Archiv
Napster-Nachfolger I-Mesh sieht Napster-Comeback

Die Internet-Plattform I-Mesh, einer der Nachfolger der Online-Tauschbörse Napster, rechnet mit einem Comeback von Napster - vorausgesetzt das US-Unternehmen kann in seinem Rechtsstreit mit der Musikindustrie einem endgültigen Aus entgehen.

rtr MüNCHEN. "Wenn die rechtliche Frage geklärt werden kann, wird Napster ein Comeback erleben", sagte I-Mesh-Chef Elan Oren am Freitag. "Napster ist ein bekannter Name und kann mit der richtigen Unterstützung und dem richtigen Geschäftsmodell wiederbelebt werden." Der Medienkonzern Bertelsmann war vor einem Jahr eine strategische Allianz mit der damals noch kostenlosen Tauschbörse eingegangen, die noch in diesem Jahr als kostenpflichtiger Abo-Service starten soll.

Napster drohe allerdings das endgültige Aus, wenn sich die Musikindustrie mit ihren Klagen wegen Urheberrechtsverletzung durchsetzen kann, sagte Oren. Das zuständige US-Gericht verfügte bereits im Frühjahr, dass Napster alle urheberrechtlich geschützten Titel aus seinem Musikdateien-Angebot entfernen muss. Mit dem Einsetzen der entsprechenden Filter sanken die Nutzerzahlen von Napster, das mehr als 50 Mill. registrierte Mitglieder hatte. Napster ging im Sommer dann aus technischen Gründen freiwillig ganz vom Netz. Viele Nutzer wechselten daraufhin zu ähnlichen "Peer-to-Peer"-Plattformen für den Dateientausch wie iMesh.

Für die Online-Offensiven der Musikindustrie MusicNet und Pressplay sieht Oren im Gegensatz zu Napster derzeit allerdings kaum Erfolgschancen. "Eines ihrer Probleme ist, dass sie nicht das gesamte Musikrepertoire zu Verfügung haben", sagte Oren. MusicNet ist ein Großhändler für Online-Musik von AOL Time Warner, EMI und der Bertelsmann Music Group; Pressplay ein vergleichbares Joint Venture von Sony und Vivendi Universal.

"Die Leute nutzen iMesh und ähnliche Angebote, weil man dort alles finden kann - und natürlich weil sie kostenlos sind", sagte Oren weiter. I-Mesh habe rund 20 Mill. Nutzer. Oberstes Ziel seines Unternehmens sei derzeit, selbst einer Klage der Musikindustrie zu entgehen. Die meisten Napster-Nachfolger hätten nicht die Finanzkraft, um eine solche Klage zu überstehen. Die Musikindustrie hatte nach Napster noch weitere Tauschbörsen wie Grokster oder Morpheus verklagt. Bertelsmann erwägt, seinen Millionen-Kredit für Napster zu erweitern, weil das kalifornische Start-Up-Unternehmen mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen muss.

"Wir bleiben beim Dateientausch, bei dem wir selbst gar nicht kontrollieren können, was die Nutzer tun", sagte Oren. I-Mesh habe noch zwölf von ehemals 20 Mitarbeitern und arbeite profitabel. Auf der kostenlosen Website würden Umsätze vor allem durch Werbung generiert. Zahlen nannte Oren nicht. Das Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv sei nicht darauf ausgerichtet, durch Musikvertrieb Geld zu verdienen, sondern die Technologie für den Dateientausch zu entwickeln. "Wenn wir alles richtig machen, wird sich am Ende jemand in die I-Mesh-Community (Nutzergemeinschaft) einkaufen und dann ein Geschäftsmodell für den Musikvertrieb entwickeln." So wie es Bertelsmann bei Napster getan hatte. "Wir hatten auch Gespräche mit Bertelsmann", sagte Oren. "Aber die haben sich für die größere Community entschieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%