National Football League: Um die Houston Texans wird gefeilscht
Das Gras beim Nachbarn ist grüner

Die Houston Texans werden schon jetzt gefeiert, obwohl die Newcomer noch kein Spiel in der National Football League bestritten haben.

Für eine Spiellizenz in der amerikanischen National Football League müssen die Teambesitzer Millionen hinblättern. Doch anscheinend lohnt sich die Investition. Denn um die Profi-Mannschaften wird gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar.

Die Fans lieben den Stier mit dem Sternauge, das Maskottchen der Houston Texans. Er blitzt auf Hunderten von Fanartikeln - Pullovern, Anstecknadeln und sogar Sonnenbrillengläsern. Ebenso beliebt sind die Chatrooms der Texans im Internet - Zehntausende von Zugriffen werden hier registriert. Nicht schlecht für ein Team, das es noch gar nicht gibt.

Denn die 32. Mannschaft der National Football League (NFL) geht erst im Herbst an den Start. Gut gerüstet sind die Houstoner aber schon jetzt: Der Fanshop verkauft seine Artikel, die Trainer sind engagiert, das nagelneue Stadion mit fast 70 000 Sitzplätzen steht bereit und hochkarätige Spieler sind auch schon eingekauft worden. Lange vor dem ersten Kickoff reden sich die Fans bereits warm: "Die Texans werden gewinnen, weil Texaner geborene Sieger sind", prahlt ein Besucher der Internetseite.

Die Blanko-Unterstützung für eine Mannschaft, die noch nie gespielt hat, passt ins Konzept der NFL. Die Liga kennt kaum alteingesessenen Traditionsvereine, deren Fans seit Jahrzehnten jede Saison ins Stadion pilgern. Stattdessen werden die Profi-Teams oft von einem US-Staat in den anderen verkauft, bis sie ein paar Jahre später erneut den Standort wechseln. Manche Klubs behalten dabei ihren alten Namen, so wie die New York Giants, die schon seit 1975 nicht einmal mehr im Staat New York spielen. Andere benennen sich um wie beispielsweise die Tennessee Titans, die 1996 noch als Houston Oilers aufliefen.

Anders als etwa in der Fußball-Bundesliga können sich die Vereine in der NFL nicht durch den Aufstieg aus unteren Spielklassen qualifizieren. Stattdessen vergeben die Organisatoren nur eine beschränkte Anzahl an Spiellizenzen. Die große Nachfrage treibt die Preise rasant in die Höhe - und das schon seit den Anfangsjahren des Profi-Footballs: In den zwanziger Jahren war die Spielerlaubnis für die Green Bay Packers noch für 50 Dollar zu haben. Drei Jahre später kostete die Lizenz für ein anderes Team schon zehnmal so viel. Mitte der neunziger Jahre blätterten die Besitzer rund 140 Millionen Dollar pro Team auf den Tisch. Und für die Houston Texans, den jüngsten Neuzugang, musste deren Besitzer Bob McNair 1999 schon 700 Millionen Dollar hinblättern. Doch selbst solch gewaltige Investitionen zahlen sich meist bereits nach wenigen Jahren aus. Die Washington Redskins als teuerste Mannschaft der Liga kosteten ihren aktuellen Besitzer Daniel Snyder vor zwei Jahren 750 Millionen Dollar. Allein in jenem Jahr erzielte das Team aber 32 Millionen Dollar operativen Gewinn, und heute wird sein Wert auf 796 Millionen Dollar geschätzt.

Auch die amerikanischen Städte kalkulieren mit der Ware Football-Team: Sie hoffen, dass ihre Mannschaft neue Arbeitsplätze und Einnahmen für die Stadtkasse bringt, zum Beispiel wenn Fans aus anderen Städten für die Auswärtsspiele ihres Klubs anreisen. Wirtschaftsexperten melden allerdings Zweifel an: Die Vereine stellten meist nicht viel lokales Personal ein und brächten höchstens einige Halbtagsstellen für Ticketverkäufer und Fanshop-Angestellte, erklären beispielsweise Douglas Turco und Tony Ostrosky von der Illinois State University.

Doch neben dem Geld geht es den Kommunen auch um den Ruhm, der von ihrem Team auf die Stadt abfärben soll. "Dass wir jetzt ein eigenes NFL-Team haben, hat den Ruf unserer Stadt als Aufsteiger gefördert, und die Stadt hat einen unglaublichen psychologischen Auftrieb bekommen", erklärte ein Berater des Bürgermeisters von Jacksonville in Florida, als die "Jaguars" vor Jahren in die Liga einstiegen. Und nach Ansicht vieler Amerikaner ist eine Großstadt erst dann ernst zu nehmen, wenn mindestens eine Erstliga-Mannschaft sich dort niedergelassen hat - und zwar am besten eine Football-Mannschaft.

Allerdings hat nicht jede Metropole wohlhabende Investoren, die Millionen Dollar für eine neue Lizenz bezahlen. Deshalb locken viele Kommunen Teams aus anderen Städten an und versprechen ihnen neue Stadien (finanziert mit Steuergeld), begeisterte Fans und lukrative Extradeals - etwa die Einnahmen aus sämtlichen Luxussuiten.

Für die umworbenen Teambesitzer ist der Tausch oft eine Goldgrube. Sie können zunächst ihren Heimatstädten die Pistole auf die Brust setzen, mit Abwanderung drohen und Steuerermäßigungen, weitere Werbeflächen, Renovierungen oder Neubauten fordern. Und wenn der Druck nichts fruchtet, können sie mit ihrem Team immer noch in eine andere Stadt ziehen.

So verließen die Raiders 1982 Oakland, weil ihnen Los Angeles bessere Bedingungen bot. 1995 kehrten sie dann in ein neues, 100 Millionen Dollar teures Stadion nach Oakland zurück. Die St. Louis Rams spielen inzwischen sogar schon in der vierten Stadt ihrer Geschichte. In Managerkreisen kursiert deshalb das Sprichwort: "Das Gras ist immer grüner im nächsten Stadion, das gebaut werden soll."

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