Nahost-Konflikt
Wieder Tote in Palästinenser-Gebieten

Soldaten haben nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen am Freitag im Gaza-Streifen einen palästinensischen Polizisten und einen 13-jährigen Jungen erschossen. Ein am Vortag angeschossener palästinensischer Journalist sowie ein weiterer Verwundeter erlagen unterdessen ihren Verletzungen.

Reuters GAZA-STADT. Aus den palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, die Soldaten hätten zwei Polizeiwachen in der Ortschaft Deir el Balah beschossen. Die israelische Armee teilte mit, ihre Soldaten seien in Deir el Balah eingerückt, weil in der Gegend israelische Soldaten beschossen worden seien. Es habe sich ein heftiges Gefecht entwickelt. Über Tote auf palästinensischer Seite könne die Armee keine Angaben machen.

Am Rande eines Treffens der arabischen Liga in Kairo kamen die Außenminister Saudi-Arabiens, Jordaniens und Ägyptens zusammen, um ihre Nahost-Politik abzustimmen. Das Treffen diente der Koordination vor einem Treffen des so genannten Quartetts der Nahost-Vermittler - UNO, USA, Europäische Union und Russland - in der kommenden Woche. Im Vorfeld des Treffens in New York forderte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in einem Brief an US-Außenminister Colin Powell, die USA sollten ihren Einfluss nutzen, um Israel zum Truppenabzug zu bewegen.

Festnahmen bei Razzien im Westjordanland

Nach Berichten von Augenzeugen unternahmen israelische Soldaten im Westjordanland in und um die Städte Dschenin, Tulkarm und Kalkilja wieder mehrere Durchsuchungsaktionen. Die Armee bestätigte 15 Festnahmen bei den Razzien. Nach Angaben von Augenzeugen wurden aber weit mehr Menschen festgenommen. So seien in Dschenin Dutzende Männer zwischen 15 und 50 Jahren im Stadtzentrum zusammengerufen worden. Mehr als 50 seien dann in einem Bus mit unbekanntem Ziel weggebracht worden.

Seit Beginn des Aufstands der Palästinenser im September 2000 sind mindestens 1441 Palästinenser und 549 Israelis getötet worden. Zu den Opfern gehören aber auch Journalisten, die über den Konflikt berichten. Einer von ihnen, der 35-jährige Palästinenser Imad Abu Sahra, starb nach Angaben des Krankenhauses in Dschenin an den Folgen einer Verwundung. Sahra war am Vortag von israelischen Soldaten angeschossen worden. Bei dem Zwischenfall war auch der für die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA arbeitende Fotograf Said Dahla verwundet worden. In einer Erklärung der Organisation Reporter ohne Grenzen hieß es, nach dem Tod werde der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon in die Liste der "Feinde der Pressefreiheit" aufgenommen, ein Negativ-Titel, den Scharon danach mit Iraks Präsident Saddam Hussein teilt.

Das in den USA ansässigen Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) protestierte zudem bei der israelischen Regierung, weil drei palästinensische Journalisten seit Wochen in Haft sitzen. In der am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung des Komitees heißt es, man sei tief enttäuscht, dass der Reuters-Kameramann Dschussri el Dschamal, der AFP-Fotograf Hussam Abu Alan und der Reporter der arabischen Tageszeitung "El Kuds", Kamel Dschbeil, noch nicht auf freiem Fuß seien. Dschamal und Alan waren Ende April festgenommen worden. Sie sollen nach israelischer Darstellung militanten Palästinensern geholfen haben. Beweise oder eine formelle Beschuldigung wurden aber nicht vorgelegt.

Arafat schreibt Brief an Powell

In Washington teilte der Vertreter der Palästinenser, Hassan Abdel Rahman, Journalisten mit, Arafat, der seit Wochen von der US-Regierung geschnitten wird, habe sich im Blick auf die Konferenz in einem Brief an Powell gewandt. Die USA sollten ihren Einfluss auf Israel nutzen, um einen Truppenabzug aus den Palästinenserstädten zu erreichen und um so die Voraussetzungen für die von den USA verlangten Reformen zu schaffen, habe Arafat geschrieben. Israel hat die Präsenz der Armee in den palästinensischen Ortschaften mit der Notwendigkeit einer Selbstverteidigung gegen Anschläge begründet. Die US-Regierung hat deutlich zu erkennen gegeben, dass sie eine Ablösung Arafats wünscht, weil sie ihn in Zusammenhang mit der Serie von Anschlägen gegen Israel als belastet ansieht.

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