Nahostkrise
Schröder fordert Ende der Gewalt im Nahen Osten

Schröder forderte beide Seiten zu einer Fortsetzung der Verhandlungen auf. Überschattet war die schwierige Nahostreise des Kanzlers am Wochenende von neuen blutigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Israelis

ap BEIRUT/JERUSALEM. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei seiner Nahostreise eindringlich zu einem Ende der Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis aufgerufen. Wie schon am Vortag in Ägypten forderte er am Sonntag in Libanon beide Seiten zu einer Fortsetzung der Verhandlungen auf. Überschattet war die schwierige Nahostreise des Kanzlers am Wochenende von neuen blutigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Israelis im Westjordanland. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak erklärte unterdessen, er stehe kurz vor einer Koalitionsvereinbarung mit dem rechtskonservativen Likud-Block von Ariel Scharon.

Nach einer Unterredung mit dem designierten libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri sagte Schröder in Beirut, Hariri und er stimmten darin überein, dass die Vereinbarungen vom Gipfeltreffen in Scharm el Scheich von beiden Parteien umgesetzt werden müssten. Bei dem Treffen Mitte Oktober hatten sich Israelis und Palästinenser zu einem Ende der Gewalt verpflichtet. Schröder begrüßte auch mögliche neue Friedensinitiativen des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Er hatte bereits am Zustandekommen des Gipfels von Scharm el Scheich wesentlichen Anteil.

Begonnen hatte Schröder seine Nahostreise am Samstag in Ägypten. Dabei würdigte er den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak als den wichtigsten Makler im Friedensprozess im Nahen Osten. Bei seiner Reise, die ihn auch nach Jordanien, Syrien und Israel führen wird, will der Kanzler nach Regierungsangaben keinesfalls eine Vermittlerrolle im Nahostkonflikt übernehmen. Stattdessen gehe es um eine unterstützende Rolle für den Friedensprozess.

In den palästinensischen Gebieten gab es am Sonntag neue Unruhen. Zu den schwersten Kämpfen kam es in Nablus im Westjordanland, wo zwei Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen und vier weitere verletzt wurden. Außerdem erlag ein 20-jähriger Palästinenser seinen Schusswunden, die er vor zwei Tagen bei einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten erlitten hatte. Etwa 2 000 Palästinenser trugen seinen Leichnam während eines Protestmarsches durch die Straßen. Am Samstag wurden bei Unruhen in den palästinensischen Gebieten mehr als 20 Menschen verletzt.



Zwtl: Hisbollah ruft zu Selbstmordanschlägen auf



Barak sagte im israelischen Militärfunk, er mache Fortschritte in den Gesprächen mit dem Likud-Vorsitzenden Scharon. Letzte Einzelheiten würden allerdings noch diskutiert. Das israelische Parlament will am Montag zu seiner ersten Sitzung nach der dreimonatigen Sommerpause zusammenkommen. Ein Misstrauensvotum könnte Baraks Regierung zu Fall bringen. Der Regierungschef hat erklärt, er könne eine Koalition mit Likud eingehen und gleichzeitig Friedensverhandlungen führen. Scharon hat angekündigt, er werde nicht Teil einer Regierung sein, die einen schnellen Frieden mit den Palästinensern anstrebe. Scharon gilt als Gegner des Friedensprozesses.

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat bekräftigte seine Forderung nach einem eigenen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Er sagte der ägyptischen Tageszeitung "Al Achram", er strebe die Rückgabe der 1967 von Israel besetzten Gebiete gemäß den UN-Resolutionen an. Die schiitische Hisbollah-Miliz rief unterdessen die Palästinenser zu verstärkten Selbstmordanschlägen gegen Israelis auf.



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