Nahostkonflik überschattet UN-Kinder-Gipfel
Viele Fragen - wenig Antworten

Zum Beginn der bedeutendsten Konferenz für Kinderrechte seit gut einem Jahrzehnt hat UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch zur Einlösung der zahlreichen Versprechen für die Verbesserung der Lage der Kinder aufgefordert.

 dpa NEW YORK. Bei der Eröffnung des zweiten Weltkindergipfels sagte Annan vor 70 Staats- und Regierungschefs und Delegierten aus 188 Ländern in New York: "Dies ist nicht einfach nur eine Sondersitzung über die Lage der Kinder. Dies ist ein Treffen über die Zukunft der Menschheit." Zum ersten Mal stellten bei dem bis Freitag andauernden Gipfel auch Kinder aus allen Teilen der Welt Forderungen an die Politiker. Im Namen der 300 unter 18-jährigen Delegierten mit uneingeschränkten Rechten richteten eine 13-Jährige aus Bolivien und eine 17-Jährige aus Monaco einen eindringlichen Appell an die Erwachsenen: "Wir wollen Respekt für die Rechte von Kindern." Unter anderem verlangten die jungen Sprecher ein Ende von Ausbeutung, Missbrauch und Gewalt, Schluss mit Kriegen und der HIV/Aids-Bedrohung sowie Schutz für die Umwelt, einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut und gleiche Chancen für eine angemessene Bildung. In dem Appell, den die Kinder-Delegierten im Vorfeld des Gipfels erarbeitet hatten, heißt es weiter: "Wir sind nicht die Ursache der Probleme, sondern die Ressourcen, die zu ihrer Lösung benötigt werden. Wir sind nicht Ausgaben, sondern Investitionen. Wir sind nicht einfach nur junge Leute, sondern Menschen und Bürger dieser Welt." "Ich rufe alle Erwachsenen in diesem Saal auf, ihnen sehr aufmerksam zuzuhören", sagte Annan vor den Regierungsvertretern und prominenten Gästen, unter ihnen Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, Microsoft-Gründer Bill Gates und Spaniens Königin Sofia. Die Delegierten sollen eine Bilanz der Bemühungen seit dem ersten Kindergipfel im Jahre 1990 ziehen und vor allem neue konkrete Aufgaben für die Überwindung der Notlage hunderter Millionen Mädchen und Jungen innerhalb der nächsten zehn Jahre beraten und beschließen. Wichtige Teile der Abschlusserklärung sowie des Aktionsplans "Eine kindgerechte Welt" sind jedoch in Ausschüssen noch umstritten. So wollen die USA und einige islamische und katholische Länder keiner Formulierung zustimmen, die als Akzeptierung von Schwangerschaftsabbrüchen bei Minderjährigen gedeutet werden könnte. Auch der Einklagbarkeit von Kinderrechten vor der Weltorganisation wollen die USA nicht zustimmen. Während längst nicht alle Ziele des ersten Gipfels verwirklicht wurden, waren jedoch eine Reihe von grundlegenden Rechten für alle Kinder der Erde bereits verbindlich vereinbart worden. Mit der Ausnahme Somalias und der USA haben seitdem alle UN-Mitgliedstaaten die universelle Kinderrechtskonvention ratifiziert. Sie garantiert den Kindern unter anderem das Recht auf ein Leben ohne Hunger und Armut, das Recht auf eine qualifizierte Erziehung sowie das Recht auf Schutz vor Krankheiten, einschließlich Aids, sowie vor Kriegen und vor der Zerstörung der Umwelt. Bereits der erste Tag des Gipfels wurde vom anhaltenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern überschattet. Vertreter arabischer Staaten verlangten eine Klarstellung, wonach die Delegation Israels auf keinen Fall als Vertretung für die Kinder in den besetzten palästinensischen Gebieten angesehen werden dürfe. Zudem forderten sie zusätzlich zu der seit langem vereinbarten Tagesordnung eine Diskussion über die Lage von Kindern in besetzten Gebieten. Dabei soll Israel wegen der Leiden palästinensischer Kinder im Westjordanland sowie in Flüchtlingslagern öffentlich angeklagt werden. Westliche und andere Delegierte nahmen das Ansinnen mit Unmut zur Kenntnis, hieß es in UN-Kreisen. Im Entwurf der Abschlussdeklaration des Gipfels gebe es bereits eine in langen Diskussionen mit allen Seiten vereinbarte Formulierung, mit der Sorge über die Not von Kindern in okkupierten Gebieten zum Ausdruck gebracht werde. Deutschland ist durch Bundesfamilienministerin Christine Bergmann und Bundestags-Vizepräsidentin Anke Fuchs vertreten, die zugleich persönliche Beauftragte von Bundeskanzler Gerhard Schröder für den Weltkindergipfel ist. Der deutschen Delegation gehören auch zwei Mädchen und zwei Jungen im Alter von 10 bis 17 Jahren als Delegierte an.

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