Name der neuen Sendeanstalt mit Sitz in Berlin und Babelsberg noch offen
SFB und ORB fusionieren bis 2004

Jahrelang wurde gestritten. Nun geht alles offenbar ganz schnell. Die beiden kleinen ARD-Sender SFB und ORB wollen bereits bis 2004 zu einem Sender mit Sitz in Berlin und Babelsberg fusionieren.

hps BERLIN/DÜSSELDORF. Der Sender Freies Berlin (SFB) und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) wollen zum 1. Januar 2004 fusionieren. Auf der Sondersitzung des SFB-Rundfunkrates gestern in Berlin informierte Intendant Horst Schättle über den Stand der Verhandlungen mit den Landesregierungen. Die Beschleunigung ist nach Einschätzung von Beobachtern durch den neuen SPD-geführten Berliner Senat möglich geworden.

Es wird erwartet, dass die Länderparlamente in Potsdam und Berlin den Staatsvertrag bis Ende 2002 unterzeichnen werden. SFB-Intendant Schättle und sein ORB-Kollege Hansjürgen Rosenbauer versprechen sich von der neuen Zweiländeranstalt erhebliche Einsparmöglichkeiten. Genaue Zahlen wurden gestern jedoch noch nicht genannt.

Am Personal der öffentlich-rechtlichen Sender soll vorerst nicht weiter gespart werden. SFB-Sprecher Peter Kröger wies darauf hin, dass sein Sender seit 1995 die Zahl der Planstellen von 1 300 auf 1 050 reduziert habe. "Fusionsabhängige Kündigungen haben wir daher von vorneherein ausgeschlossen", so Kröger. Auch beim ORB mit seinen 640 Mitarbeitern wird es keinen Stellenabbau geben, erklärte Sprecherin Pia Stein. Dennoch ergeben sich für SFB und ORB Einsparpotenziale zum Beispiel in der TV-Produktion, Sendeplanung und Verwaltung. Schon jetzt verfügen die beiden Häuser über eine gemeinsame Honorar- und Lizenzabteilung sowie Gebührenstelle und produzieren das gemeinsame Vorabendprogramm im Ersten.

ORB und SFB erhoffen sich von der Verschmelzung ein größeres Gewicht in der ARD. Bisher spielen Schättle und Rosenbauer im Kreis ihrer mächtigen Kollegen wie Fritz Pleitgen (WDR), Jobst Plog (NDR) oder Albert Scharf (BR) eher ein Schattendasein. Der Anteil des SFB im Ersten liegt bei 4,25 % und der des ORB bei 2,7 %. Nach der Fusion wird der neue Sender etwa die Größe des Hessischen Rundfunks (HR) besitzen.

Der Name der neuen Anstalt steht noch nicht fest. Wenn es nach dem Willen von SFB-Intendant Schättle geht, soll auf alle Fälle die Länderbezeichnung Berlin-Brandenburg auftauchen. Sitz der neuen ARD-Anstalt wird sowohl Berlin als auch Babelsberg sein. Wo jedoch die Intendanz ihren Sitz haben wird, ist noch entschieden.

Auch wer die neue Anstalt führen wird, ist vollkommen unklar. Die bisherigen Senderchefs werden offenbar schon aus Altersgründen nicht kandidieren. Der 61-jährige SFB-Intendant Horst Schättle, dessen Vertrag noch bis Februar 2003 läuft, kommt genauso wenig in Frage wie ORB-Chef Hansjürgen Rosenbauer. Der Vertrag des 59-Jährigen läuft Ende 2003 aus. Zudem war das Verhältnis zwischen Schättle und Rosenbauer in der Vergangenheit nicht frei von Spannungen. Auch die Ende 2000 vereinbarte Kooperation bei vier Radioprogrammen war alles andere als stets harmonisch. In den Sendern wird davon ausgegangen, dass deshalb ein personeller Neuanfang gemacht wird. Zudem soll der künftige Intendant zwei Amtsperioden amtieren, um der Fusion mit langem Atem zum Erfolg zu verhelfen.

Die seit der Gründung des ORB im Jahr 1991 geführte Diskussion um eine Fusion mit dem traditionsreichen SFB scheiterte in der Vergangenheit nicht nur an regionalen Eitelkeiten, sondern auch an der CDU. Der frühere CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky gab die Parole aus: "Senderfusion nach Länderfusion". Und als vor fünf Jahren die Verschmelzung der beiden Bundesländer am Wählerwillen scheiterte, wurde auch die Sender-Fusion auf die lange Bank geschoben.

Nicht nur die politischen Verhältnissen haben sich verschoben, sondern auch der ökonomische Druck ist groß geworden. Denn die finanziell gebeutelten Sender müssen möglichst schnell finanziell konsolidiert werden. Das wird auch standortpolitische Konsequenzen haben. Im SFB wird davon ausgegangen, dass der Standort Babelsberg/Potsdam künftig nur noch für die TV-Produktion noch eine zentrale Rolle spielen wird.

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