Nationale Notlage in Großbritannien
"Cobra"-Krisenstab soll britische Regierung zu MKS beraten

Der "Cobra"-Krisenausschuss wird ausschließlich in Zeiten nationaler Notlagen einberufen. Der Krisenausschuss besteht aus Vertretern verschiedener Ministerien. Den Vorsitz hat Agrarminister Nick Brown.

Reuters LONDON. Ein Krisenstab soll die britische Regierung künftig im Kampf gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS) unterstützen. Das Agrarministerium teilte am Sonntag mit, der aus Vertretern verschiedener Ministerien gebildete "Cobra"-Krisenausschuss werde unter dem Vorsitz von Agrarminister Nick Brown täglich über MKS beraten. Der "Cobra"- Stab wird ausschließlich in Zeiten nationaler Notlagen einberufen, zuletzt wegen der Ölpreis-Krise im vergangenen Herbst. Wissenschaftler hatten jüngst gewarnt, die Seuche drohe sich derart rasch auszubreiten, dass möglicherweise die Hälfte des britischen Viehbestandes von 62 Mill. Tieren getötet werden müsse. Die Zahl der bestätigten MKS-Fälle im Land erhöhte sich auf 560. Auch auf dem europäischen Festland stieg die Zahl der Seuchenfälle am Wochenende weiter an.

Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, ein Logistik-Team der Armee koordiniere inzwischen im Agrarministerium die Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche. Seit vergangener Woche sind zudem rund 200 Soldaten im Einsatz, um die Schlachtung und Beseitigung getöteter Tiere in den Seuchengebieten zu organisieren.

MKS-Diagnoseverfahren soll beschleunigt worden sein

Der britischen Regierung zufolge wurden das MKS- Diagnoseverfahren, die Keulung von Tieren und die Vernichtung der Kadaver beschleunigt. Minister Brown sagte, zwischen der Bestätigung eines MKS-Falls und der Tötung der betroffenen Tiere vergingen inzwischen rund zwölf Stunden. Medienberichten zufolge war zuvor doppelt soviel Zeit vergangen. Seit Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Februar wurden in Großbritannien rund 300 000 Klauentiere wie Rinder, Schafe und Schweine getötet. Auch Irland, wo die Seuche ebenfalls grassiert, hat mit der Tötung Tausender Tiere begonnen.

Die Niederlande hatten am Samstag einen vierten MKS-Fall bestätigt. Nach Regierungsangaben wurde der MKS-Erreger durch Vieh-Importe eingeschleppt, die aus Irland kamen und über das französische Mayenne liefen. Am Samstag wurde das Transportverbot für Milch und Tierfutter in den nicht von MKS betroffenen Regionen der Niederlande aufgehoben. Fleischexporte aus MKS-freien Gebieten sollen in der kommenden Woche wieder anlaufen. Am Freitag hatte der Ständige Veterinärausschuss der Europäischen Union (EU) den Niederlanden eine Lockerung des EU-weit geltenden Verbots von Impfungen gegen MKS gestattet.

4. Seuchenfall in den Niederlanden, 2. Fall in Frankreich

In Frankreich war bereits am Freitagabend nahe Paris der zweite Seuchenfall festgestellt worden. Nach Angaben des französischen Agrarministeriums deutet einiges darauf hin, dass der zweite Fall durch Tiere ausgelöst wurde, die illegal von Mayenne auf einen Bauernhof in Seine-et-Marne gebracht worden waren. In Mayenne seien diese Tiere mit erkrankten Schafen aus Großbritannien in Kontakt gekommen.

Seit Samstag besteht in Frankreich bis mindestens zum 27. März ein Exportverbot für alle Fleisch-, Milch- und sonstigen Tierprodukte einschließlich Leder, sofern die Erzeugnisse nicht speziell gegen den MKS-Erreger behandelt wurden. Mit dem Ausbruch der Krankheit in Frankreich hatte die hoch ansteckende Tierseuche erstmals auf das europäische Festland übergegriffen.

Bei ihrem Gipfel in Stockholm hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU zuversichtlich gezeigt, dass die MKS eingedämmt werden kann. Zum Abschluss ihrer Konferenz erklärten sie am Samstag, die EU setze darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen die Seuche stoppen würden.

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