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Napster versucht neue Strategie im Rechtsstreit

Das Unternehmen wehrt sich nun gegen die Forderung der Industrie, schon vor der Unterrichtung durch die Plattenfirmen die Urheberrechte angebotener Songs zu klären. Die Musiktauschbörse hatte es zuvor nicht geschafft, alle geschützten Titel rechtzeitig vom Markt zu nehmen.

dpa SAN FRANCISCO. Nach einem erfolglosen Wettrennen gegen die Zeit in ihrem Copyright-Konflikt mit der Musikindustrie hat die Musikaustauschbörse Napster am Donnerstag eine neue «juristische Front» eröffnet. In einer Eingabe an Bundesrichterin Marilyn Patel in San Francisco wandte sich Napster gegen die Forderung der Industrie, schon vor der Unterrichtung durch die Plattenfirmen die Urheberrechte angebotener Songs zu klären. Das Unternehmen beantragte eine weitere Anhörung. Die Musiktauschbörse hatte es zuvor nicht geschafft, alle geschützten Titel rechtzeitig vom Markt zu nehmen.

Nur 26 000 von 135 000 wurden nach Angaben des Unternehmens bis zum Ablauf der gesetzten 72-stündigen Frist am Mittwochabend (Ortszeit) aus dem Angebot getilgt. Napster machte unvollständige Daten der US-Musikindustrie dafür verantwortlich. Viele der genannten Titel hätten keine Registriernummer gehabt. «Wenn es keine Registriernummer gibt, wird Napster (die Songs) nicht ausschließen.» Nach Informationen des Mediendienstes Webnoize ging der kostenlose Musiktausch seit der Filterung um 60 Prozent zurück.

Eine Sprecherin der «Recording Industry Association of America (RIAA)», die Napster wegen der Verletzung von Urheberrechten verklagt hatte, kritisierte das Vorgehen als Verzögerungstaktik. Die Anordnung der Richterin sei eindeutig, sagte Sprecherin Amy Weiss.

Der deutsche Online-Experte Volker Zota bescheinigte Napster Fortschritte, obwohl bestimmte Songs noch erreichbar seien. Der Redakteur der Computerzeitschrift «c't» (Hannover) sagte, er habe den Eindruck, dass immer mehr geschützte Songs auf dem Napster-Server gesperrt würden. Wer nach «Madonna» auf dem Server suche, erhalte keinen Treffer mehr. Mit dem Schreibfehler «Madona», erhielten User jedoch noch Titel des Popstars. Kurz vor Ende der Frist hatte Napster noch einen Experten für Datenfilter, Gracenote (Berkeley), als Helfer verpflichtet. Gracenotes CDDB-Musikerkennungs-System kann nach eigenen Angaben auch «getarnte» Dateien finden.

Zota vermutete, Napster könne auf die einstweilige Verfügung verweisen, in der sinngemäß stehe, die Musiktauschbörse müsse im Rahmen des für ihr System Möglichen handeln. Die Bundesrichterin hatte Napster angewiesen, alle geschützten Titel zu streichen, die von der Musikindustrie gemeldet werden. Daher verletzte Napster nach Auffassung der Firmenanwälte kein Gesetz, als es vorher Titel ungeeprüft ins Angebot nahm. Setzt sich dieser Standpunkt durch, bliebe Napster von Milliarden-Forderungen verschont.

Napster will bis zum Sommer ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Die Bertelsmann eCommerce Group will in der Allianz mit Napster die Tantiemenempfänger der urheberrechtlich geschützen Werke auszahlen. Die nötigen Einnahmen will das Unternehmen über Mitgliedsbeiträge der Napster-Nutzer eintreiben.

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