Nasdaq-Rückgang und schwacher Orange-Börsengang als Auslöser
Europäische Börsen beenden Handel mit Verlusten

Die europäischen Börsen haben am Mittwoch schwächer geschlossen. Händlern zufolge waren der Rückgang der Nasdaq sowie der schwache Börsengang von Orange die Auslöser. US-Notenbankchef Alan Greenspan habe zudem in seiner Rede am Dienstag vor dem US-Senat Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung wieder etwas gedämpft. Greenspan hatte gesagt, dass sich die US-Wirtschaft 2001 deutlich abschwächen werde, eine Rezession jedoch unwahrscheinlich sei. Diese Aussage habe bereits am Dienstag zu Kursverlusten an den US-Börsen geführt, sagten Börsianer.

Reuters. Unter Druck standen europaweit vor allem die TMT-Werte (Technologie, Medien, Telekommunikation) und die Titel von Finanzinstituten. Diese Branchen reagieren traditionell sehr sensibel auf Nachrichten zur Zinsentwicklung. Außerdem trübten die Verluste der Nasdaq die Stimmung, sagten Marktteilnehmer. Die Telekom-Aktien würden zusätzlich vom schwachen Börsengang der France-Telecom-Mobilfunktochter Orange belastet.

Die US-Börsen tendierten am frühen Abend in der Verlustzone. Der Dow-Jones-Index verlor 1,1 %, der technologielastige Nasdaq-Index gab 0,3 % ab.

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz verlor bis gegen 19.00 Uhr MEZ 1,42 % auf 4358 Punkte, während der Euro-Stoxx-50-Index für die Standardwerte aus der Europäischen Währungsunion (EWU) um 1,58 % auf 4556 Zähler nachgab.

LONDON - Beendet Sitzung mit Verlusten

An der Londoner Börse beendete der Aktienmarkt den Mittwochshandel mit Verlusten. Der FTSE-Index schloss 0,8 % tiefer bei 6176 Punkten. Indexschwergewicht Vodafone habe den Gesamtmarkt in die Tiefe gezogen, sagten Händler. Die Branche werde von der schwachen Kursentwicklung des Debütanten Orange belastet, hieß es. Die Aktie verlor rund 7,5 % auf 558-1/2 Pence. Vodafone gaben 2,7 % ab und British Telecom verbilligten sich um 7,1 %. Medienwerte standen ebenfalls unter Druck. Händlern zufolge litten die Titel unter zurückgehenden Werbeeinnahmen. Unter den Technologieaktien hätten ARM ganz besonders unter den schlechten Vorgaben aus den USA gelitten. Die Papiere rutschten um 7,73 % auf 411, 662 Pence ab.

ZÜRICH - Schweizer Börse gibt nach

Die Schweizer Aktienwerte haben den Mittwochshandel schwächer beendet. Der SMI verlor 1,12 % auf 7813 Punkte. Händler sprachen von einer deutlichen Verschlechterung der Stimmung im Markt. Schwache US-Aktien und fehlende Käufer hätten den Markt zudem belastet, hieß es. Unter starkem Druck standen ABB. Die Aktien weiteten ihre Verluste aus und verbilligten sich um 4,4 % auf 137 sfr. Der Elektrotechnikkonzern war Händlern zufolge bereits am Dienstag auf Grund der Besorgnis von Investoren über die Gewinnentwicklung um acht Prozent eingebrochen. UBS und CS Group büßten rund 1 % auf 275 sfr beziehungsweise 2 % auf 329 sfr ein. Die Bankenwerte hätten unter den gedämpften Zinshoffnungen aus den USA und der anhaltend gedrückten Börsenstimmung gelitten, hieß es. Gegen den Trend zulegen konnten Nestle, die nach Aussagen von Händlern als "sicherer Hafen" eingeschätzt werden. Die Papiere legten 0,8 % auf 3568 sfr zu.

PARIS - CAC 40 schließt auf Zwölf-Monatstief

In Paris stand die Börse nach Aussagen von Marktteilnehmern unter dem Druck des missglückten Orange-Börsengangs. Der CAC40 beendete die Sitzung mit einem Minus von 1,65 % bei 5644 Zählern und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Januar vergangenen Jahres. Unter Druck standen Telekomwerte, die Händlern zufolge durch den Orange-Börsengang belastet wurden. France Telecom gingen mit einem Minus von 8,5 % aus dem Handel, Bouygues fielen um 8,8 %. Die Aktie des Börsenneulings Orange verbilligte sich um 6,3 % auf 8,81 Euro und lag damit 11,9 % unter dem Ausgabepreis von zehn Euro für institutionelle Anleger. Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass France Telecom in den kommenden Wochen auf bis zu 63 Euro fallen wird. Der Telekom-Ausrüster Alcatel gab um 7,3 % auf 52,45 Euro nach. Zu den Gewinnern zählten defensive Titel, die Marktteilnehmern zufolge von Umschichtungen aus den Technologiewerten profitierten. Carrefour gewann 0,74 % auf 68,15 Euro, L'Oreal verteuerten sich um 1,2 %.

