Naht das Ende des Rad-Champs?
Einstieg in den Ausstieg

Lance Armstrong will zum sechsten Mal die Tour de France gewinnen - doch vieles spricht dagegen. Unter anderem wird der Amerikaner die Doping-Vorwürfe nicht los.
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NEW YORK. Das Filmchen geht ans Herz. Der Radfahrer rauscht durch Nebel und Wald, durch Tunnel und Städte, durch Sonne und Regen. Ungerührt von Äußerlichkeiten, konzentriert, schnell. Nur ganz am Ende kämpft sich jemand auf einem kleinen Drahtesel heran, der Teddybär hängt von der Lenkstange. Das Vorderrad stößt nach vorne, bis es schließlich kurz das Hinterrad des Profis berührt. Lance Armstrong dreht sich für eine Sekunde um, fixiert seinen Verfolger - und zieht mit einem Lächeln davon.

Wenn der Mann, der sich anschickt, die Tour de France als erster Fahrer ein sechstes Mal zu gewinnen, auf amerikanischen Fernsehschirmen erscheint, dann meist in diesem Werbespot seines Noch-Sponsors US Postal Service. Es geht um das uralte Thema, wie der Wille Berge versetzen kann, wie ein kleiner Junge für Sekunden den großen Traum des Lance Armstrong träumt und ihm vielleicht danach für viele Jahre nacheifert. Die Amerikaner lieben solche gefühligen Stücke - aber für Radsport interessieren sie sich deshalb noch lange nicht.

Wie üblich wird die Tour de France nur auf dem Spartensender "Outdoor Life Network" übertragen, auf dem sich sonst Fliegenfischer und Elch-Jäger um die Sendeplätze streiten. Da geht es Armstrong nicht besser als der Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones, die immer nur dann für die amerikanische Öffentlichkeit interessant wird, wenn gerade wieder ein großer Wettkampf ansteht. Im Augenblick tauchen beide allerdings häufiger im Zusammenhang mit einem anderen Thema auf: Doping. Über Jahrzehnte interessierte in den USA niemand, was die Sportstars so alles einnahmen, um am Ende ganz vorne zu sein. Das hat sich komplett geändert.

Nach dem Skandal um das kalifornische Chemielabor Balco stehen plötzlich alle Sportler unter Generalverdacht. Mit Vehemenz wehrt sich Armstrong gegen Dopingvorwürfe aus dem Buch "L.A. Confidential" der Journalisten Pierre Ballester und David Walsh. Einen ersten Prozess hat Armstrong bereits verloren. Armstrong bestreitet die Verwendung des Blutdopingmittels Epo und hatte gefordert, dass dies in dem Buch abgedruckt werden müsse. Und das war nicht die einzige Ablenkung im Leben des sonst so auf seinen Beruf fixierten Texaners.

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