Nasdaq Europe
Die Märkte werden der Sonne folgen

Die Börsenlandschaft bleibt in Bewegung. Die großen Handelsplätze belauern einander. Alle streben über neue Partnerschaften oder Fusionen einem weltweiten Handelssystem entgegen. Noch kann eine Nasdaq Europe die Deutsche Börse kalt lassen, meinen Experten.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Börse kann dem Einstieg der US-Technologiebörse Nasdaq bei ihrem wesentlich kleineren europäischen Gegenstück Easdaq nach Ansicht von Branchenkennern noch gelassen entgegen sehen. Die in Brüssel ansässige Easdaq sei nur "eine Hülle" und spiele im Konzert der europäischen Aktienmärkte keine bedeutende Rolle, hieß es am Dienstag am Frankfurter Finanzmarkt in ersten Reaktionen auf die Nasdaq-Ankündigung, 58 % an der Easdaq kaufen zu wollen.

Im europäischen Zusammenhang sei die Easdaq-Übernahme zunächst "nur marginal", urteilte auch Michael Gallagher, Börsenexperte bei der Deutschen Bank. Dennoch lastet nach Einschätzung von Marktkennern auf der Deutschen Börse weiter der Druck, einen Kooperations- oder Fusionpartner zu finden.

Nasdaq findet ein Standbein in Europa

Mit der Übernahme der Easdaq-Mehrheit erfüllt sich die Nasdaq ihren lange gehegten Wunsch, ein europäisches Standbein aufzubauen. Die Easdaq solle eine wichtige Verbindung in der globalen Handelsplattform der Nasdaq einnehmen, verkündete die US-Technologiebörse. Der weltweit zweitgrößte Aktienmarkt will nach eigenen Angaben seine neue Tochter in Nasdaq Europe umbenennen und mit dem neu entwickelten Handelssystem ETS ausrüsten. Insgesamt 70 Mill. Euro will sich die Nasdaq nach Angaben ihres Chairman Frank Zarb das Europa-Engagement kosten lassen.

Kaum Handel an der Easdaq

Reuters vorliegenden Nasdaq-Firmendokumenten zufolge soll die Easdaq europäische Erst- und Zweitlistings sowie von US-Aktien und weitere amerikanische Anlegerprodukte anbieten. In Branchenkreisen gilt die Easdaq-Geschichte nicht gerade als Erfolgs-Story. An dem 1996 gegründeten Markt notieren derzeit 62 Firmen und damit deutlich weniger als die ursprünglich geplanten 500. Die Easdaq sei beinahe ausgetrocknet und suche deshalb dringend nach einem starken Partner, hatte es im Zuge der aufkommenden Übernahmegerüchte in Finanzkreisen geheißen. Abgesehen von großen Zweitlistings wie etwa Microsoft sind bedeutende Notierungen an dem Brüsseler Markt eher die Ausnahme.

Nach Worten von Nasdaq-Chef Zarb stehen jedoch bereits verschiedene namhafte Investment-Häuser Schlange, um die neue Börse mit Liquidität zu versorgen. Zarb stellte jedoch klar, dass das Europa-Engagement der Nasdaq mit dem Easdaq-Einstieg nicht automatisch beendet sei. Die Gespräche mit anderen europäischen Märkten wie der London Stock Exchange (LSE) oder der Deutsche Börse AG gingen weiter, sagte er. Es sei weiter seine unbedingte Absicht, ein enges Verhältnis zu einem der großen Börsenbetreiber "in diesem Teil der Welt" aufzubauen, fügte Zarb hinzu. Allerdings erwarte er auf diesem Gebiet keine Transaktion mehr in diesem Jahr.

Deutsche Börse hält sich bedeckt

Die Deutsche Börse, die mit dem Neuen Markt das größte Wachstumssegment in Europa betreibt, wollte weder den Einstieg der Nasdaq bei der Easdaq, noch die Möglichkeit einer Kooperation mit der neuen Gesellschaft auf Anfrage nicht kommentieren. "Wir sprechen mit der Nasdaq genauso wie wir mit den anderen sprechen", sagte ein Börsen-Sprecher.

"Der Mehrheitserwerb an der Easdaq ist nur ein erster Schritt der Nasdaq", sagte Deutsche-Bank-Analyst Gallagher. Die US-Börse müsse ihre neue europäische Tochter erst einmal aufpäppeln. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Nasdaq über die Easdaq Kooperationen mit anderen europäischen Märkten aufbauen will", fügte der Börsen-Analyst hinzu. Mit dem Sprung über den Atlantik will die Nasdaq vor allem ihrem großen Ziel näher kommen, einen globalen Aktienhandel rund um die Uhr anzubieten. "Die Märkte werden der Sonne folgen", hatte Nasdaq-Chef Frank Zarb vor knapp einem Jahr verkündet, als er mit der Deutschen Börse und LSE die niemals realisierten Pläne für den gemeinsamen europäischen Wachstumsmarkt präsentierte. Die Nasdaq hat bereits eine Tochter in Asien.

Großfusion war zum Schweitern verurteilt

Die Deutsche Börse wollte im vergangen Jahr gemeinsam mit der Nasdaq und der Londoner Börse im Zuge der geplanten, aber später geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) einen gemeinsamen europäischen Wachstumsmarkt gründen. Seit dem Scheitern dieses Mammut-Projekts wird heftig über den nächsten Vorstoß der Frankfurter - aber auch der anderen europäischen Märkte - in diese Richtung spekuliert. Diese Erwartung hat mit dem Börsengang der Deutsche Börse AG im Februar neue Nahrung erhalten, den die Kassen der Frankfurter Gesellschaft sind seither prall gefüllt. Zudem arbeiten auch die beiden anderen großen Märkte Europas - die LSE und die Dreiländerbörse Euronext - an ihrer Position. Die LSE kommt noch in dieser Woche nach Frankfurt, um in der "Höhle des Löwen" ihr Initiative zu ihren neu kombinierten Wachstumssegmenten Techmark und AIM vorzustellen. Euronext geht im Juni an die Börse.

Deutscher Börse gehen die Partner aus

Experten zufolge sind der Deutschen Börse somit mittlerweile die potenziellen Partner ausgegangen. "Dass Klima für Fusionen hat sich ein bißchen abgekühlt" urteilte Analyst Gallagher. Dass die Deutsche Börse bisher noch keinen neuen Fusionsversuch gestartet habe, liege wohl weniger am "mangelnden Willen", als an einer fehlenden Gelegenheit. Schließlich müsse die Börse ihr Geld sinnvoll ausgeben, fügte Gallagher hinzu. Frankfurts Börsenchef Werner Seifert schlägt bereits leisere Töne als zuletzt an, wenn es um "sein" Thema "Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft" geht. Es müssen nicht unbedingt die Börsenorganisationen fusionieren, räumte er jüngst ein. Das angestrebte Zusammenwachsen Europas Finanzmärkte könne auch durch Zusammenschlüsse in der Börsen-Peripherie wie etwa der Abwicklung oder ein Aufsetzen anderer Märkte auf das Frankfurter Handelssystem Xetra voran getrieben werden.

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