MAILAND - Mib30 folgt europäischem Trend

Die italienischen Aktienwerte haben dem europäischen Trend folgend schwächer geschlossen. Der Mib30 schloss 1,45 % tiefer bei 42 304 Punkten. Telecom Italia Mobile verloren knapp vier Prozent auf 7,37 Euro. Die Aktie hatte zuvor mit 7,34 Euro kurzzeitig den tiefsten Stand seit über einem Jahr markiert. Telecom Italia gaben 2,7 % auf rund zwölf Euro ab, und Olivetti verbilligten sich um 4,1 %. Die Aktien des Internetdienstleisters Seat verlor Händlern zufolge im Sog der europäischen Technologieschwäche mehr als fünf Prozent. Nach der Herabsetzung des Kursziels durch eine Investmentbank verbilligten sich Mediaset um 6,76 % auf 11,37 Euro. Sanpaolo legten nach der Veröffentlichung von Geschäftszahlen am Dienstagabend und der Vorstellung von Prognosen rund ein Prozent auf 17,48 Euro zu.

MADRID - Telefonica belastet Gesamtmarkt

An der madrilenischen Börse rutschte der Ibex im Sog des einbrechenden Telefonica-Kurses ab. Das Börsenbarometer schloss knapp drei Prozent tiefer auf 9759 Zählern. Die Aktie des Telefon-Konzerns verbilligte sich um knapp sechs Prozent auf 17,91 Euro. Die Telefonica-Internettöchter Terra Lycos und TPI büßten fünf Prozent auf 14,78 Euro beziehungsweise 2,7 % auf 6,77 Euro ein. Zu den wenigen Gewinnern gehörten Iberdrola, die Händlern zufolge nach der gescheiterten Fusion mit Endesa erneut von Übernahmespekulationen profitierten. Die Aktie verteuerte sich um 0,7 % auf 17 Euro. Endesa stiegen um 0,5 % auf 20,26 Euro. Die Titel des Bauunternehmens Dragados schlossen nach Vorlage von über den Erwartungen liegenden Geschäftszahlen rund ein Prozent fester auf 13,36 Euro.

AMSTERDAM - Aktien schließen schwächer

Im Amsterdamer Handel wurden ASM Lithography Händlern zufolge außer von den schlechten US-Vorgaben von der jüngsten Geschäftsprognose des Mitbewerbers Applied Material unter Druck gesetzt. Die Aktie schloss 3,5 % tiefer bei 25,39 Euro. Der AEX verlor 0,9 % auf 621 Punkte. Insgesamt seien die Umsätze aber sehr gering gewesen, sagten Marktteilnehmer. Viele Anleger hätten sich zurückgezogen und warteten auf gute Nachrichten und eine Besserung der Stimmung. "Die gute Nachricht ist, dass wir den nächsten technischen Widerstand nicht durchbrochen haben", sagte ein Händler. KPN litten Händlern zufolge unter einer Herabstufung und dem schwachen Debut der France Telecom - Mobilfunktochter Orange. KPN büßten sieben Prozent auf 12,88 Euro ein. Die niederländische Telefongesellschaft plant den Börsengang ihrer eigenen Mobilfunksparte.

WIEN - Nach lustlosem Handel schwächer

Der große Einbruch bei TMT-Werten in Europa färbte auch auf die österreichischen Aktienwerte ab. Der ATX schloss 0,8 % tiefer bei 1158 Zählern. Händler sprachen von einem eher flauen Gesamtmarkt. Das Interesse habe sich weitgehend auf Telekom Austria konzentriert, hieß es. Telekom Austria verbilligten sich um 3,6 % auf 6,17 Euro. Kurseinbußen musste auch der Sportausrüster Head hinnehmen. Der Titel verlor 5,7 % auf 5,60 Euro. Händler hatten für den Abschlag eigenen Angaben zufolge keine Begründung, außer "dass sich da halt immer wieder jemand verabschiedet". VA Tech und VA Stahl verbilligten sich in Erwartung ihrer Geschäftszahlen um 1,6 % auf 29,10 Euro beziehungsweise um 0,3 % auf 31,88 Euro.

BRÜSSEL - Aktien beenden Handel nahezu unverändert

In Brüssel haben sich die belgischen Aktienwerte gegen den europäischen Markttrend gestemmt und die Sitzung nahezu unverändert beendet. Der Bel-20 schloss 0,04 % fester auf 3013 Zählern. Händler führten den stabilen Handelsverlauf auf die geringe Anzahl an Technologiewerten in dem Index zurück. Interbrew verteuerten sich um fünf Prozent auf 31,90 Euro. Der Titel profitiere Börsianern zufolge von der Aufnahme in den Dow Jones Eurostoxx 600 am Freitag. Die Aktien der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) setzten ihren jüngsten Aufwärtstrend fort und schlossen 0,7 % höher auf 316,80 Euro, nachdem sie zuvor ein neues Allzeithoch bei 322 Euro markiert hatten. Das Unternehmen hatte Anfang des Monats mitgeteilt, ihre Beteiligung an der TV-Sendergruppe RTL gegen ein Aktienpaket an Bertelsmann eintauschen zu wollen. Fortis und Dexia verbilligten sich um 0,4 % auf 32,91 Euro beziehungsweise 1,2 % auf 179,70 Euro. BR> (GBL).

STOCKHOLM - Telekomausrüster drücken OMX

Die Stockholmer Börse wurde Brokern zufolge von der europaweiten Schwäche bei Technologieaktien belastet. Der OMX schloss 3,2 % schwächer auf 989 Zählern. Wie auch an anderen europäischen Handelsplätzen hätten sich sich in Stockholm Investoren von den Technologiewerten getrennt und seien in weniger schwankungsanfällige Standardwerte geflüchtet, sagten Händler. Die Schwergewichte Ericsson und Nokia rutschten um 6,7 % auf 90 skr beziehungsweise um 7,6 % auf 266 skr ab. Electrolux und Assa Abloy legten jeweils um sechs Prozent bei überdurchschnittlichen Umsätzen zu.

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