Nationalelf löst sportliches Erdbeben aus
Japan - eine Nation im Jubelrausch

Sie tanzten nackt in den Straßen, sprangen von Brücken ins Wasser und tauchten die Nation in ein blaues Jubelmeer. So viel Grund zur Freude hatten die von der Rezession geplagten Japaner schon lange nicht mehr. Der erste Sieg ihrer Nationalmannschaft bei einer WM-Endrunde setzte selbst bei den ansonsten eher zurückhaltenden Inselbewohnern ungekannte Emotionen frei und ließ zumindest für einige Stunden die Folgen der Wirtschaftskrise vergessen.

dpa YOKOHAMA. Bis tief in die Nacht feierten sie mit geradezu südländischem Temperament ihre neuen Nationalhelden und den historischen 1:0-Erfolg über Russland.

Die Sport- und Tageszeitungen erzielten Rekordauflagen, die TV- Sender vermeldeten die höchste Einschaltquote im Sportfernsehen seit den Olympischen Spielen in Tokio 1964. "Der rechte Fuß von Ina hat die Geschichte verändert", huldigte "Nikkan Sports" dem Matchwinner Junichi Inamoto, der mit seiner "Emotionsbombe" ("Sports Hochi") in der 51. Minute für ein sportliches Erdbeben sorgte. Selbst die staatstragenden Zeitungen widmeten dem unerwarteten Coup fast ihre ganzen Titelseiten.

Aus Freude über die Tabellenführung nahmen rund 150 Fans noch in der Nacht ein Bad im Dotombori-Fluss von Osaka. Noch weiter gingen Fans in Tokio und Yokohama: Einer tanzte splitterfasernackt auf der Straße, der andere ließ die Hose runter, bevor beide von der Polizei abgeführt wurden. Japans Regierungschef Junichiro Koizumi und Deutschlands Fußball-Weltenbummler Dettmar Cramer ließen sich als Tribünengäste im Tollhaus "International Yokohama Stadium" von der Welle der Begeisterung mitreißen. "Ich habe die ganze Zeit die Daumen gedrückt. Es war fantastisch", schwärmte Cramer, der in Japan als Vater der heimischen Fußball-Szene Kultstatus genießt und das Team Nippons 1964 in Tokio betreut hatte.

Vor allem Mittelfeldspieler Inamoto spielte sich in die Herzen der Fans. "Bei Arsenal darf er nicht spielen, hier ist er zum Weltstar geworden", kommentierte "Sports Nippon" den ungewöhnlichen Karriere- Sprung des überragenden 22 Jahre alten Profis. Wie schon beim Spiel gegen Belgien verblüffte Inamato seinen Vereinstrainer Arsene Wenger, der seinen Reservespieler als Kommentator des japanischen Fernsehens über den grünen Klee lobte.

Eine konkrete Aussage über die Zukunft des Blondschopfes, der im Juli 2001 für 3,1 Mill. ? vom J-League Club Gamba Osaka in die Premier-League gewechselt war, ließ sich der Arsenal-Coach jedoch nicht entlocken. "Darüber werden wir zu eine anderen Zeit reden", sagte Wenger und ließ damit offen, ob der Legionär trotz des Vierjahres-Vertrages vorzeitig aussortiert werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%