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Nahverkehr von weitem betrachtet

Einen unfreiwilligen Beleg für die Abgehobenheit von Frankreichs regierender Klasse gab jüngst Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin ein einem Radio-Interview.

Einen unfreiwilligen Beleg für die Abgehobenheit von Frankreichs regierender Klasse gab jüngst Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin ein einem Radio-Interview. Auf dem Sender RMC bekannte er, den öffentlichen Nahverkehr zu "lieben"; nur leider, leider müsse er aufgrund seines engen Terminkalenders den Dienstwagen nehmen, um sich fortzubewegen.

Aha, mag man denken: De Villepin bestätigt damit, dass es die von seinem Staatschef Jacques Chirac bekämpfte "soziale Kluft" also auch im Straßenverkehr gibt: Wer sich kein Auto leisten kann, muss auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen - und ist damit verurteilt, ständig zu seinen Verabredungen zu spät zu kommen.

Jeder, der einmal in Paris mit dem Auto unterwegs war, weiß indes, dass das Gegenteil eher richtig sein dürfte. Nur Masochisten stellen sich zur Rush-Hour in den Stau. Nicht jeder hat das Privileg eines Regierungschef, mit Blaulicht an der Blechschlange vorbeizusausen.

De Villepin hätte gar nicht so herumheucheln müssen. Allein aus Sicherheitsgründen verbietet es sich für ihn, in die Metro zu steigen. Das zuzugeben, wäre allemal ehrlicher gewesen, als die Terminhetze vorzuschieben.


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