Nahverkehr 2002 wird 3,8 % teurer
Deutsche Bahn will angeblich unrentable Töchter verkaufen

Bahnkunden müssen sich ab 2002 auf neue Preise einstellen. Im Nahverkehr sollen sie um 3,8 % steigen, im Fernverkehr bei frühzeitiger Buchung deutlich sinken. Bahn-Sprecher Dirk Grosse-Leege erläuterte am Wochenende die Grundzüge des neuen Preissystems, mit dem ab nächstem Jahr der Tarifdschungel der Bahn gelichtet werden soll. Ausführlich werde das geplante System noch in diesem Jahr vorgestellt. Der "Spiegel" berichtete derweil, die Bahn wolle sich von verschiedenen Tochterunternehmen trennen.

ap FRANKFURT/MAIN. Grosse-Leege sagte zum Thema Nahverkehr, von den Wettbewerbern der Bahn gebe es Signale, dass diese 2002 ihre Preise erhöhen wollten. Dem werde das Unternehmen folgen. Schon für 2001 sei für Strecken, über deren Preisgefüge die Bahn nicht allein entscheiden konnte, der Preis erhöht worden. "Wo wir allein den Preis bestimmen konnten, ist er 2001 nicht erhöht worden", betonte er.

Das habe die Bahn einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" gekostet. Dies sei aber 2002 nicht wiederholbar. Die zusätzlichen Einnahmen, die sich auf bis zu 100 Mill. DM belaufen könnten, wolle die Bahn in "neue Züge besserer Qualität" investieren.

Preisermäßigung für Frühbucher

Zum neuen Tarifsystem ab 2002, über das zunächst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, sagte er, für Fernreisende, die frühzeitig buchten, solle Bahnfahren billiger werden. Wer kurzfristig seine Fahrkarte kaufe, zahle gegebenenfalls mehr als heute. Zugleich werde die BahnCard "deutlich billiger als heute". Ziel sei, das komplizierte bisherige System sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter übersichtlich zu gestalten.

Für BahnCard-Inhaber stelle sich die Berechnung einer Fernreise dann wie folgt dar: "Es gibt einen Grundpreis für die Fahrt von A nach B. Wer frühzeitig, also zum Beispiel zwei Wochen vor dem Reisetag, seine Karte bucht, bekommt einen deutlichen Rabatt. Dieses Rabattsystem wird gestaffelt sein - je nachdem, wie viel Tage vor dem Reisetag gebucht wird, gibt es Ermäßigungen. Jeder BahnCard-Besitzer bekommt auf diesen günstigeren Preis noch einmal Rabatt um weitere 25 %." Damit sei das Bahnfahren für einen BahnCard-Inhaber, der früh buche, billiger als heute.

"Spiegel": Drastischer Beschäftigungsabbau bis 2005

Zu Vorwürfen von Pro Bahn, wonach das System noch komplizierter werde, sagte Grosse-Leege das sei "völliger Blödsinn und reine Polemik". Pro-Bahn-Sprecher Frank von Meißner sagte der "Saarbrücker Zeitung" dagegen, er befürchte, dass die Tarifreform nicht zu einer deutlichen Vereinfachung führen werde. Die Antwort des Sprechers auf die sachliche Kritik zeige, dass "bei der Bahn die Nerven blank liegen".

Der "Spiegel" berichtete zu den Sanierungsplänen des Unternehmens, vor allem die Bahntöchter Berliner DB Bahnbau, die DB Gleisbau in Duisburg und die Ostberliner Unternehmen DB Gleis- und Tiefbau GmbH stünden auf dem Prüfstand. Grosse-Leege sagte, es handle sich um ein internes Papier, zu dem das Unternehmen nicht Stellung nehme.

Unabhängig vom Verkauf ihrer "Cash- und Ergebnisvernichter" habe die Bahn für einige Konzerntöchter bereits einen drastischen Beschäftigtenabbau bis 2005 eingeplant. So solle bei der DB Bahnbau die Mitarbeiterzahl auf knapp 2 600 (1999: knapp 7 000) sinken. Neben den Baugesellschaften würden auch "zahlreiche Randaktivitäten im Konzern" (McKinsey) geprüft, zum Beispiel die Bodensee-Schiffsbetriebe und das Autohaus Mitsubishi Greifswald.



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