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Etappensieg der Industrie im Napsterstreit um Internet-Urheberrecht

dpa WASHINGTON. Die Musikindustrie hat eine Schlacht gewonnen, doch den Krieg um die Urheberrechte im Internet noch lange nicht. Der angebliche "Musikpirat" Napster ist erst einmal geschlagen, aber die Technik existiert weiter im Netz und wird die Industriebosse weiter verfolgen. Zahlreiche kleinere Firmen stehen bereit, um den von Napster vermittelten freie Austausch von Musiktiteln über das Internet fortzusetzen.

Im Mittelpunkt des Napster-Streits steht eine Art Tauschprogramm, das sich jeder PC-Besitzer kostenlos aus dem Internet herunter laden kann. Damit hat er dann Zugriff auf hunderttausende Musiktitel im Netz, die er sich kostenlos kopieren und dann entweder auf dem Computer anhören oder auf eine CD überspielen kann. Napster fungiert dabei praktisch nur als Vermittler einer riesigen Internet- Tauschbörse, da sich jeder Nutzer verpflichtet seine Songs mit den anderen Napsterfans zu teilen. Das hat nun ein Gericht in San Francisco auf Antrag des einflussreichen Verbands der US- Musikindustrie erst einmal unterbunden.

Die Entscheidung des Gerichts war in der Industrie und von Mill. Nutzern des Napsterprogramms mit großer Spannung erwartet worden. Die Musikindustrie auf der einen Seite will der Piraterie ein Ende bereiten, die ihr nach eigenen Schätzungen bereits 300 Mill. Dollar an entgangenen Einnahmen kostete. Die Napsteranhänger befürchteten dagegen, dass die Industrie ihnen die Möglichkeit nimmt, mit "Freunden" über das Internet ihre Lieblingstitel auszutauschen. Sie verweisen auch auf Studien, dass Napsteranhänger besonders begeisterte Musiklieberhaber sind und eher mehr als weniger CDs kaufen.

Besonders empört über die Napster-Tauschbörse zeigte sich die Heavy Metall Band Metallica. Ihr Drummer, Lars Ulrich, sagte Anfang Juli im amerikanischen Kongress aus und beschuldigte Napster offen des Diebstahls. Napster gefährde die Musikindustrie, da die Künstler kein Geld für ihre Arbeit erhielten, schimpfte Ulrich. Metallica sei nicht gegen moderne Technologie, aber die Urheberrechte müssten gewahrt bleiben.

Napster hatte dagegen argumentiert, es vermittle den Tausch nur und verstoße damit nicht gegen die Urheberrechte. Der Versuch der Musikindustrie sei nichts anderes als der anfänglichen Kampf der großen Filmstudios gegen die Videotechnologie, die sie als Gefahr für das Kino empfanden. Damals habe das Oberste US-Gericht auch zu Gunsten der Videocassette entschieden, wiederholen die Napster - Anwälte immer wieder.

Zuletzt hatte die Firma auch noch den Staranwalt David Boies an Bord geholt, der zuvor auf Seiten der Regierung den Softwareriesen Microsoft in die Knie gezwungen hatte. Für Napster geht es schließlich ums Überleben. Ein gerichtliche Anordnung, die Webseite bis zur endgültigen rechtlichen Klärung zu schließen, kann für Napster in der schnelllebigen Internetzeit leicht das Ende bedeuten. Die Fans können schnell zu anderen Tauschbörsen im Internet flüchten.

Bisher war Napster der unbestrittene König der Musik-Tauschbörse. Die Webseite wurde täglich von 315 000 Computernutzern besucht. Das ist nach Angaben der "Washington Post" deutlich mehr als etwa der Netzableger des Musiksenders MTV oder gar als die "New York Times". Insgesamt wird die Zahl der Napsterfans auf 20 Mill. geschätzt. Doch der Kampf ist härter geworden. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich das Programm Gnutella, das weniger zentralisiert und damit rechtlich weniger angreifbar ist.

Und der Streit um Musik ist nur der Anfang. Dank immer schnellerer Internetverbindungen wird es zunehmend leichter, Videoclips oder ganze Filme im Netz herunter zu laden. Wie bei der Einführung der Videocassette fürchtet Hollywood wieder einmal um seine Einnahmen, und der Ausgang ist diesmal viel ungewisser.

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