Nächste Runde im Wettstreit der bayerischen Autohersteller
Audi will BMW sportlich überholen

Audi rüstet mächtig auf. Sowohl bei den Sportlimousinen als auch beim avisierten Hochleistungs-Coupé haben die Ingolstädter vor allem BMW im Visier. In der Motorentechnik bleiben jedoch noch Defizite.

INGOLSTADT. Zuerst war es der Slogan "Vorsprung durch Technik", dann "Vorsprung durch Design", und jetzt scheint Audi die Botschaft "Vorsprung durch Hochleistung" zu favorisieren. Seit der Verabschiedung der neuen Volkswagen-Konzernstruktur neigt die Marke zur PS-Protzerei. Jetzt verkörpert Audi mit Seat und Lamborghini die sportliche Säule im Konzern. Hochprozentige Sportlimousinen und ein Supercoupé stehen in den Startlöchern oder sind in der Planung.

"Nicht erst seit heute", so ein ehemaliges Vorstandsmitglied von Audi, "richtet man den Blick nach München, wo BMW mit erlesener Triebwerkstechnik stets Neidgefühle in Ingolstadt auslöste." Nahezu alle vergleichbaren Modelle des Münchener Konkurrenten waren jenen von Audi in der Leistung überlegen - bis vor kurzem jedenfalls. Insbesondere die Saugmotoren der sportlichen BMW-Versionen M3 (343 PS) und M5 (400 PS) verursachten den Motorenentwicklern des bayerischen Nachbarn schlaflose Nächte. Während in München die Konstrukteure ihrem Markennamen (Bayerische Motoren-Werke) alle Ehre machten, verlegten sich die "Audianer" auf die Turbotechnik, mit der sie bei den Dieselmotoren immerhin erfolgreich waren.

Über die Turboaufladung, bei der ein Verdichter zusätzlich Luft in den Brennraum bläst, lässt sich die Leistung eines Motors relativ schnell steigern. Audi-Ingenieure entlockten ihren so genannten Sportmodellen auf diesem Weg eine Menge zusätzlicher PS. Mit dem Ergebnis, dass etwa der Audi RS4 als Antwort auf den BMW M3 stattliche 380 PS ins Feld führte. Im praktischen Vergleich jedoch konnte er wegen seiner unharmonischen Leistungsentfaltung ("Turboloch") nicht annähernd an die sportlichen Qualitäten seines Münchener Widersachers heranreichen. Dafür wurde wenigstens das psychologische Ziel erreicht, endlich stärkere Autos anbieten zu können als BMW.

Nach dem gleichen (Turbo-) Strickmuster verfährt Audi nun eine Klasse höher. In diesen Tagen kommt der RS6 (450 PS) auf den Markt. Mit 50 Mehr-PS weist er den M5 von BMW vermeintlich in die Schranken. Doch auch hier, so die einhellige Meinung vieler Motorenexperten, ist ein ähnliches Kräfteverhältnis zu erwarten. Vor allem hinsichtlich Gasannahme, Leistungsaufbau und Drehfreudigkeit dürfte der Audi im Motorenvergleich wieder einmal das Nachsehen haben.

Über den lange Jahre tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex Audis gegenüber BMW hat eine anspruchsvolle wie konkurrenzfähige Technik- und Designqualität hinweg geholfen. Doch bei den Motoren, speziell bei den Benzinern, hinkt Audi immer noch hinterher. Sogar der designierte VW-Chef und ehemalige BMW-Vorsteher Bernd Pischetsrieder weiß um dieses Manko. Erst kürzlich ließ er im kleinen Kreis verlauten, dass es im gesamten Volkswagen-Konzern keinen Konstrukteur gebe, der hochdrehende Motoren entwickeln könne - auch bei Audi nicht.

Wie eine Fachzeitung jetzt berichtete, wird Audi Anfang 2004 ein Zehnzylinder-Mittelmotorcoupé auf den Markt bringen, das gleich mehrere Ziele abdecken soll. Zum einen will die Ingolstädter Marke endlich einmal mit einem exklusiven Modell vor BMW auf dem Markt sein. Bislang zog Audi allenfalls nach. Des Weiteren lehnt sich der weit über 400 PS starke und rund 300 km/h schnelle Bolide an ein Vorkriegsmodell von Auto-Union an ("Rosemeyer-Studie") an. Das Audi-Modell steht damit formal in der Tradition von Grand-Prix-Rennwagen aus den 30er-Jahren. Und schließlich dürfte der Motor des RSR genannten Hochleistungscoupés Testfeld für einen möglichen Einstieg in die Formel 1 im Jahr 2005 sein.

Demgegenüber ist bei BMW beschlossene Sache, dass die Münchener etwa zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls in ihrem künftigen 6er-Coupé und im M5-Nachfolger einen zahmen Ableger des Furore machenden Zehnzylinder-Formel-1-Triebwerks auf den Markt bringen werden. Zu einer flunderflachen Mittelmotor-Karosserie konnten sich die BMW-Herren nicht durchringen - die Gelegenheit für Audi, auf die Überholspur zu wechseln.

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