Nahrungsmittel- und Getränkehersteller liegen im Trend
Sicherer Kurs mit defensiven Aktien

Defensive Aktien dürften der abkühlenden Konjunktur trotzen und damit zu den Kursgewinnern zählen. Allerdings nur bis zur Rückkehr der Tech-Werte.

FRANKFURT. Die alten Recken wollen es den jungen Grünschnäbeln noch einmal zeigen und machen sich auf zur gefährlichen Mission ins All. Mit dem Kinofilm "Space Cowboys" hat Clint Eastwood, ehrwürdiger Hollywood-Revolver-Opa, im Alter von 70 Jahren noch einmal einen großen Film inszeniert.

Auch am Aktienmarkt überraschen längst in Vergessenheit geratene Titel mit quirliger Lebendigkeit: Seit dem drastischen Einbruch der im März heiß gelaufenen Telekommunikations-, Medien- und Technologieaktien (TMT-Titel) zeigen Werte aus den Branchen Pharma, Finanzen sowie Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, was in ihnen steckt. In diesem Jahr profitierten sie in erster Linie von ihrer Rolle als sicherer Hafen. Auch 2001 könnten sie interessant sein, weil sie als relativ konjunkturunsensibel gelten. Angesichts des sich weltweit abschwächenden Wirtschaftswachstums könnte diese Eigenschaft zur Schlüsselkompetenz werden.

Investmentbanken wie Goldman Sachs und Merrill Lynch empfehlen insbesondere die defensiven Aktien von Nahrungsmittel- und Getränkeherstellern. Diese Unternehmen verfügten über ein stetiges Gewinnwachstum - selbst wenn sich das Wirtschaftswachstum abschwächen sollte.

Auch die Pharmabranche wird von der Investmentbank Goldman Sachs noch übergewichtet. Allerdings gibt es hier auch schon warnende Stimmen. Michael Fraikin, Fondsmanager bei Invesco, findet Pharma-Aktien bereits jetzt zu teuer. Viele Papiere, wie beispielsweise Altana und Aventis, sind mittlerweile auf Jahreshöchststände gestiegen. Damit sind weitere Kurssteigerungen eher unwahrscheinlich. Allerdings, so sind sich die Experten weitgehend einig, werden die Aktien noch so lange attraktiv bleiben, wie sich die Technologietitel im Abwärtssog befinden. Sollten die Tech-Titel aber wieder an Boden gewinnen, werden viele Anleger ihr Geld aus den sicheren Häfen abziehen. Kursverluste wären die Folge. Eine weitere Gefahr droht Pharmatiteln von der Währungsseite. Die gesamte Branche hänge stark vom US-Dollar ab, sagt Plum Shipton, Aktienstrategin bei Merrill Lynch. Sollte die US-Währung im kommenden Jahr schwächer werden und der Euro stärker, werde das die Exporte belasten.

Bei einzelnen Titeln wie Aventis, Roche oder Novartis sieht die Investmentbank Goldman Sachs dennoch Potenzial für weitere Kurssteigerungen: Beide Titel werden als "Market Outperformer" eingestuft. Das heißt in der Sprache der US-Investmentbank: Die Aktie kann sich um mehr als fünf Prozent besser entwickeln als der Index. Klaus Töpper, Fondsmanager des Deka Spezial, bewertet sogar die gesamte Pharma- und Gesundheitsbranche noch als "hochinteressant". Dabei favorisiert er vor allem große, breit aufgestellte Player wie Lilly, Pfizer, Merck & Co. sowie Bristol Myers. Allerdings werden bei den letzten beiden bald die Patente für wichtige Produkte auslaufen.

Auch defensive Werte wie Nahrungsmittel- und Getränkehersteller zählen für Fondsmanager Michael Fraikin von Invesco zu den sicheren Branchen im Jahr 2001. Er hat in seinem Portfolio sowohl Aktien von Nahrungsmittelherstellern als auch Finanztiteln deutliches Übergewicht verliehen. Nestlé und Danone zählen zu seinen Favoriten. Nestlé steht auch auf der so genannten Recommended List von Goldman Sachs. Diese Einstufung bedeutet: Die Banker trauen der Aktie eine Kurssteigerung von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Index zu. Sollte die Inflation im kommenden Jahr doch höher als prognostiziert ausfallen, dürften sich vor allem Getränke- und Nahrungsmittelhersteller besser als erwartet entwickeln, argumentiert die Investmentbank. Auch Aktien von Tabakkonzernen wie British American Tobacco werden von Goldman Sachs empfohlen. Die Branche zählte schon zu den Kursgewinnern dieses Jahres. Merrill Lynch rät, den spanischen Tabakkonzern Altadis und Imperial Tobacco zu "akkumulieren". Der Kursverlauf dieser Aktie verdeutlicht die enormen Steigerungen des Sektors in 2000: Lag der Kurs zu Beginn dieses Jahres noch bei knapp über 400 Pence, stand er Mitte dieser Woche bei rund 750 Pence. Das Zwölf-Monats-Kursziel sieht Merrill jetzt bei 825 Pence.

Defensive Werte sollten allerdings nur ein Zwischenhoch erleben. Denn viele Anleger sitzen schon in den Startlöchern, um beim sehnlich erwarteten nächsten Aufschwung der Technologietitel dabei zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%