Nasa und Esa bringen leistungsstärkere Großraketen an den Start
Rakete trägt schwere Lasten ins All

Der Wettkampf um den stärksten Weltraumtransporter geht in die nächste Runde. Mitte November ist in Florida die schubstärkste Großrakete gestartet, die jemals gebaut wurde.Sie bringt den Nachrichtensatelliten Eutelsat ins All. Knapp zwei Wochen später folgt von Kourou aus die schubstärkste Rakete, die bislang von Europäern konstruiert wurde.

HAMBURG. Nasa und Triebwerkhersteller Boeing haben Mitte Novemer die stärkste und größte Rakete gestartet und einen schweren Nachrichtensatelliten in das Weltall befördert. Damit wurde eine neue Runde im Wettkampf um die Transporte ins All eingeläutet. Die Delta-4-Rakete ist die erste einer neuen Generation von Großraketen, mit der die Nasa ihren Konkurrenten künftig die Aufträge für Transporte in den Orbit streitig machen will.

Mit der Delta-4 haben die Amerikaner die größte und schubstärkste Rakete auf die Rampe geschoben, die sie seit ihrer Mondrakete vor mehr als 30 Jahren gebaut haben. Angetrieben wird das neue US-Weltraum-Vehikel von einem Kraftstoff sparenden RS-68 Triebwerk, das von Boeing Rocketdyne entwickelt wurde. Es ist der erste große Raketenmotor, der in den USA seit dem Haupttriebwerk des Shuttles, das vor 25 Jahren entwickelt wurde, konstruiert wurde. Es verfeuert Flüssigwasserstoff, der bei minus 251 Grad Celsius in den Tanks gehalten werden muss, sowie Flüssigsauerstoff (minus 184 Grad) und erreicht einen Schub von etwa 300 Tonnen. Das entspricht in etwa 17 Millionen Pferdestärken oder der Leistung von 20 Kohlekraftwerken.

Die Entwickler bei Rocketdyne in St. Louis - das Unternehmen gehört heute zum Unternehmensbereich Integrated Defense Systems von Boeing - haben nur fünf Jahre lang an dem neuen Triebwerk gearbeitet - das sei ein Rekord, sagt Don Collins, Vize-Präsident des Delta-Programms bei Boeing. Der neue Motor verbraucht 30 % weniger Treibstoff als die bisherigen Aggregate dieser Leistungsklasse. Dennoch müssen noch drei dieser Triebwerke zusammengespannt werden, um die Delta-4 Heavy von der Startrampe zu wuchten. Dazu kommen noch - ähnlich wie beim bemannten Raumtransporter - zusätzliche große Feststoffraketen, die später abgeworfen werden. Die Oberstufe wird jedoch von einem bewährten Raketenmotor von Pratt & Whitney angetrieben.

Neue Ariane transportiert 10 Tonnen ins All

Von dem neuen Weltraumgeschoss, in das Boeing und die US-Luftwaffe mehr als 1,5 Mrd. $ investiert haben, wird es fünf unterschiedliche Versionen geben. Die jetzt startende, mehr als 60 Meter lange Delta-4 Medium wird eine Nutzlast von 5,8 Tonnen auf den geostationären Orbit in 36 000 Kilometer Höhe verfrachten können. Von der Last her ist das weniger als die Hälfte von dem, was der Nachfolger später ins Weltall transportieren wird: Die mehr als 70 Meter lange Delta-4 Heavy soll eines Tages mehr als 13 Tonnen auf die geostationäre Bahn liften.

Den Bemühungen in Amerika schauen die Wettbewerber in Europa jedoch nicht tatenlos zu: Die Esa startet nur zwölf Tage später in Kourou in Französisch-Guayana ebenfalls eine Neuentwicklung: die schubstärkste je in Europa gebaute Rakete. Die neue Ariane-5 wird angetrieben von einem weiter entwickelten Haupttriebwerk, mit dem diese erstmals zehn Tonnen Nutzlast mit in den Weltraum nehmen kann. Die Schubkraft des Vulcain-Triebwerks ist in der ersten Stufe um 20 % angehoben worden. Die größeren Tanks in der ersten Stufe fassen etwa 15 Tonnen mehr Flüssigsauerstoff. Außerdem können die Feststoff-Booster der Rakete jetzt 2,5 Tonnen mehr aufnehmen. Zusätzlich wurde eine völlig neue Oberstufe für die Ariane-5 entwickelt.

Doch damit nicht genug: Bis 2006 soll die neue Oberstufe weiter verbessert werden, damit die Ariane dann etwa 12 Tonnen Nutzlast transportieren kann. Dann könnten drei Vier-Tonnen-Satelliten auf einmal ins All gebracht werden, was die Startpreise pro Kilogramm Satellit weiter absenken würde.

Und noch weiter in die Zukunft plant die europäische Raumfahrtindustrie: Sie will eine Art Super-Ariane bauen, die 75 Meter lang ist. Sie soll die Europäer ab dem Jahre 2015 mit eigener Rakete zum Mond bringen - wenn sie es denn wollen und bezahlen können.

Die neuen Großraketen, die jetzt auf den Weltmarkt kommen, haben ihr Debüt allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn der Markt für den Start schwerer Nachrichtensatelliten ist eingebrochen. Rechnete man vor einiger Zeit noch mit dem Start von etwa 35 schweren Nachrichtensatelliten pro Jahr, so spricht man jetzt von 20 bis allenfalls 25. Und um diese Starts kämpfen amerikanische, russische, europäische, chinesische und japanische Raketenhersteller derzeit mit weit reichenden Zugeständnissen an die Auftraggeber.

So wird denn jetzt auch Boeing beim Erststart der Delta-4 der Eutelsat im Rahmen eines so genannten "Satellite on-orbit Payment" nur dann Kosten in Rechnung stellen können, wenn der Satellit erfolgreich auf die vorgesehene Umlaufbahn gebracht worden ist. Dabei kostet der Transport nur etwa 25 bis 30 Mill. Dollar - rund ein Viertel der sonst üblichen Startgebühren in dieser Gewichtsklasse. Geht der Satellit durch einen Fehlstart verloren, wird die von Boeing bezahlte Versicherung allerdings nur 17 Mill. Dollar zahlen.

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