Nahost-Krise
Kommentar: Jerusalems Pflicht zur Deeskalation

Die Kritik an den massiven israelischen Vergeltungsaktionen gegen Palästinenser wird immer lauter. Inzwischen wird sie auch von dem Judenstaat überwiegend freundlich gesinnten Ländern formuliert. Doch das lässt die Regierung in Jerusalem kalt. Mit dem Argument, man bekämpfe Terroristen und selbstmörderische Fanatiker, vor denen man die eigenen Bürger schützen müsse, glaubt man, eine Art Freibrief in der Hand zu halten. Das ruhige Gewissen ignoriert selbst Vorwürfe, die von Verletzungen des Völkerrechts sprechen, da es sich bei den Opfern der Militärangriffe überwiegend um palästinensische Zivilisten handle.

In der Tat, Ministerpräsident Ariel Scharon und seine Getreuen können sich stark fühlen. Der Hinweis auf Terrorismus ist zu Teilen durchaus berechtigt. Und die Drohungen der arabischen Staaten klingen hohl: Sie konnten sich bislang so gut wie nie auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Schon gar nicht muss der Premier Kritik aus seinem eigenen Kabinett fürchten, wie sie gerade von Außenminister Schimon Peres leise vorgetragen wurde. Dem Friedensnobelpreisträger und einst entschiedenen Scharon-Gegner geht es offensichtlich nur um die Erhaltung seines Images als moderater Diplomat. Nicht zuletzt: Israel ist unbestritten die militärische Vormacht in Nahost. Das wissen die Araber aus leidvoller Erfahrung, insbesondere die Palästinenser.

In Jerusalem wiederum weiß man, dass Gewalt stets Gewalt gebiert. Es entsteht eine immer brutaler werdende Eigendynamik, die sich immer schwerer stoppen lässt. Für eine Lösung von Konflikten ist dies auch heute zwangsläufig kontraproduktiv.

Diese nun keineswegs neue Erkenntnis, gepaart mit dem Vertrauen auf die eigene Stärke, befähigt doch gerade Israel mehr als alle anderen in der Region zur Deeskalation. Für Israels engste Freunde, insbesondere in den USA, wird es daher zur Pflicht, Scharon ständig und laut daran zu erinnern.

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