Nahost-Mission als Alibi
Kommentar: Powells schierer Aktionismus

Schon beim Kofferpacken vor gut einer Woche hatte Colin Powell wissen lassen, dass er nicht nach Nahost reisen wolle, nur um Ariel Scharon die Forderung seines Präsidenten nach einem unverzüglichen Abzug aus den besetzten palästinensischen Autonomiegebieten zu erläutern. Israels Premier kenne die Botschaft, zumal diese immerhin in drei taufrischen Uno-Resolutionen nachzulesen sei.

Nun ist nicht verbürgt, über was Bushs Chefemissär und Jerusalems Regierungschef hinter verschlossenen Türen letztlich geredet haben. Fest steht freilich, dass sich Scharon einen Dreck um die Wünsche der Amerikaner schert. Nach Gutdünken lässt der Ex-General seine Streitkräfte nach wie vor palästinensische Städte besetzten oder auch - wohl nur der Optik wegen - vorübergehend wieder räumen. Stur und arrogant brüskiert er Israels wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner.

Fast automatisch stellt sich daher die Frage, warum sich die Amerikaner dies eigentlich gefallen lassen. Warum lässt sich ein George W. Bush von einem Ariel Scharon derart desavouieren? Klar, welchen Eindruck dies beim internationalen Publikum hinterlässt, spielt für den Präsidenten einer Großmacht keine allzu große Rolle. Folglich muss vermutet werden, dass dahinter Methode steckt: An der amerikanischen Nahost-Strategie soll sich auch künftig kein Deut ändern. Sie rangiert auf Washingtons außenpolitischer Agenda weiterhin unter ferner liefen.

Dass Powells Mission nun weltweit als gescheitert interpretiert wird, nimmt Washington schlicht in Kauf. Ganz offensichtlich wollte man gar nicht anderes als Aktionismus demonstrieren - als Alibi. Die jüdische Klientel ist den Parteien angesichts der anstehenden Kongresswahlen allemal mehr wert als die Palästinenser oder gar ein Jassir Arafat. Powell, in der Regierungshierarchie ohnehin nur auf dem Papier ein Spitzenmann, hätte sich die Reise also sparen können.

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