Nahost-Nachrichten belasten Märkte
US-Börsen tauchen unter psychologische Marken

Die Frühlingsgefühle an der Wall Street hat es am Mittwoch kräftig verhagelt. Zu Handelsbeginn konnten sich die Märkte an der Wall Street noch behaupten, doch im Tagesverlauf zog der unablässige Verkaufsdruck die Leit-Indizes in den roten Bereich.

New York. Beide Indizes fielen unter psychologisch wichtige Marken. Der Dow schloß auf 10.198 Punkten, er tauchte dabei unter den Stand von 10.300 Punkten. Der Nasdaq-Index konnte sich mit einem Schlussstand von 1785 Zählern und einem Minus von 19 Punkten noch wacker halten. Der Nasdaq Composite hat damit allerdings die wichtige Marke von 1800 Punkten unterschritten.

Vor allem die Standardwerte gerieten mit zeitweise bis zu 160 Punkten kräftig ins rote Terrain. Die angespannte politische Lage in Nahost wirkte sich erneut belastend aus. Ägypten hatte erklärt, dass vorübergehend die diplomatischen Beziehungen abgebrochen werden.

Am späten Nachmittag schockte eine lokale Nachricht die Börsianer: Ein offenbar lebensmüder New Yorker versuchte sich in der St. Patrick Cathedral in der Fifth Avenue, der lebhaften Einkaufsstraße von Manhattan, das Leben zu nehmen. Die schnell aufkommenden Gerüchte, es handele sich um ein Selbstmordattentat, brachte die Kurse ins Rutschen.

Bei den Bluechips waren es vor allem die Techwerte, die den Dow belasteten. Besonders schwach war der Software-Bereich. Branchenprimus Microsoft litt stellvertretend unter negativen Analystenkommentaren. Bill Gates Imperium büßte erneut rund 2 % ein.

Zusätzlich beschwerten Werte der verarbeitenden Industrie die amerikanische Leitbörse. Allen voran der Baumaschinenhersteller Caterpillar sowie der Mischkonzern 3M: Beide Aktien seien in den letzten Wochen zu schnell zu hoch gestiegen, sagen die Analysten von J.P. Morgan und Lehman Brothers.

Auch Technologieaktien drehten nach zwischenzeitlichen Gewinnen wieder ins Minus. Bereits am Dienstag war der Nasdaq Composite über drei Prozent gefallen. In den ersten Handelsminuten hatten sich zunächst noch einige Schnäppchenjäger auf die Jagd begeben. Die Anleger verloren allerdings bald die Lust.

Mit ein Grund für den Kursverfall der High-Techs waren eine Reihe von Gewinnwarnungen. Softwarefirmen senkten wie bereits am Tag zuvor ihre Prognosen. I2 Technologies und Commerce One werden eigenen Angaben zufolge die Vorhersagen im ersten Quartal wohl nicht einhalten. Die Begründung ist nicht neu: Amerikanische Unternehmen halten sich mit Investitionen in neue IT-Lösungen zurück. Sparen heißt nach wie vor die Devise. Und das sind natürlich nicht die Nachrichten, die für Kurssprünge im Tech-Bereich sorgen.

Doch es gab auch Lichtblicke in New York. Der Chemiekonzern DuPont wird die Gewinnerwartungen im ersten Quartal voraussichtlich übertreffen. Auch die Videokette Hollywood Entertainment dürfte besser abschneiden als bisher erwartet. Erst am Dienstag hatten die Quartalszahlen der Elektronikketten Best Buy und Circuit City den Trend belegt, dass DVD-Geräte die VHS-Player ablösen. Bei Hollywood Entertainment hat sich dieser Trend ebenfalls bemerkbar gemacht. Zudem wurden verstärkt Videospiele nachgefragt. Auch in der Ertragswarnungssaison können Investoren also positive Überraschungen erleben.

Ihre Hausaufgaben haben das Brokerhaus Lehman Brothers und die Reporter des Wall Street Journal gut gemacht. Beide Seiten spekulierten darüber, dass die Telefongesellschaft Worldcom am Mittwoch Entlassungen bekannt geben dürfte. Und so war es dann auch. Das Journal hat sich allerdings leicht verschätzt. Nicht 10, aber immerhin noch 4 % der Mitarbeiter müssen sich nach einer neuen Arbeit umsehen. 3700 Jobs werden damit von den Sparmaßnahmen betroffen.

Somit setzt sich die Entlassungswelle weiter fort. Auch die Wall Street bleibt nicht verschont. 43.000 Jobs wurden im letzten Jahr in der Finanzwelt abgebaut. Das sind die meisten Entlassungen an der Wall Street seit über 25 Jahren. Und weitere Maßnahmen könnten folgen. Negativer Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht die Investmentbank Merrill Lynch, die im vierten Quartal 9.000 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt hat.

Die Wall Street hat also einen doppelten Grund, um mit Spannung auf die nächsten Arbeitsmarktdaten zu warten, die am Freitag veröffentlicht werden: Neben dem privaten Bangen um den Job wirken sich die Massenentlassungen auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Denn vom amerikanischen Konsumenten gehen maßgebliche Impulse aus, die bestimmen, wie schnell und in welchem Maß die US-Konjunktur drehen wird.

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