Nationaler Ethikrat nimmt Arbeit auf
Schröder warnt vor Zurückbleiben bei Gentechnik

Anlässlich der ersten Zusammenkunft des Nationalen Ethikrates hat Bundeskanzler Gerhard Schröder davor gewarnt, den Anschluss an die internationale Entwicklung in Gentechnik und Biomedizin zu verpassen.

ap BERLIN. Wir stehen "einer Entwicklung gegenüber, die in immer kürzeren Zyklen neue Erkenntnisse und Verfahren produziert", erklärte Schröder am Freitag in Berlin. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn forderte ein Votum des Rats zur umstrittenen Forschung an embryonalen Stammzellen.

Schröder betonte die internationale Dimension der Entwicklung in den Lebenswissenschaften. "Wir beraten und entscheiden nicht in einem von der Außenwelt isolierten Deutschland", sagte der SPD-Chef in Hinblick auf die national unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen für gentechnische Verfahren und Methoden wie Embryonenforschung und Präimplantationsdiagnostik. Eine auf nationale Fragen beschränkte Debatte könne es nicht geben.

In Hinblick auf das zehn Jahre alte Embryonenschutzgesetz sagte der Bundeskanzler, "dass wir uns hier nicht unter Zeitdruck setzen lassen müssen und dürfen". Das Gesetz verbietet nicht den umstrittenen Import embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken, für den sich unter anderen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement stark gemacht hat.

Der Nationale Ethikrat soll sich nach Auffassung von Bulmahn ausführlich mit der Forschung an embryonalen Stammzellen befassen. Sie sei dafür, "überzählige menschliche Embryonen zur Herstellung von Stammzellen zu nutzen", sagte die SPD-Politikerin. Dagegen appellierte VdK-Präsident Walter Hirrlinger an den Rat, sich gegen einen Import embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken auszusprechen. "Es darf keine Forschung durch die Hintertür möglich sein." Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, wies darauf hin, dass "bei allem Respekt vor dem Nationalen Ethikrat" der Bundestag über den Import embryonaler Stammzellen entscheiden müsse.

Schröder weist Kritik am Ethikrat zurück

Schröder forderte das von ihm einberufene Gremium auf, über den Fortschritt der Gentechnik zu informieren und Empfehlungen für Politik und Gesetzgeber zu geben. Die Arbeit des Rates könne allerdings kein Ersatz für politische und parlamentarische Entscheidungen sein. Kritik am neugebildeten Rat wies der Kanzler ebenso zurück wie Befürchtungen, der Rat solle politische Entscheidungen lediglich pro forma moralisch legitimieren.

Schröder sagte, das Gremium solle Einfluss auf die öffentliche Debatte über Chancen und Risiken der Gentechnik nehmen und vor allem Politik und Gesellschaft über neue Erkenntnisse informieren. Der Maßstab für die Nutzung der Gen- und Biotechnologie müsse die unantastbare Würde des Menschens bleiben. Es gehe aber auch darum, diese mit der "Ethik des Heilens und Helfens" durch neue wissenschaftliche Entwicklungen zu verbinden.

Dem Rat gehören unter anderem der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, der Biologe Jens Reich und der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%