Nahost-Konflikt
Kommentar: Öl taugt nicht als Waffe

Wenn die politische Ohnmacht allzu offensichtlich wird, neigen einige Ölländer zu der Drohung, ihren Rohstoff als Waffe einsetzen zu wollen. Jetzt hört man aus Bagdad und Teheran solche Parolen. Getroffen werden sollen Israel als Strafe für seine Aggression gegen die Palästinenser sowie all jene Länder, die den Zionismus unterstützen, allen voran natürlich die USA.

Allzu große Angst muss sich aber kaum einer der Adressaten einjagen lassen. Das wissen auch die Iraner und die Iraker. Sie geben sich denn auch trotz polemischer Rhetorik durchaus realistisch: Um das Öl als effektives Druckmittel einsetzen zu können, sei eine kollektive Entscheidung aller islamischen Länder erforderlich, schätzt Irans Präsident Chatami die Chancen richtig ein. An einen Schulterschluss der gesamten Opec glaubt er also nicht. Aber auch den islamischen Förderländern war und ist das Hemd allemal näher als der Rock: Die goldenen Zeiten der Preisdiktate und überquellenden Kassen sind längst vorbei, ein Exportboykott geht mächtig ans Geld. Und das will und kann sich niemand mehr leisten. Schon gar nicht der Irak, der sein Öl ohnehin nur nach den von der Uno vorgegebenen Regeln des Programms Öl für Lebensmittel auf den Weltmarkt pumpen darf. Selbst die Ölkrisen in den siebziger Jahren hatten allenfalls einen als politisch kaschierten Hintergrund. Das Motiv für das Drosseln der Förderung war schlicht das Erzielen höherer Einnahmen durch steigende Preise. So ist es auch heute.

Zudem: Auch wenn sich die Opec-Mitglieder ausnahmsweise einmal tatsächlich auf Strafaktionen einigen sollten, was aller Erfahrung nach illusorisch ist, ihre Waffe wäre stumpf. Der Opec-Weltmarktanteil ist in den letzten Dekaden stetig geschrumpft. Man würde also Verbündete benötigen. Aber wer glaubt schon, dass andere große Förderländer wie Russland, Mexiko oder gar Norwegen und Großbritannien ausgerechnet dem Irak und Iran willfährig Folge leisten?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%