Nasdaq fällt um fast 5 Prozent
Starke Verluste an der Wall Street

Die Börse in New York reagierte enttäuscht auf den Zinsschritt der Fed. Internet- und Computertitel sowie Finanzwerte gehörten in der Folge zu den Verlierern an den New Yorker Börsen.

ank/pw/zz DÜSSELDORF/WASHINGTON. Die New Yorker Börsen reagierten gestern mit Verlusten auf die Zinssenkung, die der Markt bereits erwartet hatte. Das Federal Open Market Committee hatte zuvor den Leitzins für die Fed-Fund-Rates einstimmig um 0,5 Prozentpunkte auf 5 % gesenkt. Zugleich senkte die Notenbank den Diskontsatz von 5 % auf 4,5 %.

Der Dow-Jones-Index lag zu Handelsschluss mit 2,4 % im Minus. Der S & P- 500-Index tendierte 2,4 % schwächer als am Vortag. Der Nasdaq-Index verlor 4,8 %. Den 1 622 Kursverlierern standen 1 420 Gewinner gegenüber. 1,1 Mrd. Aktien wechselten den Besitzer.

Viele Investoren zeigten sich enttäuscht davon, dass die Zinsreduzierung nicht höher ausfiel. Sie befürchten, dass der Impuls zu gering ist, um Wirtschaft und Unternehmensgewinnen einen deutlichen Schub nach vorn zu geben

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Verluste für Computertitel und Bankenwerte

Internet- und computerrelevante Titel gaben Gewinne aus der ersten Handelshälfte wieder ab. Marktschwergewicht Intel war mit minus 7,4 % unter den deutlichsten Verlierern. Cisco (- 6,3 %) und Microsoft (- 1,3 %) gaben ebenfalls ab. Oracle lag 6,1 % schwächer, nachdem der Softwareproduzent weltweit einen Abbau der Beschäftigung um ein bis zwei Prozent angekündigt hatte.

Auch Finanztitel spürten Verkaufsdruck. Citigroup verloren 4 %. Goldman Sachs gaben 3,1 % nach, nachdem die Investmentbank im ersten Jahresquartal zwar einen Gewinnrückgang verzeichnet, damit aber noch immer über den Analystenschätzungen gelegen hatte. JP Morgan Chase verloren 5 %. Keine Gnade kannte der Markt erneut mit Unternehmen, die Gewinnwarnungen oder andere negative Nachrichten veröffentlichen mussten. Der kalifornische Chipausrüster KLA-Tencor etwa verlor 7,6 %, nachdem er wegen der schwächelnden Halbleiterindustrie seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das dritte Quartal nach unten revidierte hatte.

Solectron notierten 11,8 % schwächer. Die Elektrotechnologie-Firma, die unter anderem Cisco und IBM beliefert, hatte neben einer Gewinnwarnung die Streichung von 8 200 Arbeitsplätzen bekannt gegeben, was einem Zehntel der Belegschaft entspräche. Three Systems-Five (- 22,2 %), Hersteller von Flüssigkristallanzeigen für Handys, kündigte auf Grund schwächerer Nachfrage ebenfalls ein Konzernergebnis unterhalb der Erwartungen an. Energieversorger Avista gab dagegen bekannt, die Gewinnschätzungen der Analysten von 30 Cents um drei bis fünf Cents zu übertreffen. Gleichzeitig legte das Unternehmen die Vorbereitungen zum Börsengang der Sparte Avista Labs auf Grund der Marktbedingungen vorübergehend auf Eis. Darauf drückten Kaufaufträge die Avista-Aktien um 4,6 % nach oben.

Niedrigere Zinsen wirken nicht sofort

Ob die globalen und die US-Märkte mit der Zinsentscheidung glücklich sein werden, ist noch offen. Zwar ziehen Alan Greenspan und seine Fed-Kollegen mit der erneuten Senkung um einen halben Prozentpunkt der US-Wirtschaft ein Korsett ein. Zugleich machen die Notenbanker aber auch deutlich, wie kritisch sie die ökonomische Lage in den USA einschätzen. Da nach der mathematischen Logik der Märkte jede Zinssenkung erst nach sechs Monaten ihre Wirkung entfaltet, könnte die US-Wirtschaft frühestens im dritten oder gar im vierten Quartal des Jahres auf eine Trendwende hoffen.

Für das Selbstverständnis der Fed indessen ist der Zinsentscheid entsagungsvoll. Denn die Währungshüter weisen der Stabilitätspolitik wenigstens zur Zeit nur den zweiten Rang unter ihren primären Aufgaben zu. Verbraucher- und Erzeugerpreise sind in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 3,5 % gestiegen; Sorgen um die Stabilität wären also durchaus angebracht. Aber in den vergangenen Wochen prasselte ein wahres Trommelfeuer auf die Währungshüter nieder, die dem Druck der Politik und der Märkte fast nicht entweichen konnten. Gemessen an den Pressionen konnten sich Greenspan & Co. eine Beibehaltung der Leitzinsen gar nicht leisten.

Die Fed hatte schon im Mai 2000 ihre Mitte 1999 begonnene Politik der leichten Zinserhöhungen beendet. Im Mai des Vorjahres waren die Leitzinsen auf den höchsten Stand seit 1991 geklettert. Nach den Zinssenkungen um einen ganzen Prozentpunkt im Januar und der jetzigen Reduzierung liegen die Leitzinsen nun 1,5 Prozentpunkte unter dem Stand von Jahresbeginn.

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