Napster soll Club mit zahlenden Mitgliedern werden
Bertelsmann bündelt E-Commerce und Buchgeschäft

Der Kunde kauft nicht entweder online oder offline, sondern er bezieht das Internet immer stärker in seine Kaufabsichten ein- und sei es nur zur Entscheidungsfindung. Das ist der Grund, warum der Bertelsmann-Konzern sein E-Commerce- und sein Clubgeschäft rückwirkend seit Juli in der neuen Direct Group zusammengefasst hat.

tel FRANKFURT. Auf der Bertelsmann-Jahrespressekonferenz im September hatte Thomas Middelhoff bereits angekündigt, dass der Konzern sich eine neue Unternehmensstruktur mit den drei Bereichen Inhalte (wie RTL oder Random House), Druck & Services und der Direct-Group geben wird. Klaus Eierhoff, Bertelsmann-Vorstand und zuständig für die neue Direct-Group, hatte gestern die Aufgabe, die Ausrichtung der Direct Group zu erläutern.

Der Auftrag: Medien auf allen Plattformen über alle Kanäle - vom Fax über Handy bis zum digitalen Fernsehen - für die Kunden bereitzustellen. Deshalb heißt das Credo der neuen Gruppe auch Multichannel-Strategie. Der Bertelsmann Buchclub-Kunde kann künftig Bücher, die er nicht im Clubangebot findet, über den Internet-Händler BOL bestellen, Musikclub-Mitglieder können bei CDNow auf ein bestimmtes freies Sortiment zurückgreifen. Kunden sollen bei Bertelsmann künftig nach ihren Interessen rundum versorgt werden, was für deutliches Zusatzgeschäft sorgen soll. Mit dieser Strategie will die Bertelsmann AG in den nächsten fünf Jahren zum Weltmarktführer im Mediencommerce aufsteigen - zur Zeit liegt sie weltweit an zweiter Stelle hinter Amazon.

Die Direkt-Group fußt auf zwei Säulen: die weltweiten Medienclubs des Konzerns, wozu neben den Buchclubs eben auch die Clubs der Musiktochter BMG zählen; und auf der anderen Seite die globalen E-Commerce Aktivitäten, die unter dem Dach der Bertelsmann E- Commerce Group (BeCG) zusammen gefasst sind. "Während andere Medienkonzerne noch ihre Multimedia-Abteilungen aufbauen, löst Bertelsmann seine schon wieder auf und integriert das Online- und Offline-Geschäft", zeigt sich Eierhoff zukunftsorientiert. Die Direct Group sei in 24 Ländern präsent, habe 50 Millionen Kunden (40 Millionen aus dem Buchclub-Geschäft, 10 Millionen sind E-Commerce Kunden) und werde im Geschäftsjahr 2000/2001 mit 13 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 7,3 Mrd. DM erreichen. Der vergleichbare Vorjahresumsatz liege bei rund 4,6 Mrd. DM, wobei der hohe Zuwachs auch durch die Integration der BMG- Musikclubs und Akquisitionen wie CDNow beeinflusst sei.

Bedeckt hält sich Eierhoff, was die Ertragslage der neuen Gruppe anbelangt. Er spricht lediglich von hohen Anlaufverlusten im Internet-Geschäft. Zudem werden in die Buchclubs, die "internetfähig" gemacht werden, bis 2004 über 4,5 Mrd. DM gesteckt.

Auch die jüngst von Bertelsmann mit einer Finanzspritze versehene Musiktauschbörse Napster hat ihren Platz in der Multichannel-Strategie. Die Online-Börse, bei der Bertelsmann die Option auf eine Beteiligung hat, ist für Bertelsmann wertvoll, weil sie 42 Millionen Kunden hat. Zum anderen wird das bei Napster angewandte Prinzip des Filesharing, des Tauschs von Online-Dateien, nach Ansicht von BeCG-Chef Andreas Schmidt ein Zukunftsmodell sein, wenn es um die Nachfrage nach Medieninhalten geht. Künftig werde eben nicht mehr nur Musik, sondern bald auch Film und andere Medieninhalte über das Internet getauscht werden. Bei Napster denkt Schmidt konkret darüber nach, die Napster-Gemeinde zu einer Mitglieds-Community zu machen. Damit würde aus dem Forum für illegale Musik-Downloads eine legale Musikbörse, die auch die Urheberrechte berücksichtigt. "80 % der Napster-Nutzer sind bereit, bis zu 15 $ monatlich für das Weiterbestehen der Börse auszugeben", verweist Schmidt auf das Potenzial, eine so genannte "membership based community" einzuführen.

Doch auch wenn die Musik eines der zentrales Felder der weiteren Wachstumsstrategie der Bertelsmann Direct Group ist, das Buchgeschäft ist es ebenso. Die rückläufige Mitgliederentwicklung in Deutschland habe dank neuer gezielterer Angebote gestoppt werden können, resümiert Wulf Böttger, Vorsitzender der Geschäftsleitung vom Bertelsmann Club. Intensiv ausgebaut werden sollen im Clubbereich zielgruppen- und themenspezifische Angebote, die so genannten Special Interest Clubs.

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