Nation, Patriotismus, Sieg
Analyse: Bushs schlichte Botschaften

US-Präsident George W. Bush schafft es, mit schlichten Botschaften Geld für den Wahlkampf einzutreiben.

WASHINGTON. Georg W. Bush strahlt. Tatkräftig und voller Zuversicht reckt er den linken Arm gen Himmel. "Ihre Unterstützung wird uns helfen, im nächsten Jahr einen großen landesweiten Erfolg zu erzielen", ruft der Texaner. Vor ihm wogt ein blau-weiß-rotes Fahnenmeer. Die Botschaft, die der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika an diesem Abend im Washingtoner Hilton-Hotel vermittelt, ist so klar wie simpel: Nation, Patriotismus, Sieg. 1 400 Anwälte, Lobbyisten und Fans der Regierung klatschen Beifall. Jeder Gast hat 2 000 Dollar für das Abendessen mit dem Chef des Weißen Hauses hingeblättert. Das macht in der Summe knapp drei Millionen Dollar - ein warmer Finanzregen, über den sich die Wahlkampfmanager der Republikaner freuen.

Auftritte wie der im Hilton in der US-Hauptstadt werden sich in den kommenden Wochen und Monaten im ganzen Land wiederholen. Denn es ist die Zeit der großen "Fundraising-Dinner": Knapp anderthalb Jahre vor den Präsidentschaftswahlen in den USA will Georg W. Bush seine ungebrochene Popularität in Cash für die Kampagne ummünzen. Auf diese Weise wollen die Republikaner insgesamt 200 Millionen Dollar eintreiben - das wäre einsamer historischer Rekord. "Wir wollen die Demokraten demoralisieren und auf diese Weise ein Momentum der Unvermeidbarkeit für Bush erzeugen", lautet die simple Formel von Scott Reed, einem Berater der Republikaner.

Dieser geballte Optimismus ist erstaunlich. Denn die innenpolitischen Daten der Regierung sind keineswegs überragend. So gingen der US-Wirtschaft seit Beginn der Amtszeit von Bush rund drei Millionen Jobs verloren. Die Arbeitslosenrate stieg von 4,2 auf 6,1 Prozent. Damit liegt sie so hoch, wie seit Jahren nicht mehr. Der Aktienindex Dow Jones liegt trotz der jüngsten Rallye um mehr als 1 100 Punkte unter dem Stand vom Januar 2001. Und das Haushaltsdefizit kletterte nach Bushs Steuersenkungsprogrammen auf neue Spitzenwerte

.

Bis dato haben die oppositionellen Demokraten jedoch kein Kapital aus dieser lückenhaften Bilanz schlagen können. Ihnen fehlt eine griffige Botschaft - und ein zugkräftiger Kopf. Neun Kandidaten tummeln sich auf dem Feld der Herausforderer: Das parteiinterne Ranking führen derzeit die Senatoren Joseph Lieberman, John Edwards und John Kerry sowie Richard Gephardt an; letzterer ist der ehemalige Fraktionschef im Repräsentantenhaus.

"Bushs Getrommel für die Steuerkürzungen setzt die Wirtschaft kaum unter Dampf, aber es hat die Opposition aus dem Konzept gebracht", betont Bruce Reed vom "Democratic Leadership Council", einer in der Mitte angesiedelten Parteigruppierung. Die Demokraten müssten sich aus der Defensive befreien, ohne in Bushs Falle zu laufen.

Bislang ist davon aber wenig zu spüren. So fordern Gephardt und der ehemalige Gouverneur Howard Dean, Bushs Steuerreform ganz zu kippen. Die Senatoren Lieberman, Edwards und Kerry wollen dagegen nur die Vorteile für Spitzenverdiener rückgängig machen. Stattdessen sollen kleinere und mittlere Einkommen mehr zum Zug kommen.

Auch beim Thema Haushaltsdefizit sind die Demokraten unterschiedlicher Auffassung. Eine Mehrheit macht sich zwar dafür stark, die aus dem Ruder laufenden Staatsfinanzen anzuprangern. Doch nicht alle ziehen mit. "Die Republikaner haben die öffentliche Verschuldung in immer neue Höhen getrieben - und keiner scheint sich darum zu scheren", bedauert Gephardt-Berater Steve Elmendorf. "Warum", fragt er, "sollen sich dann die Demokraten darüber graue Haar wachsen lassen?"

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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