Nasdaq USA fokussiert Heimatmarkt
Nasdaq Deutschland steht zur Disposition

Die Technologiebörse Nasdaq will sich in Zukunft auf die Marktposition in den USA konzentrieren und stellt ihre Beteiligung an der vor drei Monaten gestarteten Börse Nasdaq Deutschland zur Disposition.

Reuters LONDON/FRANKFURT. "Wir erwägen derzeit alle Optionen, haben aber noch keine Entscheidung getroffen", sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld am Donnerstag in einer Telefonpressekonferenz. Eine Entscheidung sei bis Ende des Jahres zu erwarten, fügte er hinzu. Zuvor hatte Greifeld erklärt, Nasdaq werde sich in Zukunft vor allem auf ihre Marktstellung in den USA konzentrieren. Am Morgen hatte der Börsenplatzbetreiber mitgeteilt, den Börsenplatz der Nasdaq Europe in Brüssel zu schließen und die Beteiligung an der Derivatebörse NQXL zu verkaufen. Die Nasdaq reagiert damit auf die anhaltende Schwäche der Aktienmärkte. Im vergangenen Jahr hatte sie bereits die Nasdaq Japan geschlossen und damit die Idee eines weltumspannenden, 24-stündigen Handels vorerst ad acta gelegt.

Nasdaq Deutschland hatte im März 2003 als Konkurrenz zum Marktführer Deutsche Börse den Betrieb aufgenommen. Die Börsenumsätze sind indes bislang allerdings recht gering. So wurden der Sekundärmarktstatistik zufolge im Mai Wertpapiere im Gegenwert von rund 122 Mill. ? gehandelt. Zum Vergleich, allein der im Nebenwertesegment der Deutschen Börse gelistete Sportartikelhersteller Puma verzeichnete im Mai einen Börsenumsatz von 150 Mill. ?.

Nasdaq Deutschland ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Commerzbank, der comdirect, der Dresdner Bank, der Börse Berlin-Bremen und der Nasdaq Europe. Nasdaq Europe besitzt 50 % plus eine Aktie an dem deutschen Handelsplatz.

Im Gegensatz zur Nasdaq halten die übrigen Anteilseigner derzeit an dem Börsenplatz Nasdaq Deutschland fest. "Es gibt keine Änderung unserer Einstellung zu Nasdaq Deutschland. Wir gehen davon aus, dass die Schließung von Nasdaq Europe keine Auswirkung auf Nasdaq Deutschland hat", sagte ein Sprecher der Commerzbank, die zusammen mit der Tochter comdirect 15 % an der Handelsplattform hält. Eine Sprecherin der Börse Berlin-Bremen, die ebenfalls an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt ist, sagte: "Wir sind zuversichtlich, dass Nasdaq Deutschland unverändert fortgesetzt wird." Beim Miteigentümer Dresdner Bank war zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen.

Den Angaben zufolge rechnet die Nasdaq-Europe-Führung damit, dass der Marktplatz innerhalb der nächsten sechs Monate geschlossen wird. Man werde den Firmen helfen, Listings an andere Börsen zu finden, hieß es. Die Zahl der Listings an der Nasdaq war zuletzt auf unter 40 gefallen. 2001, als die US-Technologiebörse die Kontrollmehrheit an der damals unter Easdaq firmierenden Börse übernahm, waren es fast 70. Die Umsätze in den Papieren waren zuletzt auf ein vernachlässigbares Niveau gefallen. Investoren hatten sich daraufhin weitgehend zurückgezogen.

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