Nationale Fusionspotenziale nahezu ausgereizt
Die Fusionen im Kreditgewerbe haben gerade erst begonnen

In der Fusion von Banken und Versicherungen liegt Musik. Vor dem Hintergrund privater und staatlicher Altersvorsorge wittern die Finanzdienstleister neue Absatzmöglichkeiten. Auch die Firmenkundenbindung soll verstärkt werden.

HB DÜSSELDORF. Frank Heintzeler, der deutsche Bankenverbandspräsident, hat unlängst ausgesprochen, was viele Experten über den Bankensektor in Europa denken: "Wer glaubt, es habe sich in der Kreditwirtschaft viel verändert in den vergangenen fünf Jahren, der wird feststellen, dass in den nächsten fünf Jahren noch ungleich mehr passieren wird." Die Kreditinstitute stellen sich auf die bevorstehenden Umwälzungen ein: den Siegeszug des Internet, den Boom der Altersvorsorge, die Globalisierung des Geschäfts, das Zusammenwachsen des Euro-Marktes und die zunehmende Gewissheit, dass eine Welle grenzüberschreitender Fusionen nur eine Frage der Zeit ist.

Die Konsolidierung auf den nationalen Finanzdienstleistungsmärkten in Europa ist nicht zuletzt durch die Übernahme der Dresdner Bank durch den Münchener Versicherungskonzern Allianz weitestgehend ausgereizt. "Wir erwarten auf kurz- bis mittelfristige Sicht eine wachsende Anzahl von grenzüberschreitenden Fusionen", meint deshalb Mike Veacnocke von der Europäischen Bankenvereinigung Federation Bancaire de l? Union Europeene (FBE) in Brüssel. In den meisten europäischen Ländern wie Spanien, Schweiz, den Benelux-Staaten oder auch Skandinavien dominieren zwei oder drei große Finanzkonzerne den Markt. Lediglich in Frankreich, dass von deutschen Bankern als lukrativer Markt im Massengeschäft und gehobenen Privatkundensegment angesehen wird, und Italien bieten sich noch Konsolidierungsmöglichkeiten. Für Deutschland heißt es in einer Studie von Schroder Salomon Smith Barney (SSSB), die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz habe die strategischen Möglichkeiten der anderen Häuser stark beschränkt.

Für die Commerzbank erhöhe die Entwicklung den Druck zu wachsen und ihre stark auf Unabhängigkeit fokussierte Strategie aufzugeben. Die Hypo-Vereinsbank, die sich zum breiten Privatkundengeschäft (Retail-Banking) bekennt und auf regionale Präsenz setzt, werde von der engeren Anbindung an die Münchener Rück profitieren, prognostiziert SSSB. Die geringsten Auswirkungen werden für die Deutsche Bank erwartet. Der Branchenprimus, dem als einzigen unter den deutschen Banken gute Chancen eingeräumt werden, auch im Investment-Banking unter die Großen der Branche vorzustoßen, werde weiter ihren Weg gehen, heißt es in einer Studie der Credit Suisse First Boston (CSFB).

Kundenbeziehungen sind noch lange nicht ausgereizt

Vor Übernahmen im Ausland bieten sich jedoch auch auf dem Heimatmärkten noch ausreichend Tätigkeitsfelder. Manko der deutschen Institute ist, dass die bestehenden Kundenbeziehungen noch lange nicht ausgereizt. Kaum ein Kunde, da sind sich Experten einig, verfügt über mehr als zwei Produkte von ein- und demselben Institut. Die Banken müssen ihre Produkte bei bereits vorhandenen Kunden platzieren, heißt es. In einer Ausschöpfung der Kundenbeziehungen liegt auch der Reiz der Verbindung von Versicherungen und Banken. Veacnocke sieht stärkere Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Institutsgruppen, nicht zuletzt durch die Annäherung der Geschäftsfelder vor dem Hintergrund der privaten und betriebliche Altersvorsorge. Vor allem auf der Privatkundenschiene mache eine engerer Zusammenarbeit zwischen Banken und Versicherungen durchaus Sinn, sagt Veacnocke.

Daneben versuchen die deutschen Häuser durch Umstrukturierungen Cross-Selling-Potenziale zu heben. Die neue Struktur der Commerzbank und der Deutschen Bank, die je einerseits eine Firmenkunden- und Investmentsäule und andererseits eine Sparte für das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung etabliert haben, soll die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen deutlich verbessern. Vor allem im Firmenkundengeschäft werden Kredite an Firmenkunden in Zukunft wohl nur noch dann vergeben, wenn der Kunde auch andere Dienstleistungen, bevorzugt aus dem Investment-Banking, in Anspruch nimmt. Zudem bietet auch eine Zusammenarbeit der Institute im Back-Office Synergiepotenzial. Davon ist auch Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz überzeugt: "Nach den gescheiterten Fusionen mit Deutscher Bank und Commerzbank ist für mich klar, Back-Office-Tätigkeiten zu poolen und Skaleneffekte zu erzielen."

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