Nasdaq und Dow schwächer
Wall Street: High-Techs unter Druck

Nach zwei Tagen im grünen Bereich brachen die US-Märkte am Mittwoch erneut ein. Der Dow Jones Index verlor bis Handelsschluss 92,5 Punkte oder mehr als ein Prozent und notiert auf 8567 Punkten.

NEW YORK. Der Technologie-Index Nasdaq gab 37,6 Punkte oder 2,5 Prozent nach und schloss bei 1464 Punkten. Beide Indizes waren mit Gewinnen in den Handel gegangen, gegen Mittag aber in die Verlustzone gerutscht.

Vor allem die Technologiewerte zogen die Börsenbarometer zur Wochenmitte in die Tiefe. Die Analysten von Goldman Sachs hatten die Gewinnererwartungen für IBM , EMC und Sun Microsystems reduziert, da sich die Attacken vom 11. September auf die Quartalsergebnisse der Unternehmen doch schwerer auswirken könnten als zunächst befürchtet. EMC verlor im Handel 2,2 Prozent, Sun Microsystems gab um 2,9 Prozent nach und das Papier von IBM notierte sogar um 3,4 Prozent schwächer.

Auch die Dow Jones Schwergewichte Caterpillar und Honeywell drückten das Börsenbarometer. Caterpillar verlor nach einer Abstufung durch die Experten vom Brokerhaus UBS Warburg fast fünf Prozent an Wert. Der Kurs für Honeywell brach gar um fast acht Prozent ein, nachdem das Unternehmen bekanntgegeben hatte, dass Entlassungen und Umstrukturierungen nach der Katastrophe des 11. September mit mehr als einer Milliarde Dollar zu Buche schlagen würden.

Eine der stärksten Branchen war am Mittwoch der Gesundheitssektor, der im dritten Quartal ein durchschnittliches Wachstum von 13 Prozent vorweisen kann. "Orthopädische Implantate brauchen wir unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld, Operationen müssen weiterhin durchgeführt werden", sagt Goldman Sachs Analyst Larry Keusch über die Stabilität der Branche, die mancher Anleger schon als "sicheren Hafen" in der befürchteten Rezession ansteuert. Branchenprimus Pfizer legte 4,25 Prozent an Wert zu, die Aktien von Bristol-Meyer-Squibbs, Merck und Glaxo Smith Kline notierten ebenfalls im grünen Terrain. Selbst Mitbewerber Pharmacia , dessen Kurs am Dienstag unter dem Rückruf zweier Diabetesmittel litt, strich Gewinne über zwei Prozent ein.

Durchwachsen zeigte sich der Sektor der Airlines. Delta gab am Mittwoch bekannt, zur Kostenersparnis per 1. November 13 000 Mitarbeiter, also 16 Prozent des Personals, zu entlasen, und 15 Prozent seiner Flüge zu streichen. Das Papier gewann 1,4 Prozent. Weitere Verluste mussten hingegen Continental und Delta Airlines einstecken, deren Aktien um fünf beziehungsweise 2,2 Prozent nachgaben. Die Ankündigungen beider Unternehmen, Gehälter im Top-Management drastisch zu kürzen, hatten die Investoren offensichtlich nicht überzeugt.

Erfreulich geht es dafür im Einzelhandelssektor zu. Nachdem die Sanitär- und Möbelhauskette " Bed Bath and Beyond " gute Geschäftsdaten für das zweite Quartal veröffentlichte, und Analysten von Credit Suisse First Boston und Lehman Brothers die Aktie heraufstuften, legte das Papier fast zehn Prozent zu und schloss bei 25,09 Dollar. Das Papier von Wal Mart gewann über zwei Prozent. Die Aktie der Baumarktkette Home Depot hingegen brach am Nachmittag ein und gab über zwei Prozent ab.

Die unerwartet schlechten Quartalszahlen von Micron Technology belasten den Chipsektor. Der Halbleiterhersteller erwirtschaftete im vierten Quartal einen Verlust von 96 Cents pro Aktie und erhöhte den Fehlbetrag im Vergleich zum Vorquartal um 41 Prozent. Die Ursache für die schlechte Geschäftsentwicklung sei vor allem der immense Preisdruck bei Speicherprodukten. Die Aktie von Micron verlor fast 20 Prozent an Wert. Doch auch andere Chipwerte gerieten unter Druck.

Dem Web-Hosting-Unternehmen Exodus hat die Krise seit dem 11. September den Rest gegeben. Das ohnehin kränkelnde Unternehmen hat am Mittwochnachmittag Konkurs angemeldet. An der Nasdaq wurde der Exodus-Handel ausgesetzt. Am Dienstag hatte die Aktie bei 17 Cents notiert. Der höchste Kurs, zu dem Exodus einmal gehandelt wurde, lag bei 86 Dollar.

Die Ölbranche stablisierte sich am Nachmittag etwas. Mit Ausnahme der großen Verlierer Smith International und Chevron schafften es die Papiere der großen Konzerne ins Plus. Die Vertreter der ölproduzierenden Staaten diskutieren derweil in Wien ihre Preispolitik, allerdings wurden bis zum Abend wenig präzise Ergebnisse bekannt: Barrelpreise von 16 bis 26 Dollar seien in Zukunft zu erwarten, hieß es. Rohöl notiert nahe einem Zwei-Jahres-Tief.

Aus Washington gab es am Mittwoch keine stabilisierenden Nachrichten. Zwar scheint nach Äußerungen von US-Präsident George W. Bush ein militärischer Gegenschlag nach den Attentaten des 11. September nicht unmittelbar bevorzustehen, doch wurden erneut 2000 Reservisten eingezogen. Finanzminister Paul O?Neill traf sich am Morgen in New York mit den Vorstandsvorsitzenden von elf Globel Playern. Auf eine konkrete Empfehlung an die Regierung, wie die US-Wirtschaft zu stützen sei, einigte man sich aber nicht. O?Neills Amtsvorgänger Robert Rubin, der am Dienstag mit Notenbankchef Alan Greenspan und Experten des Kongresses zusammengetroffen war, sprach sich am Mittwoch hingegen für kurzfristige Steuersenkungen aus. Damit will man die Güternachfrage stärken und dem geschwundenen Konsumentenvertrauen entgegenwirken.

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