Nahrungsmittelaktien haben nach Ansicht vieler Bankhäuser noch Potenzial
Guter Halt in stürmischen Zeiten

Nach wie vor gute Perspektiven bescheinigen Analysten vielen Aktien aus der defensiven Nahrungsmittelbranche. Ganz oben auf der Empfehlungsliste steht Danone. Doch auch dem Schwergewicht Nestlé werden Kurschancen gegeben. Zu teuer sind nach Ansicht vieler Bankhäuser dagegen Kraft-Foods-Aktien.

DÜSSELDORF. Viele Standardwerte haben in letzter Zeit Tiefststände erlebt, die vorher kaum jemand für möglich gehalten hat. Die europäischen Blue Chips der Ernährungsbranche sind dagegen fast unbeschadet durch die Krise gegangen. "Die Leute müssen ja weiter essen", sagt Sven Madsen, Analyst bei der BHF-Bank. Eine Investition in die Aktien der Lebensmittelkonzerne sei deshalb weniger riskant als in die Titel anderer Branchen.

Favorit der Analysten ist die Groupe Danone. "Von der Lebensmittelbranche erwarten wir nur, dass sie sich entwickelt wie der Markt. Bei Danone ist aber mehr drin", sagt Michael Otto von der Helaba Trust. Der Grund: Danone ist beim Umbau des Konzerns weiter als die Konkurrenz. Der französische Lebensmittelhersteller hat Bereiche wie Teigwaren und Bier abgestoßen, um sich auf das Kerngeschäft mit Mineralwasser (Evian, Volvic, Badoit), Milchprodukten und Biskuits (Lu, Prince, Tuc) zu konzentrieren. Trotz des Boykotts in Frankreich wegen der Schließung einiger Keksfabriken, konnte Danone den Halbjahresumsatz um 6,2 % auf 7,3 Mrd. Euro steigern. Der Gewinn nahm um 6,5 % auf 375 Mio. Euro zu. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn erwartet Helaba Trust weiter gute Nachrichten. Das Unternehmen sei moderat bewertet. Derzeit kostet die Aktie gut 140 Euro, die meisten Analysten sehen ein Kursziel von 160 Euro.

Der größte Nahrungsmittelkonzern, die schweizerische Nestlé, erwartet dieses Jahr ein Rekordergebnis. Branchenexperten beurteilen das Unternehmen aber nicht so gut wie den französischen Konkurrenten. Helaba Trust erwartet nur eine marktneutrale Entwicklung. Dagegen empfiehlt Sven Madsen von der BHF-Bank die Aktie zum Kauf. Derzeit kostet die etwa 340 sfr, Madsen setzt das Kursziel bei 360 sfr. Schroder Salomon Smith Barney erwarten sogar 410 sfr. Auch René Weber von der Bank Vontobel rät zum Kauf; Nestlé sei unterbewertet. Zwar leide der schweizerische Lebensmittelkonzern unter dem starken Franken, das sei aber ein vorübergehendes Problem. Positiv beurteilt wird die Übernahme des amerikanischen Tierfutterherstellers Ralston Rurina, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Auf Tiernahrung gebe es hohe Gewinnmargen, sagt Franz Zendath von der Hypovereinsbank. Außerdem greift Nestlé nach dem deutschen Speiseeishersteller Schöller, der bisher zum Südzucker Konzern gehört. Damit könnte der Konzern sein gewaltiges Sortiment noch erweitern und den Konkurrenten Unilever angreifen, der Langnese vertreibt.

Der niederländisch-britische Konzern Unilever schneidet bei der Bewertung der Analysten am schlechtesten unter den europäischen Nahrungsmittelkonzernen ab. Die meisten glauben, dass sich das Papier nicht besser als der Markt entwickelt. Credit Suisse First Boston rät sogar zum Verkauf. Das Kursziel liege bei 50 Euro, derzeit liegt der Preis knapp unter 60 Euro. Kritik der Analysten: Der Konzern hat spät damit angefangen, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Kauf des US-Lebensmittelkonzerns Bestfoods habe sich noch nicht rentiert, die Integration verlaufe schwierig. Branchen-Experte Otto hält auch die geringe Eigenkapitalquote von 17,8 % für problematisch.

Unilever gab bekannt, bereits eine Schwäche im US-Absatz zu spüren. Grund seien die Terroranschläge. Trotzdem wolle das Unternehmen sein Jahresziel erreichen. Marc Nettelbeck von der Baden Bank-Württembergischen meint, dass dafür ein Ergebnissprung von 40 % im vierten Quartal nötig wäre: "Das ist schon sehr ambitioniert."

Zu teuer finden viele Analysten den größten US-Lebensmittelkonzern Kraft Foods. Erst im Juni wurde er von der Mutter Philipp Morris an die Börse gebracht; die Aktie kostete bei der Ausgabe 31 $, heute sind es drei Dollar mehr. "Wenn ein Lebensmittelhersteller die amerikanische Konsumflaute zu spüren bekommt, dann Kraft", warnt Weber von der Bank Vontobel.

Allerdings dürften alle Titel vom Trend zu defensiven Aktien profitieren: Die Ernährungsindustrie ist nicht so konjunkturempfindlich wie andere Branchen. Dem Abwärtssog ganz entziehen kann sie sich aber auch nicht. Doch während der Euro Stoxx 50 in den letzten sechs Monaten um 25 % gefallen ist, gab der europäische Nahrungsmittelindex Dow Jones Stoxx Food & Beverage nur um 6 % nach.

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