Nahost-Vermittler soll wieder tätig werden
Israel verschärft Angriffe

Nach einer Serie neuer palästinensischer Terroranschläge in Israel hat die Regierung von Ariel Scharon am Dienstag die Angriffe auf die palästinensische Autonomiebehörde weiter verschärft. Kampfflugzeuge bombardierten am Abend erneut öffentliche Gebäude in der Stadt Gaza sowie in Tulkarem und Ramallah im Westjordanland.

dpa TEL AVIV/RAMALLAH/GAZA. In Ramallah wurde ein Auto von einer Rakete zerstört und mindestens drei Insassen getötet. Gleichzeitig wurde eine vollständige Blockade über palästinensische Städte verhängt. Sämtliche Straßen im Westjordanland seien für Palästinenser gesperrt worden, berichtete der israelische Rundfunk.

Scharon sprach am Abend mit US-Außenminister Colin Powell, um ihm die israelische Haltung zu erläutern. Nach israelischen Berichten erwägen die USA, den Nahostvermittler Anthony Zinni wieder in den Nahen Osten zu schicken.

Am Morgen hatten zwei palästinensische Selbstmordattentäter bei Anschlägen in Tel Aviv und Afula (Nordisrael) vier Israelis getötet und mehr als 50 verletzt. In der Nähe des jüdischen Siedlungsblocks Gusch Ezion erschossen Extremisten am Morgen eine Israelin. Als Reaktion auf einen Selbstmordanschlag vom Samstagabend in Jerusalem legten mutmaßlich jüdische Extremisten erstmals eine Bombe in eine arabische Schule in einem Palästinenserdorf östlich von Jerusalem. Bei der Explosion wurden neun palästinensische Schüler verletzt. Zu der Tat bekannte sich die bislang unbekannte Gruppe "Die Rache der Kinder".

Erstmals schlugen am Abend in der südisraelischen Stadt Sderot in der Negev-Wüste palästinensische Kassam-Kurzstreckenraketen in einem Wohnhaus ein und verletzten fünf Israelis, darunter ein Baby.

Am Dienstagmorgen gegen 01.00 MEZ hatte ein Palästinenser bei einem Anschlag auf zwei nebeneinander liegende Restaurants im Osten Tel Avivs geschossen und anschließend drei Israelis durch Messerstiche getötet, bevor er selbst von einem Polizisten erschossen wurde. Zu dem Attentat bekannten sich die "Al-Aksa-Brigaden", der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserführer Jassir Arafats. Bei dem Anschlag wurden 30 Israelis verletzt.

Nur sechs Stunden später sprengte sich am Busbahnhof der nordisraelischen Stadt Afula ein Palästinenser in einem Linienbus in die Luft. Er tötete einen Passagier und verletzte elf weitere. Zu diesem Anschlag bekannte sich die extremistische Organisation Islamischer Dschihad. Die Extremisten begründeten die Anschläge mit einer massiven Offensive der israelischen Armee, bei der am Montag im Westjordanland und im Gazastreifen mindestens 18 Palästinenser getötet wurden, darunter fünf Kinder und Jugendliche.

Zehntausende nahmen am Dienstag an der Beerdigung der Frau des militanten Hamas-Führers Hussein Abu Kweik und ihrer drei Kinder teil, die israelische Soldaten am Montag mit einem Volltreffer aus einer Panzerkanone getötet hatten. Die israelische Armee hatte den Treffer als Versehen bezeichnet und ihr Bedauern ausgedrückt. Kurz vor Beginn des Trauerzugs feuerten israelische Kampfhubschrauber erneut Raketen auf öffentliche Gebäude in der Stadt. Auch in Nablus wurde ein Polizeigebäude angegriffen.

Am Abend feuerten israelische Kampfhubschrauber Raketen auf das Auto eines militanten Führers der Fatah-Organisation Arafats in Ramallah. Der Mann und zwei Begleiter waren nach Augenzeugenberichten auf der Stelle tot. Fast gleichzeitig beschossen Helikopter ein Polizeigebäude in dem Vorort Betunia, westlich Ramallahs.

In Tel Aviv beschloss das Kernkabinett von Ministerpräsident Scharon am Nachmittag nach einer vierstündigen, als äußerst kontrovers" beschriebenen Sitzung, weitere "Strafmaßnahmen" gegen Arafat. Scharon hatte am Montag vor Parlamentsabgeordneten erklärt, die Palästinenser müssten durch "schmerzhafte Schläge" getroffen werden, bevor man mit ihnen verhandeln könne.

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