Nahost-Konflikt
Peres trifft palästinensischen Finanzminister

Israels Außenminister Schimon Peres hat am Montag den palästinensischen Finanzminister Salam Faiad getroffen. Damit gab es erstmals seit März israelisch-palästinensische Kontakte auf Ministerebene.

Reuters JERUSALEM. Es sei das erste in einer Reihe von Treffen, die mit den Palästinensern geplant seien, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Den Angaben zufolge trafen sich die beiden Minister in einem Jerusalemer Hotel. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, Ministerpräsident Ariel Scharon habe sich mit dem Treffen unter der Bedingung einverstanden erklärt, dass nicht über den Friedensprozess gesprochen werde.

In Kreisen der Palästinenser-Regierung hieß es, auch der palästinensische Innenminister Abdel-Rasak el Jehijeh werde Peres in den kommenden 24 Stunden treffen. Die beiden palästinensischen Minister sind mit den von den USA verlangten Reformen im Sicherheits- und Finanzbereich der Palästinenser-Regierung befasst.

Die Zeitung "Haaretz" berichtete unterdessen, Israels militärische Führung gehe davon aus, dass die Autorität von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in einem derartigen Ausmaß beschädigt sei, dass es überflüssig werde, selbst für seine Entmachtung zu sorgen. Die Zeitung berief sich auf ranghohe Kreise der israelischen Armee. Sollte eine solche Einschätzung offiziell bestätigt werden, würde dies einen Wandel in der Haltung der Armee zu Arafat darstellen.

Der frühere palästinensische Sicherheitschef des Westjordanlands, Dschibril Radschub, erklärte dagegen, er rechne trotz des Streits um seine Entlassung nicht mit einer Rebellion gegen Arafat. In den israelischen Militärkreisen hieß es der Zeitung zufolge weiter: "Die Chancen erhöhen sich, dass sich Arafats Position innerhalb von sechs Monaten derart verschlechtern wird, dass er das Auftauchen einer neuen, pragmatischen Führung nicht mehr verhindern kann, die die Palästinenser zu einem Kompromiss mit Israel führt."

In den vergangenen Monaten hatte die israelische Militärführung nach eigenen Angaben einen Kurs verfolgt, der zum Ziel hatte, Arafat zu entmachten oder ihn ins Exil zu schicken. Israelische Panzer halten den Amtssitz Arafats in Ramallah weiter umstellt. Mehrere Versuche Israels, Arafat zu isolieren, hatten in der Vergangenheit die Popularität des Palästinenser-Präsidenten bei seinem Volk nur erhöht. Es wird erwartet, dass Arafat bei den für Januar 2003 angesetzten Präsidentenwahlen wieder antreten wird.

Nach zahlreichen palästinensischen Selbstmordanschlägen hatte neben Israel im Juni auch US-Präsident George W. Bush die Entmachtung von Arafat verlangt - als Bedingung für eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses.

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