Nahost-Konflikt
Israelische Armee setzt Razzien fort

Nach einem weiteren palästinensischen Überfall auf eine jüdische Siedlerin hat die israelische Armee in der Nacht zum Dienstag ihre militärischen Razzien in den Palästinenser-Gebieten fortgesetzt.

Reuters JERUSALEM. Die Armee sei kurzfristig in Bethlehem im Westjordanland eingedrungen, berichteten Augenzeugen. Es war die erste Razzia in der Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Jerusalem seit drei Monaten. Im Gaza-Streifen schossen Soldaten auf militante Palästinenser, die Sicherheitskreisen zufolge nach Israel eindringen wollten. In Gaza-Stadt hatte die Armee zuvor Einrichtungen der palästinensischen Sicherheitskräfte beschossen.

Die USA forderten von Israel ein Ende des Ausbaus jüdischer Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten. Nach einem Angriff auf eine Gruppe von Siedlern in Hebron hatte die israelische Regierung am Montag Überlegungen angestellt, durch die palästinensische Stadt einen ummauerten Korridor zu legen, der den Siedlern einen gesicherten Zugang zu religiösen Stätten bietet.

Die mit gepanzerten Fahrzeugen eingerückten Soldaten seien in Bethlehem auf der Suche nach militanten Palästinensern gewesen, hieß es in Sicherheitskreisen. Augenzeugen zufolge führten Soldaten mindestens fünf Personen ab. Die Razzia habe etwa eine Stunde gedauert. Zuvor war in der Nähe von Ramallah im Westjordanland eine Siedlerin in ihrem Auto erschossen worden. Armeeangaben zufolge handelte es sich um eine Mutter von sieben Kindern. Bei dem Angriff am Freitag in Hebron waren zwölf Mitglieder israelischer Sicherheitskräfte getötet worden.

An der Grenze des Gaza-Streifens zu Israel wurden israelischen Kreisen und Augenzeugen zufolge drei Mitglieder der militanten El-Aksa-Brigaden dabei beobachtet, wie sie einen Durchgang unter dem Grenzzaun hindurch gruben. Die Männer seien von Panzern beschossen worden. Die Augenzeugen sagten, zwei der Männer sowie ein unbeteiligter Dritter seien verletzt worden.

Auf internationale Kritik stieß der Plan, für die Siedler in Hebron einen Korridor zu bauen. "Wegen einer möglichen Erweiterung der Siedlungen dort haben wir Kontakt mit israelischen Regierungsvertretern aufgenommen", sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington. Der britische Außenminister Jack Straw nannte den Plan gefährlich.

"Wir sind überzeugt, dass die israelischen Siedlungsaktivitäten in Übereinstimmung mit den Mitchell-Empfehlungen gestoppt werden müssen", sagte die US-Sprecherin weiter. Unter Leitung des ehemaligen US-Senators George Mitchell hat eine internationale Kommission im Mai 2001 den Stopp des Siedlungsbaus als eine Maßnahme unter anderen vorgeschlagen, mit denen der Weg zurück zu Friedensverhandlungen geebnet werden sollten.

Seit September 2000 hält ein Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung ihrer Gebiete an. Dabei sind inzwischen mehr als 2300 Menschen getötet worden.

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