Nähe zu Anlegern als Vorteil
Kleine Fondshäuser wollen mit Spezialitäten überleben

Nischenspieler unter den Fondsanbietern sehen in der größeren Nähe zum Anleger einen Vorteil gegenüber der scheinbar übermachtigen Konkurrenz. Mit speziellen Produkten binden sie ihre Kunden an sich.

ina FRANKFURT/M. Kleine und meist auf Aktien spezialisierte Fondsanbieter überleben auch in schwieriger Börsenlage. Davon sind nicht nur die Betroffenen überzeugt. Auch Udo Behrenwaldt bescheinigt ihnen gute Chancen. Der Chef der DWS, der größten deutschen und europäischen Publikumsfondsgesellschaft, knüpft diese Einschätzung aber an zwei Bedingungen: "Wenn diese Häuser Expertise in einem besonderen Anlagesegment bieten können, und wenn sie nicht die immensen Kostenblöcke großer Gesellschaften am Bein haben".

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe dieser bankenunabhängigen Vermögensverwalter, die in unterschiedlichem Maße im Fondsgeschäft aktiv sind und ihre Produkte deutschen Anlegern offerieren. In der Regel verwalten sie weniger als 1 Mrd. Euro. Alle befragten Firmen geben sich optimistisch. "Wir sind Nischenanbieter, haben aber keine Probleme, sondern seit Jahresanfang erhebliche Mittelzuflüsse", sagt etwa Jürgen Kirsch, Mitinhaber von Griffin Capital Management. Die Gesellschaft konzentriert sich auf osteuropäische Aktien.

Noch deutlicher fällt der Kommentar beim ebenfalls in London beheimateten Haus Ennismore Fund Management aus, das auf europäische Nebenwerte ausgerichtet ist. "Unsere beiden Fonds haben wir wegen der starken Nachfrage vor über einem Jahr geschlossen. Es gibt eine Warteliste für interessierte Neuinvestoren", sagt Fondsmanager Robert Gurner. Auch von Christoph Braun, Partner bei der auf das gleiche Segment spezialisierten Lupus Alpha, heißt es: "Wir liegen in unserem Plan und sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden." Die kleinen Gesellschaften rechnen sich nicht nur Vorteile dank der Spezialisierung auf bestimmte Aktiensegmente oder Anlagestile aus. Darüber hinaus werfen sie das von Behrenwaldt erwähnte Kostenargument in die Waagschale: "Im Ernstfall könne wir den Personalbestand schneller variieren als die Großen", meint Kirsch von Griffin.

Einige Firmen glauben außerdem den Beratungsbedürfnissen ihrer Kunden besser entsprechen zu können als manche Wettbewerber. So sagt PEH-Vorstand Stefan Mayerhofer: "Wir wandeln uns zur Beratungsgesellschaft. Der Kunde braucht Beratung jetzt mehr denn je und wir sind näher an denen dran als die großen Konkurrenten." Die physische Nähe zum Kunden ist auch für Arnaud Cosserat von der französischen Comgest entscheidend für das eigene Überleben: "Viele unserer Kollegen sind im Moment unterwegs, um die gestressten Anleger zu beruhigen."

Zu guter Letzt spielt die finanzielle Stärke einer Gesellschaft ein bedeutsame Rolle bei der Überlebensfähigkeit. Zumindest Braun von Lupus Alpha hält diesen Faktor für wichtig: "Wir haben mit der Familie Raitenkranz, die fünfzig Prozent an unserer Firma hält, einen starken strategischen Partner. Das ist für uns sehr wichtig."

Einige der kleinen Gesellschaften sind erst in der jüngeren Zeit gegründet worden. Hinter den Firmen stehen häufig Experten, die in den Jahren der boomenden Börse bei etablierten Adressen gearbeitet haben und denen die Hausse den Schritt in die Selbständigkeit erleichterte. Das Gründerteam von Lupus Alpha etwa arbeitete bis vor zwei Jahren für die Invesco-Niederlassung in Frankfurt. Schon etwas früher trennten sich die Ennismore-Strategen von Baring Asset Management. Die Griffin-Mannen verliessen Mitte der neunziger Jahre Mercury Asset Management.

Sollte die schlechte Entwicklung an den Börsen anhalten, könnten die kleinen Fondsanbieter doch noch in ernste Schwierigkeiten kommen. Gottfried Heller, der auch im Fondsgeschäft aktive Chef der Fiduka Depotverwaltung in München, gibt sich jedoch optimistisch: "Wir sind ganz nah am Kursboden."

Quelle: Handelsblatt

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