Nahost-Politik in Händen der "mittleren Administration"
Israel erwartet von Bush weniger persönliches Nahost-Engagement

dpa JERUSALEM. Mit dem Beginn der Amtszeit des neuen US- Präsidenten George W. Bush erwartet Israel das Ende des intensiven persönlichen Engagements in Nahost, wie man es von Bill Clinton kannte. Die Zeitung "Haaretz" schrieb am Donnerstag, man könne davon ausgehen, dass das "wöchentliche Telefonat" des US-Präsidenten mit dem israelischen Ministerpräsidenten nun ausfallen werde. Die amerikanische Nahost-Politik werde in die Hände der "mittleren Administration" gelegt.

Clinton galt vielen Israelis - nicht zuletzt wegen seiner christlichen Überzeugung - als "der Israel-freundlichste Präsident der Geschichte", und von Al Gore sagte man, der Vizepräsident sei noch stärker pro-israelisch eingestellt. Dazu hatte Gore mit Joseph Liebermann einen orthodoxen amerikanischen Juden als Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten nominiert. Liebermann war für die Israelis "einer von uns".

Bush gilt vielen als Synonym für Erdöl

Der Name Bush erinnert Israelis und Araber an den zweiten Golfkrieg von 1991. Wie Vater George Bush, wird auch George W. Bush von vielen Israelis in Verbindung mit massiver Interessenpolitik gebracht. Der Texaner Bush gilt vielen als Synonym für Erdöl. Daher wird erwartet, dass er, um die arabischen Staaten nicht zu verprellen, weniger konziliant gegenüber Israel sein wird als sein Vorgänger.

Gerade dies macht ihn allerdings in den Augen der Palästinenser attraktiver. Sie erinnern sich, dass die Regierung des Vaters George Bush Israel 1991 an den Verhandlungstisch bei der Madrid-Konferenz zwang und damit den Nahost-Friedensprozess auf den Weg brachte. Clinton war in ihren Augen wegen seiner starken Nähe zu Israel kein unvoreingenommener Vermittler mehr.

Der palästinensische Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Nabil Amer, sagte am Donnerstag, man hoffe darauf, dass die Regierung Bush objektiver mit den Problemen in Nahost umgehen werde. In palästinensischen Augen seien acht Jahre Regierung Clinton "ein einziger Misserfolg" gewesen.

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