Nahe einer Stagnation
Ifo-Institut senkt Wachstumsprognose drastisch

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird nach Einschätzung des Münchner ifo-Instituts in diesem Jahr noch geringer ausfallen als bislang befürchtet. Für das laufende Jahr werde nur noch mit einer Wachstumsrate von 1,2 % gerechnet, teilte ifo- Chef Hans-Werner Sinn am Dienstag in München mit. Damit gab das Institut die bislang niedrigste Prognose der sechs führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland ab.

dpa MÜNCHEN. "Die deutsche Konjunktur hat gegenwärtig den Tiefpunkt noch nicht erreicht", berichtete das Institut anlässlich der Vollversammlung in München. Im März war ifo noch von einem Wachstum von 2,4 % ausgegangen. In der vergangenen Woche hatten bereits vier andere Institute ihre Prognosen deutlich nach unten geschraubt und rechnen nunmehr nur noch mit einem Wachstum zwischen 1,3 und 1,7 %. Die Bundesregierung hält bisher an ihrer Prognose von 2,0 % fest.

Im Jahresdurchschnitt befinde sich die deutsche Wirtschaft nahe einer Stagnation, urteilten die ifo-Wirtschaftsforscher. Dennoch werde nicht mit einer Rezession gerechnet. Bereits im zweiten Halbjahr erwarten die Konjunkturforscher sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum eine moderate Aufwärtsentwicklung der Konjunktur. Da im gesamten Euroraum mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 % gerechnet werde, bleibe Deutschland aber auf absehbare Zeit das Schlusslicht im Euro-Zug. Im "späteren Verlauf" des Jahres erwartet das ifo Institut für Wirtschaftsforschung eine leichte Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

Auf Grund der trüben Konjunkturaussichten sehen die Konjunkturforscher in den nächsten Monaten auf dem Arbeitsmarkt keine spürbare Verbesserung. "Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in diesem Herbst sogar das Vorjahresniveau übertreffen." Erst im kommenden Jahr werde die Arbeitslosigkeit sinken. Allerdings werden nach Einschätzung des Instituts auch dann im Jahresdurchschnitt 3,8 Mill. Menschen ohne Arbeit sein. Das Ziel der Bundesregierung, die Arbeitslosigkeit bis zum Herbst kommenden Jahres unter die Marke von 3,5 Mill. zu senken, werde demnach nicht erreicht. Insgesamt wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Instituts im kommenden Jahr um 2,2 % wachsen.

Für das laufende Jahr hatten bereits die meisten anderen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen gesenkt. Das Rheinisch- Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen geht nunmehr von einem Wachstum von 1,7 % aus. Im Februar hatte das RWI noch 2,8 % Wachstum erwartet. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) senkte die Erwartungen von 2,1 % im Frühjahr auf ebenfalls 1,7 %. Das Hamburgische Welt- Wirtschafts-Archiv (HWWA) sagte ein Wirtschaftswachstum von 1,7 % voraus. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) prognostizierte nur noch 1,3 %. Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann, hatte bereits in einem Interview im Mai gesagt, das Wirtschaftswachstum könne im laufenden Jahr unter 2 % fallen.

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