Nahost-Konflikt
Israel zieht sich aus Dschenin zurück

Zwei Wochen nach ihrem Einrücken haben sich die israelischen Truppen am Sonntag aus Dschenin im Westjordanland zurückgezogen. Sie hatten dort mit Panzerunterstützung nach den Extremisten hinter einigen der Selbstmordanschläge in Israel gesucht.

Reuters DSCHENIN. Am Montag wird der Nahost-Beauftragte der USA, David Satterfield, in der Region erwartet, um für einen neuen Friedensplan zu werben. Er soll in Stufen bis 2005 zur Gründung eines Palästinenser-Staates im Westjordanland und im Gaza- Streifen führen.

Einen Tag vor dem Abzug bis an den Stadtrand hatten israelische Soldaten den Kommandeur des militärischen Flügels des Islamischen Dschihad, Ijad Sawalha, getötet. Er wurde für den Tod von 31 Israelis verantwortlich gemacht. Zudem gerieten mehrere Dutzend palästinensische Extremisten in die Hände der Soldaten. Diese waren nach Dschenin eingerückt, nachdem bei einem Selbstmordanschlag 14 Israelis getötet worden waren. In Dschenin gingen die Kinder am Sonntag zum ersten Mal seit dem 25. Oktober wieder zur Schule, und ihre Eltern konnten wieder ihrer Arbeit nachgehen. Zwar verschwanden die Panzer aus den Straßen und die Scharfschützen von den Dächern, doch riegelte die Armee Dschenin ab.

Der Islamische Dschihad drohte mit Vergeltung für den Tod Sawalhas und bekannte sich zum Tod eines Unteroffiziers, der am Samstag in der Nähe der jüdischen Siedlung Netzarim im Gaza-Streifen auf einem Erkundungsgang gewesen war. Seit Beginn des Aufstandes für einen Palästinenser-Staat Ende September 2000 sind mindestens 1651 Palästinenser und 626 Israelis getötet worden.

Der US-Plan sieht als erstes einen Verzicht der Palästinenser auf bewaffnete Gewalt und den Abzug der israelischen Truppen aus den Palästinenser-Städten vor. Das soll den Weg zu Verhandlungen ebnen. In Kairo war am Sonntag eine Konferenz der Palästinenser über die Einstellung der Selbstmordanschläge in Israel vorgesehen.

Die Palästinenser wollen binnen weniger Tage offiziell auf den Plan reagieren. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, Ministerpräsident Ariel Scharon werde dazu wahrscheinlich erst Stellung nehmen, wenn seine Likud-Partei ihren Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl Ende Januar gewählt habe. Dabei stehen sich Scharon und sein Außenminister Benjamin Netanjahu gegenüber. Die Wahl des Spitzenkandidaten, der zugleich Parteivorsitzender sein wird, findet nach Presseinformationen am 28. November statt.

Scharon hatte die Vorverlegung der Parlamentswahlen am vergangenen Dienstag erwirkt, nachdem die Arbeitspartei die Koalition verlassen und um ihre Mehrheit gebracht hatte. Anlass war der Streit um die Forderung der Arbeitspartei gewesen, staatliche Mittel, die für jüdische Siedlungen in besetztem Gebiet vorgesehen waren, für soziale Zwecke in Israel umzuwidmen. Die Staatengemeinschaft betrachtet einige der 145 Siedlungen als völkerrechtswidrig. Israel bestreitet dies.

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