgremium, die dann traditionell alle für jenen Kandidaten votieren, der in dem betreffenden Staat gewonnen hat. Mindestens 270 von 538 Stimmen in diesem Gremium muss ein Kandidat erobern, um Präsident zu werden.

Im Senat, der kleineren Kongress-Kammer, wurden am Dienstag 34 der 100 Senatoren neu gewählt, im Abgeordnetenhaus alle 435 Kongressmitglieder. Die Demokraten hofften, zumindest im Repräsentantenhaus die 1994 verlorene Mehrheit zurückzuerobern. Dazu müssten sie sechs bis sieben Sitze hinzugewinnen. Das galt als möglich, aber ungewiss. Im ebenfalls republikanisch beherrschten Senat wurden ebenfalls Zuwächse der Demokraten erwartet, aber ein Mehrheitswechsel für eher unwahrscheinlich gehalten.

Einige Links zur amerikanischen Präsidentschaftswahl

Noch mehr Informationen, Analysen über den möglichen Wahlausgang und Gegenüberstellungen der beiden Kandidaten finden Sie unter
www.voter.com: Umfrageergebnisse und erste Hochrechnungen
www.georgebush.com: Offizielle Homepage von George Bush
www.algore.com: Offizielle Homepage von Al Gore
www.clerkweb.house.gov: Informationen über 100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA
www.usinfo.state.gov: Amtliche Analysen und Berichte des amerikanischen Außenministeriums

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